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"Menschen ganz ansehen"

Krankenhaus Barmherzige Brüder: Neubau und Erweiterung

Pater Johannes von Avila Neuner und Pfarrerin Irmgard Wolf-Erdt (rechts) segnen den Neubau am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Zahlreiche Gäste haben sich eingefunden, auch Gesundheitsministerin Melanie Huml (roter Mantel). (Bild: iab )

"Heute ist unser Blick in die Zukunft gerichtet", sagt Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege. "Konfessionelle Träger leisten einen großen Beitrag zu Medizin auf höchstem Niveau." Jetzt bekäme das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München Nymphenburg die nötigen Räume, um erheblichem Patientenzuwachs gerecht zu werden und modernste Behandlung anbieten zu können. "Intensivmedizin und Notfallbehandlung sollen künftig eine zeitgemäße Unterbringung bekommen." Huml ist zu Gast auf dem Richtfest des Teilersatzneubaus des Krankenhauses. Im Rohbau hallen ihre Worte. Bauherrn, Architekten, Krankenhauspersonal und zahlreiche Gäste haben sich eingefunden. Sie folgen der Gesundheitsministerin auf den Kiesweg vor dem Gebäude. Georg Delenk von der zuständigen Baufirma wartete bereits in luftigen Höhen auf dem Baugerüst auf die Gruppe, über ihm schwebt der Richtkranz. Delenk hält den offiziellen Richtspruch, trinkt einen traditionellen Schluck auf das Wohl des Hauses – es knallt, das Sektglas ist gebrochen: ein gutes Omen.

"Das Herz befehle!"

Im Anschluss segnen Pater Johannes von Avila Neuner und Pfarrerin Irmgard Wolf-Erdt von der Krankenhausseelsorge die neuen Räume. Die Barmherzigen Brüder leiten das Krankenhaus seit 100 Jahren unter dem christlichen Motiv "Das Herz befehle!". Huml: "Das heutige Krankenhaus als soziale Einrichtung ist ohne seine christlichen Wurzeln überhaupt nicht denkbar." Bedingungsloses Hinwenden zum kranken Menschen sei eines der bedeutendsten Kennzeichen des Christentums. Moderne Medizin mache inzwischen vieles möglich, das berge aber auch Gefahr: Die Komplexität aus Körper, Geist und Seele werde manchmal nicht mehr wahrgenommen. "Rein organbezogene Sicht reicht nicht immer aus, man muss Menschen ganz ansehen." Konfessionelle Häuser positionierten sich hier klar und unmissverständlich. "Sie können den Menschen die Angst nehmen, dass sie in den Mühlen der Apparatemedizin zwischen die Räder geraten."

"Wie eine Operation am offenen Herzen"

Diesen Auftrag unterstützt das Gesundheitsministerium. Für die aktuellen Maßnahmen sind Fördergelder in Höhe von 16,9 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt werden rund 28 Millionen investiert – nicht nur in den Neubau. Im Inneren des Krankenhauses wurden bereits ganze Areale bei laufendem Betrieb komplett verändert. Für Gäste und Ministerin geht es deshalb weiter in den umgestalteten Eingangsbereich. Die Krankenhausleitung eröffnet die Halle feierlich – gemeinsam mit der Intermediate Care-Station und der Zentralen Elektiven Aufnahme. Neugierige Patienten drängen sich um Besucher und Verantwortliche. Nadine Schmid-Pogarell, Geschäftsführerin der Klinik, nutzt die Chance, um einige Zahlen zu nennen: "Wir haben rund zehn Kilometer Elektrokabel verlegt, 400 Steckdosen und 200 Leuchten verbaut." Und das ist noch immer nicht alles: In der nächsten Phase folgen der Ausbau der Intensivstation und die Verlegung des Aufwachraumes. In Zukunft gibt es auf Intensiv nur noch Ein-Bett-Zimmer. Mitte 2019 ist das Projekt voraussichtlich abgeschlossen – inklusive Umgestaltung und Vergrößerung der Zentralen Notaufnahme und der Anfahrtsrampe für Rettungswägen. "Das Ganze bei laufendem Betrieb, das ist wie eine Operation am offenen Herzen", erklärt Schmid-Pogarell. "Aber die Investition ist notwendig. Wir werden unser Krankenhaus den Anforderungen an eine moderne medizinische Patientenversorgung anpassen, wann immer es notwendig ist."

"Versorgungsstrukturen erhalten und ausbauen"

Verlass ist dabei weiterhin auf die Staatsregierung. "Wir wollen die leistungsfähigen Versorgungsstrukturen in Bayern erhalten und weiter ausbauen. Erst kürzlich haben wir mit unseren kommunalen Finanzierungspartnern die Weichen dafür gestellt, den Förderetat für Krankenhäuser für 2018 um 140 Millionen Euro auf 643 Millionen zu erhöhen", freut sich Huml. Der Landtag müsse diesem Plus von 28 Prozent noch zustimmen, dann "gewinnen wir wichtige zusätzliche finanzielle Spielräume für notwendige Investitionen an unseren Kliniken."

Bei den Barmherzigen Brüdern löst sich der Trubel rund um Richtfest und Eröffnung langsam auf, die Ministerin ist noch im Gespräch, die meisten Mitarbeiter huschen allerdings bereits wieder auf ihre Stationen zu den Kranken – es geht schließlich in erster Linie um eins: den Patienten.


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