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Hochkarätiger Dichterwettstreit

Poetry-Slammer liefern großartige Performance ab

Yannick Sellmann wird beim 3. G-Town-Slam vom Publikum zum strahelnden Dichterkönig gekürt. (Bild: Breidenbach)

Wortgewandt, gewitzt und sehr authentisch. So präsentierte sich am vergangenen Freitag eine ausgewählte Schar junger Poeten in der Germeringer Cordobar. Hier wurde zum dritten Mal der „G-Town-Slam“ ausgetragen. Neun zumeist schon erfahrene Wortakrobaten waren der Einladung von Ko Bylanzky und Mate Tabula gefolgt und stellten sich mutig dem Urteil des Publikums, das beim Poetry Slam das letzte Wort oder besser alles in der Hand hat, denn der Lärmpegel des Applauses entscheidet am Ende über Sieg oder Niederlage der Kandidaten. Verlierer gibt es beim Poetry Slam grundsätzlich nicht, denn es gehört zu den Grundregeln dieser Kunstform, jedem Poeten gleichermaßen Respekt zu zollen. Das beherzigte das Germeringer Publikum enthusiastisch ohne sich groß verstellen zu müssen. Das Niveau der Darbietungen war fast ausnahmslos hoch, sodass sich die Moderatoren und Zuschauer schwer taten, die entscheidende Dezibel-Nuance am Ende überhaupt wahrzunehmen.

Favorit siegt

Ausgetragen wurde der Dichterwettstreit in zwei Runden. In der ersten traten die neun Teilnehmer jeweils in Dreiergruppen gegeneinander an. Die Sieger aus jeder Gruppe bestritten das Finale. Dichterkönig des Abends wurde Yannick Sellmann, der als Münchner Stadtmeister und Bayerischen Meister ins Rennen ging. Mit starken Texten in beiden Runden schlug das Zünglein an der Waage am Ende verdient aber denkbar knapp zu seinen Gunsten aus. Bestechend waren neben sprachlicher Raffinesse und überzeugender Performance vor allem das höchst authentische Gesamtpaket aus Tragik und Komik, Selbstmitleid und Selbstironie, Herz und Verstand, das seinen Texten innewohnt. Diese Mischung kann wohl überhaupt als das Geheimrezept des Abends gelten, denn auch die beiden anderen Finalisten Darryl Kiermeier, und Tim Niklas punkteten jeweils durch einen gelungenen Mix aus Witz und Tiefgang, während allzu schwermütige, ergreifende aber auch feinsinnige Themen vom Publikum zwar aufrichtig honoriert, aber nicht ins Finale geklatscht wurden.

Insgesamt hohes Niveau

Alle Nicht-Gewinner dürfen sich mit der Genugtuung trösten, dass in einem Poetry Slam- so sagt der Kenner - der beste Dichter ohnehin niemals gewinnt. Dies gilt besonders für Sara Potyes vollendete Performance, deren dichter und bewegender Text gleich zu Beginn der ersten Runde das Publikum eiskalt erwischte und somit nicht ganz die Wertschätzung erfuhr, der ihm zu einem späteren Zeitpunkt vermutlich gewiss gewesen wäre. Oder auch nicht. Die Demokratie eines Poetry Slams hat nun einmal ihre eignen Gesetze, sodass beim nächsten G-Town-Slam in ungefähr zwei Monaten, wieder neue Konstellationen und poetische Überraschungen zu erwarten sind.


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