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Bürger sagen zu allem "Ja"

Sendlinger lehnen Gasteig-Umzug in ihr Viertel (mehr oder weniger) ab

Teuflische Pläne und ein böser Zauberer bedrohen die Sendlinger Kreativfamilie? Ganz so einfach wie die Szene auf dem Mobilspielbauwagen auf dem Areal an der Hans-Preißinger-Straße ist die Sache mit dem Gasteig nicht ... (Bild: job)

35 Empfehlungen hat die Sendlinger Bürgerversammlung heuer abgegeben. Damit wurden ausnahmslos alle Anträge, die Bürger einbrachten, angenommen. Besonders wichtig war den Bürgern die Frage, ob der Bus 134 durch das neue Wohnquartier an der Zechstraße geführt werden soll (dieser Plan stieß auf Ablehnung, die in mehreren Anträgen geäußert wurde), und der mögliche Umzug des Gasteig auf das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße 8. Die Machbarkeitsstudie zu dem für einige Jahre nötigen Ausweichen des Gasteigs hat im Viertel für erhebliche Unruhe gesorgt; im November dürfte der Stadtrat hierzu seine Entscheidung treffen. "Wir möchten das Biotop des Gewerbes und der Künstler zumindest zum Teil halten", erklärte Bezirksausschussvorsitzender Markus Lutz. Von den 35 untersuchten Plätzen ist allerdings nur das Sendlinger "Kreativquartier" zwischen Flaucher und Heizkraftwerk als möglicher Zwischenstandort für das Gasteig übrig geblieben. Die gegenwärtig dort arbeitenden Mieter bangen um ihre Existenz.

Für deren Sorgen habe man Verständnis, sagte Max Wagner, Geschäftsführer der Gasteig München GmbH. Deren Einbindung sei von Anfang an Teil der Umzugspläne gewesen. "Die Integration der Mieter wäre für den Gasteig eine Bereicherung", betonte er und äußerte die Hoffnung, dass sich die Umzugsdebatte "mehr in ein Miteinander statt Gegeneinander verändert".

Gleich zehn der 35 Empfehlungen beschäftigten sich mit dem Gasteig. Die Sendlinger lehnten den Umzug zum einen grundsätzlich ab; zugleich empfahlen sie aber auch, eine gemeinsame Nutzung des Areals von Gasteig und bisherigen Mietern zu prüfen. Auch einem Umzug nur von Teilen des Gasteigs auf das Sendlinger Gelände regten sie an.

"Unversorgt" in der Familie?

Die Versorgung mit Kindergartenplätzen liegt in Sendling inzwischen bei 103 Prozent - und wird in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Das erklärte Bürgermeisterin Christine Strobl bei der Bürgerversammlung. Für 75 Prozent der Grundschüler in Sendling gibt es inzwischen Möglichkeiten der "Ganztagsbetreuung". Der größte Anteil daran (ein Drittel) wird von Mittagsbetreuungen abgedeckt. Das Viertel der Sendlinger Kinder, für die es kein solches Angebot gibt und die daher nach dem Unterricht zuhause und in der Familie sind, wird in den Statistiken der Stadt nach wie vor als "unversorgt" geführt.

Schulen werden ausgebaut

Der Westflügel der Plinganserschule ist bereits saniert, im kommenden Jahr soll nun die Erweiterung auf fünf Züge, der Neubau der Turnhalle und der Bau des Tagesheims (acht Gruppen) beginnen. Abgeschlossen werden sollen diese Arbeiten bis 2020/21.

Im Sommer beschlossen wurde die Erweiterung der Gotzinger Schule. Sie bekommt u.a. eine Mensa und ein Kinderhaus (sieben Gruppen).

Radweg wird markiert

Ende des Jahres wird das Clearinghaus an der Plinganserstraße fertig. Danach wird dort ein Radweg auf der Plinganserstraße markiert, kündigte Bezirksausschussvorsitzender Markus Lutz an. Der Autoverkehr werde darunter nicht leiden, es bleibe in jeder Richtung eine überbreite Spur. Für Radler wird das Fahren mit dem neuen Weg sicherer.

"Legen Sie auf!"

