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Erste Hilfe für die Seele

Kriseninterventionsteam sucht Verstärkung

Von links: Ursula Kiening, Günther Ries und Laura Diepold vom Kriseninterventionsteam des BRK Dachau. (Bild: BRK Dachau )

"Kein Fall ist wie der andere. Jeder Mensch reagiert auf ein belastendes Ereignis unterschiedlich stark", erklärt Günther Ries, Leiter des Kriseninterventionsteams (KIT) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Dachau. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Laura Diepold, Ursula Kiening, Brigitta Huber und Petra Flingelli betreut Ries als ehrenamtlicher Berater Menschen, die nach einem Notfall unter starker seelischer Belastung stehen oder sich in psychischem Schock befinden. Das KIT such dringend weitere Helfer, die sich engagieren möchten. Interessierte wenden sich per E-Mail an kit-dachau-brk@gmx.de oder informieren sich unter Telefon 0172 8913327.

Das Team arbeitet ausschließlich ehrenamtlich. In einem Notfall benachrichtigen Leitstelle oder Einsatzkräfte vor Ort die Helfer. Die Kriseninterventionsberater fahren immer zu zweit zum Einsatz. Es fehlen Mitarbeiter, im Moment sind die Ehrenamtler das ganze Wochenende im Einsatz – von Freitag 20 Uhr bis Sonntag 20 Uhr. "Jeder von uns deckt zwei bis drei Schichten ab", berichtet Diepold. Empfänger melden einen Einsatz. "Wir müssen nicht zu Hause sitzen, sondern können uns frei bewegen." Im vergangene Jahr war das KIT bei 130 Notfällen im Dachauer Landkreis gefragt. Bevor die Helfer eingesetzt werden, absolvieren sie einen Grund- und Fachlehrgang mit insgesamt über 100 Unterrichtsstunden, die mit einer mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfung schließen. Erste Erfahrungen werden in einer Hospitationsphase gesammelt. Einsätze werden mit privatem Auto gefahren.

"Wir bringen Struktur"

Wird ein Familienangehöriger vermisst oder ist eine Gewalttat passiert, steht das KIT Betroffenen in den ersten Stunden bei. "Oft geht es auch um einen Todesfall, plötzlicher Kindstod oder ein Suizid", sagt Kiening. In der akuten Schocksituation ist ein besonnener Ansprechpartner wichtig. Diepold: "Wir bringen Struktur in den kritischen Stunden. Todesnachrichten werden nur von der Polizei überbracht, nicht von uns. Wir unterstützen nur." Aber wenn Rettungskräfte und Beamte wieder fahren und sich die Aufregung gelegt hat, sind Betroffene in ihrer Situation auf sich gestellt. Dann ist das KIT im Gespräch für sie da. Zur Arbeit gehört es auch, Angehörige oder Personen zu benachrichtigen, die Betroffenen nahe stehen. Für weitergehende Betreuung wird an entsprechende Anlaufstellen vermittelt.

Nicht jeder ist als Kriseninterventionsberater geeignet. Neben Einfühlungsvermögen und Empathie sind psychische Belastbarkeit und die Fähigkeit, ruhig zu bleiben sehr wichtig. "Zur Verarbeitung der Ereignisse gibt es für das Team selbst regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen", sagt Ries. Kiening: "Als Berater braucht man Herzensbildung und gesunden Menschenverstand."

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