Sendling und sein Nachbarviertel Sendling-Westpark sind sichere Stadtteile - und diese positive Situation hat sich in den ersten neun Monaten des Jahres sogar noch verbessert. Das belegte Christian Wittstadt bei der Sendlinger Bürgerversammlung mit der Zahlen der Kriminalstatistik. Wittstadt leitet die Polizeiinspektion 15, die für die beiden Viertel mit ihren gut 98.000 Bürgern zuständig ist.

Die Zahl der Straftaten ist seit dem letzten Jahr leicht zurückgegangen, einen spürbaren Rückgang gibt es bei den Einbrüchen. "Es gibt keine Brennpunkte", fasste Wittstadt zusammen. Die gebe es auch nicht an der Tankstelle in der Implerstraße und auch nicht bei der Flüchtlingsunterkunft in der Meindlstraße. "Da geschieht nichts Bedenkliches", erklärte Wittstadt zur Implerstraße. Hier feierten - zum Leidwesen der Anwohner - immer wieder Jugendliche. Die Polizei stehe mit den Anwohnern in Kontakt und werde die Lage verbessern helfen. Engen Kontakt hält die Polizei auch mit den Betreuern in der Meindlstraße; auch hier gab es Einsätze wegen Ruhestörungen. Man habe diese Probleme aber gemeinsam im Griff, so Wittstadt: "Ich finde, das klappt sehr gut", sagte er.

Sorgen macht der Polizei ein ganz anderer Bereich: Wesentlich häufiger als im Vorjahr haben Trickbetrüger im Viertel Opfer gefunden. Die Fallzahlen mit falschen "Handwerkern", "Polizisten" und "Paketzustellern" seien stark gehäuft. "Lassen Sie sich an der Haustür von niemandem unter Druck setzen", riet Wittstadt eindringlich, "lassen Sie niemals Unbekannte in Ihre Wohnung und rufen Sie im Zweifel die Polizei!" Das gelte auch bei Anrufen von vorgeblichen "Polizisten", bei denen die Notrufnummer 110 im Telefondisplay erscheine. Die Polizei rufe nie mit der Nummer 110 an, erklärte Wittstadt: "Wenn Sie bei einem Anruf Zweifel haben, legen Sie auf!" Die Jüngeren forderte der Leiter der Polizeiinspektion auf, sich um ihre älteren Verwandten zu kümmern und mit ihnen über die Trickbetrüger-Maschen zu reden.

Empfohlen: Flaucher-Zufahrt sperren

Wer zum Flaucher will, fährt mit dem Auto über die Hans-Preißinger-Straße oft bis zur Sperre an der Schinderbrücke, um dort zu parken. Wenn dort aber kein Platz frei ist, müssen die Autos umkehren; sie rangieren in der engen Sackgasse und oft auch auf der Schinderbrücke. Das ist unfallträchtig und gefährdet Spaziergänger. Die Bürgerversammlung empfahl auf Vorschlag von Angelika Hamswenzel-Neubert, dieses Stück für Autos zu sperren (es ist gegenwärtig als Fahrradstraße gewidmet). Die dann nicht mehr allgemein zugänglichen Parkmöglichkeiten am Straßenrand könne man den dort tätigen Kleingärtnern anbieten oder als Behindertenparkplätze ausweisen.

Ein solches Einfahrtsverbot vom Isarkanal in die Hans-Preißinger-Straße hatte die Bürgerversammlung bereits 2011 empfohlen. Der Vorschlag war aber nicht umgesetzt worden, weil er laut Kreisverwaltungsreferat viele Ausnahmeregelungen erfordern würde (Kleingärten, Wasserkraftwerk und Flaucher-Gaststätte müssen erreichbar bleiben) und das Verbot nicht zu überwachen wäre.

Empfohlen: Busspuren markieren

An der Kreuzung Thalkirchner / Schäftlarnstraße staut sich oft der Verkehr. Die Bürgerversammlung empfahl daher, in der Brudermühlstraße Busspuren zu markieren, damit die Busse trotz Stau schneller durchkommen und der ÖPNV attraktiver wird.

Empfohlen: Bus 134 nicht verlegen

Die Bürgerversammlung empfahl (wie bereits 2016), die Linienführung des Busses 134 nicht zu verändern. Der Bus solle wie bisher an der Plinganserstraße am neuen Wohnquartier Zechstraße / Flößergasse (ehemaliges Philip-Moris-Gelände) vorbeifahren, aber nicht durch das Quartier geführt werden. Mehrere Anträge wurden dazu gestellt.

Der Bezirksausschuss hatte 2015 mit großer Mehrheit die Überlegung angestoßen, mit einer solchen Verlegung die Situation für die neuen Bewohner dort zu verbessern. Da die Flößergasse nach der Bebauung ringsum ohnehin umgebaut werden müsse, habe man die Gelegenheit, Verkehrsbeziehungen neu zu knüpfen und vielleicht den S-Bahnhof Mittersendling an die Buslinie anzubinden. Eine solche Verlegung der Linie wäre laut MVG prinzipiell machbar. Das sieht auch das städt. Planungsreferat so, dass vor kurzem seine Prüfung dazu abgeschlossen hat.

Der Bus im Wohngebiet wäre eine große Belastung, meinen hingegen Anwohner. Das habe die vorübergehende Umleitung der Linie gezeigt, als die Steinerstraße 2016 gesperrt war. Die neuen Bewohner des Quartiers müssen nur 100 bis 150 m gehen, um zum Bus an der Plinganserstraße zu kommen. Eine Verlegung der Linie sei also unnötig und führe zu ungerechtfertigt hohen Kosten.

Es gebe indes auch Bürger, die für eine Verlegung des Busses sind, erklärte Bezirksausschussvorsitzender Markus Lutz. Man müsse sich nun die Situation nochmal ansehen und abwägen.

Empfohlen: Zechstraße verschmälern

Die Zechstraße soll auf eine Breite von nur noch 6 Meter (das wäre für eine Buslinie zu eng) verschmälert und mit Bäumen und Grün neu gestaltet werden. Bernhard Klecker schlug dies vor, damit der Wandel des Viertels vom Gewerbe- in ein Wohnquartier auch im Straßenbild sichtbar werde. Die Bürgerversammlung empfahl, seinen Vorschlag umzusetzen.

Empfohlen: Schrägparken belassen

Die Parksituation in der Flößergasse (hier sind etliche Schrägparkplätze) soll unverändert bleiben, empfahlen die Bürger. So soll zum einen eine Durchfahrt des Busses 134 vermieden werden, zum anderen soll der Autoverkehr durch eine Änderung nicht die Möglichkeit bekommen, die Gasse zu schnell zu durchzufahren.

Empfohlen: Rasen nicht zu kurz schneiden

Die Sterilisierung der innerstädtischen Wohnanlagen kritisierte Horst Heinrich. Wo Rasen kurz geschnitten werde, können keine Wildblumen wachsen - die Insektenvielfalt verschwindet und mit ihr die der Vögel. Die Bürgerversammlung empfahl daher, das Kurzschneiden von Rasenflächen in nichtöffentlichen Wohnanlagen mit einer Satzung zu verbieten. Zudem solle der Einsatz von saugenden Gartengeräten verboten werden.

Empfohlen: Resi Huber angemessen würdigen

Resi Huber, die bis 2000 in Sendling lebte, hat als junge Frau unter hohem Risiko Menschen im KZ Dachau geholfen. Später hat sie sich als Friedensaktivistin und Kommunistin engagiert. Am Sendlinger Obelisken ist seit einigen Jahren ein Platz nach ihr benannt. Die Tafel, mit dem das Straßenschild erläutert werden soll, fehlt aber noch. Um den Text gab es lange Debatten. Während der Bezirksausschuss Sendling auf die gesamte Lebensleistung Resi Hubers erinnern wollte (also auch an die „Antifaschistin“, „Friedensaktivistin“ und „Kommunistin“ darauf hatte sich das Gremium parteiübergreifend 2015 geeinigt), zog der Ältestenrat der Stadt eine „parteineutrale“ Erinnerung vor, die sich auf die Zeit des NS-Regimes beschränkt und Hubers kommunistische Parteizugehörigkeit ausblendet. Der Oberbürgermeister hatte zugunsten des Ältestenrats entschieden, um die Diskussion zu beenden.

Ganz anders nun die Bürgerversammlung: Sie empfahl auf Vorschlag Gabi Duschls eine Tafel mit dem Text des Bezirksausschusses. Nur dieser „wird dem Leben dieser mutigen Frau gerecht“, sagte Duschl, „nach fünf Jahren Geduld wollen wir endlich eine adäquat beschriftete Erinnerungstafel.“ Hubers Lebensleistung sei weit mehr als der KZ-Abschnitt. Sie sei ein Vorbild für die Jugend, die sich gegenwärtig zunehmender Bedrohung von Rechts ausgesetzt sehe.

Die Bürgerversammlung empfahl zudem, das Straßenschild am Platz zu reinigen. In seinem gegenwärtigen Zustand stelle es keine würdige Erinnerung dar.

Empfohlen: Großmarkt in städtischer Hand bauen

Der Großmarkt soll ausschließlich in städtischer Hand bleiben und durch die Stadt saniert werden. Mit dieser Empfehlung verlangen die Sendlinger die Rücknahme des Stadtratsbeschlusses vom Juli, der den Neubau der Halle einen privaten Investor überlässt. Der Großmarkt erhalte die Gastronomie in der Stadt und die Märkte in den Vierteln. Das beschlossene Privatmodell verunsichere die Händler und verzögere die Sanierung. Diese müsse aber endlich zeitnah folgen - das könne nur die Stadt. Daher sei die Entscheidung des Stadtrates unbefriedigend. Die Bürger bezweifeln, dass ein privater Investor günstiger bauen könne als die Stadt: "Das ist schöngerechnet", so der Antragsteller, "ein privater Investor will verständlicherweise eine Gewinnmaximierung und nicht verträgliche Mieten!"

Der Großmarkt gehöre zur städtischen Daseinsvorsorge, betonten die Sendlinger. Von dieser hatte zuvor Bürgermeisterin Christine Strobl gesprochen, als sie u.a. auf Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaften verwiesen hatte: München habe im Gegensatz zu anderen Städten diese Einrichtungen der Daseinsvorsorge nie aus der Hand gegeben und das habe sich ausgezahlt.

Auch Bezirksausschussvorsitzender Markus Lutz bezweifelt, dass ein privater Investor "das Gelbe vom Ei" ist. "Die Sendlinger wollen die Halle in der Stadt haben", unterstrich er. 4.000 Menschen hätten eine entsprechende Petition unterzeichnet. Neben Wohnungen benötige man auch Gewerbe im Viertel, um nicht zur Schlafstadt zu werden.

Wird der Großmarkt neu gebaut, kommt er in Sendling mit weniger Fläche als bisher aus. Wenn auf der frei werdenden Fläche Wohnungen gebaut werden, solle auch dies ausschließlich die Stadt tun, empfahlen die Bürger.

Nachgefragt: Wird Parklizenzgebiet erweitert?

Wie steht es um die Erweiterung des Parklizenzgebets am Dietramszeller Platz? Insbesondere die Anwohner der Axel-von-Ambesser-Straße gegenüber wünschen eine solche Erweiterung, da sie u.a. aufgrund der DAV-Anlage von Parkdruck betroffen sind. Die Planungen für das neue Lizenzgebiet laufen, konnte das KVR bei der Bürgerversammlung mitteilen. Der Stadtrat könnte bereits am 13. Dezember die Erweiterung beschließen.

Empfohlen: Nachverdichtung am Harras prüfen

An der Dudenstraße hinter dem Harras sollen 200 neue Wohnungen entstehen. Skeptisch sind die Sendlinger angesichts dieser Nachverdichtung: Was passiert mit den heute noch vorhandenen Freiflächen? Reichen die Schulkapazitäten aus? Wo sollen die neuen Bewohner einkaufen? Wo ihre Autos parken? Die Bürger empfahlen, die Zahlen dazu darzulegen und zu prüfen, ob die Nachverdichtung verträglich werde.

Derzeit wird an einem Gutachten gearbeitet, das die bereits geäußerten Bedenken der Anwohner aufgreift, erklärte eine Vertreterin des städt. Planungsreferats. Innerhalb des nächsten Halbjahres werden die aktualisierten Planungen dem Stadtrat vorgelegt, danach werden die Anwohner mehr erfahren.

Ein weitere Antrag betrifft die Karwendelstraße, wo ebenfalls neue Wohnungen geplant sind. Die bisherigen Bewohner befürchten, zwischen den höheren bestehenden und den ebenfalls höheren neu geplanten Häusern eingeschlossen und so von der Luftzufuhr aus dem Park abgeschnitten zu werden. Hier empfahlen die Bürger eine Prüfung, wie sich der Neubau auf den Luftaustausch auswirkt.

Empfohlen: Bauschäden reparieren lassen

An der Fall- und Zechstraße sind neue Wohnhäuser entstanden. Die schweren Baumaschinen haben allerdings Teile des Gehwegs und der vor wenigen Jahren sanierten Fallstraße beschädigt. Die kaputten Gehwegplatten vor den neuen Häusern sind unter einer dicken Asphaltschicht verschwunden. Die Bürger empfahlen, Gehweg und Fahrbahn instandzusetzen und die Kosten dafür von den Baufirmen, die die Schäden verursacht haben, einzutreiben.

Empfohlen: Westpark-"Events" nicht mehr zulassen

Mit knapper Mehrheit (53 zu 50 Stimmen) empfahlen die Bürger, den Westpark nicht weiter zur "Eventlocation" zu machen. Der Park solle stattdessen wieder eine Erholungszone werden. Man brauche im Westpark keine Tanz- und Musikveranstaltungen, keine Gastronomie (außer Nestroy- und Rosengarten), keinen Sport, keinen Zirkus, kein Kino am See. Niemand solle im Westpark mit Buden Geld verdienen, niemand brauche hier eine Freizeitmeile wie im Olympiapark, so die Sendlinger.

Der Westpark befindet sich indes nicht in Sendling, sondern im Nachbarviertel.

Empfohlen: Tempo 30 gewährleisten

Vor der Implerschule darf werktags (Mo-Fr 7-19 Uhr) nicht schneller als 30 km/h gefahren werden. Die Sendlinger empfahlen, die Einhaltung dieses Tempolimits in der Implerstraße zu gewährleisten. Dies soll bis spätestens Ende Februar 2018 erledigt werden. Mit welchen Maßnahmen dies erreicht werden soll, wurde von den Bürgern nicht thematisiert.

Empfohlen: Gasteig nicht ins Viertel lassen

Der Gasteig muss saniert werden und benötigt für einige Jahre ein Ausweichquartier. Eine Machbarkeitsstudie hat das Areal an der Hans-Preißinger-Straße 8 (HP8) dafür vorgeschlagen. Der Stadtrat hat dazu noch keinen Beschluss gefasst. Daran erinnerte Bürgermeisterin Christine Strobl die Bürgerversammlung: "Es wird immer so getan, als ob schon alles entschieden ist. Aber das ist es nicht!"

Die Entscheidung der Bürger fiel klar aus: Mit 63 gegen 41 Stimmen empfahlen sie, dass der Gasteig (für die angenommene Ausweichzeit 2020 bis 2027) nicht nach Sendling umzieht. Der Gasteig bringe dem Vierteln ein Park- und Verkehrschaos, führe zu einer Vertreibung der gegenwärtigen Mieter auf dem Gelände und bedrohe das unmittelbar daneben liegende Erholungsgelände um den Flaucher. Zudem drohe eine Kostenexplosion, da das Areal und die Gebäude mit Schadstoffen und Asbest belastet seien.

Empfohlen: Gelände gemeinsam nutzen

Auch der Verein Mobilspiel ist auf dem Gelände zuhause und wartet dort seine Hüpfburgen, Riesenkicker und 18 Bauwagen. Gabriela Rank von Mobilspiel erklärte, dass der Verein auf dieses Areal angewiesen sei. Bis zu 30 Veranstaltungen bediene der Verein an Sommerwochenenden. Das sei nur von dieser zentralen Lage aus machbar. "Man sollte Visionen haben, um die Stadt lebenswert zu gestalten", sagte sie, "es würde sich lohnen, den eingeschlagenen Weg zu überdenken!" Die Bürger empfahlen auf ihren Vorschlag, für das Hans-Preißinger-Areal langfristig eine Mischnutzung zu suchen: Kreative, Gewerbe, Wohnungsbau und soziale Einrichtungen sollten das Gelände gemeinsam nutzen.

Empfohlen: Alternative Ideenskizze prüfen

Eine gemeinsame Nutzung des Geländes durch bisherige Mieter und Gasteig "wäre möglich, wenn man will", meinte Alfred Küng. Er forderte, die vom Architekten Clemens Bachmann dem Bezirksausschuss Sendling in groben Zügen vorgestellte Ideenskizze zu prüfen. Diese Skizze ist eine Alternative zur Machbarkeitsstudie des Gasteig und schlägt den Aufbau von zusätzlichen Modulen auf dem Areal vor, um die Gasteig-Einrichtungen unterzubringen, ohne die derzeitigen Nutzer zu verdrängen. Die Bürger empfahlen, die Ideenskizze zu prüfen.

Am Abend der Bürgerversammlung berichtete Max Wagner (Gasteig), dass man bereits anderntags die Bachmann-Ideen begutachten werde.

Empfohlen: Gasteig-Teile andernorts auslagern

Weil der Umzug aller Gasteig-Institute die gewachsene Struktur auf dem Hans-Preißinger-Areal vernichten würde, empfahlen die Bürger eine Prüfung, ob Stadtbibliothek und Volkshochschule in der Sanierungszeit nicht an anderen Orten untergebracht werden können.

Eine solche Dezentralisierung werde gerade geprüft, erklärte Max Wagner. Ohnehin solle nicht die gesamte Gasteig-Fläche 1 zu 1 nach Sendling ziehen, sondern nur die Hälfte. Christine Strobl ergänzte, dass es für die Vhs möglicherweise andere Flächen gebe, die angemietet werden könnten. "Der Stadtrat wird sich das sehr genau ansehen", sagte Strobl.

Empfohlen: Gewerbeflächen erhalten

Die Diskussion um den Umzug des Gasteig zeigt es überdeutlich: In München gibt es praktisch keine Flächen mehr für das Kleingewerbe. "Die Stadt hat den Wohnungsbau auf Kosten der Gewerbeflächen gefördert", meinte HP8-Architekt Peter Hornung-Sohner. Seit den 80er Jahren sei München auf diese Situation zugesteuert, nun müsse man "retten, was noch zu retten ist". Er regte ein verbindliches Stadtentwicklungskonzept an, um Gewerbeflächen für Handwerker und Kleingewerbe zu erhalten. Die Bürgerversammlung schloss sich dieser Empfehlung einstimmig an.

Empfohlen: Umzugskosten benennen

Was kostet der Umzug des Gasteigs ins Viertel? Was die nötigen Umbauten der Hallen auf dem Hans-Preißinger-Areal? Die Sendlinger glauben nicht, dass im Raum stehende 30 Millionen Euro für die Interimslösung genügen. Sie empfahlen, die Umzugs- und Folgekosten zu benennen.

Empfohlen: Langfristige Veränderung prüfen

Wenn der Gasteig nach Sendling zieht, wird er das Viertel nach fünf Jahren wieder verlassen. Das Quartier wird sich in dieser Zeit durch die Zwischennutzung aber unwiederbringlich verändert haben, befürchtet HP8-Grafikerin Katharina Kuhlmann. Wie von ihr vorgeschlagen, empfahlen die Bürger eine Prüfung, wie sich Sendling durch den Gast Gasteig langfristig verändern würde.

Empfohlen: Verkehrsentwicklung untersuchen

Der Gasteig werde zu vorhersehbaren Belastungen am Gelände führen, meinte HP8-Fotograf Martin Hangen, schon jetzt sei die Kreuzung Brudermühl- / Schäftlarnstraße eine der am meisten belasteten Kreuzungen der Stadt. Die Bürgerversammlung empfahl die von Hangen geforderte "realistische" Verkehrsuntersuchung. Diese müsse auch die zu erwartenden Veränderungen am Großmarkt und Viehhof berücksichtigen.

Empfohlen: Fledermäuse schützen

Fred Krueger wies auf die Fledermäuse in der Trafohalle auf dem Hans-Preißinger-Gelände hin: "Was bedeuten Gasteig-Umzug und Baumaßnahmen für diese Population?" fragte er. Die Bürger empfahlen auf seine Anregung, den Fledermausbestand auf dem Areal zu untersuchen und zu schützen.


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