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Kein Platz für Tote

Stadt möchte keinen Friedhof in Freiham

Klaus Bichlmayer vor der alten Heilig-Kreuz-Hofmarkskirche im Ensemble Freiham, das unter Denkmalschutz steht. Hier gibt es einen Friedhof, der aber längst aufgelassen ist. (Bild: pst)

Einen eigenen Friedhof für Freiham hatte der Ökumenische Rat gefordert. Die Planungen für Freiham hatten eine solche Einrichtung nämlich nicht vorgesehen. Inzwischen hat Oberbürgermeister Dieter Reiter auf den Brief des Rats geantwortet. Mit der Antwort zeigte sich Sprecher Klaus Bichlmayer nicht zufrieden. Sie könne „nicht überzeugen“.

„Der bislang in Randlage liegende Aubinger Friedhof wird mit der Realisierung von Freiham zukünftig zentral zwischen den Stadtteilen Freiham, Aubing und Neuaubing liegen“, heißt es in dem Antwortschreiben aus dem Rathaus. Bei Bedarf könne er erweitert werden. Der Ökumenische Rat mag an eine Erweiterung nicht glauben. Denn bereits seit 2007 werde die Frage der Erweiterung des Aubinger Friedhofs erörtert, „ohne dass außer auf dem Papier bis heute de facto mehr Fläche zur Verfügung steht“.

25 Sterbefälle pro Jahr

Die Stadt prognostiziert rund 25 Sterbefälle jährlich in Freiham, „deren Angehörige aber erfahrungsgemäß nicht alle den Friedhof Aubing als letzten Ruheort wählen werden“. Mittelfristig sei deswegen genug Platz auf dem Friedhof.

Der Ökumenische Rat kann solchen Zahlenspielen nicht folgen. „Auf dieser rechtlichen Grundlage wird es für Freihamer Neubürger frühestens ab 2040, eher ab 2050 möglich sein, ein Grab auf dem Aubinger Friedhof zu erwerben“, rechnete Bichlmayer vor.

In den nächsten 20 Jahren dürfe sowieso kein Neubürger eine Aubinger Grabstätte belegen, denn laut Rathauschef müsse man erst 20 Jahre „durchgängig seinen Hauptwohnsitz im Bestattungsbezirk des Friedhofs Aubing haben, um dort das Nutzungsrecht an einer Grabstätte erwerben zu können“. Diejenigen, die aufgrund einer zu kurzen Wohndauer im Stadtviertel noch keinen Anspruch erworben hätten, könnten „jederzeit auf den gut erreichbaren nächstgelegenen Friedhöfen ein Grab erwerben“. Für Bichlmayer ist dieser Hinweis „zwar sehr pragmatisch gedacht, trotzdem aber aus Sicht der Betroffenen eher zynisch“.

Soziale Komponente

Aus Sicht der Gebührenzahler sei es „leider nicht darstellbar, dass jedes Stadtviertel einen eigenen Friedhof unterhält“, betonte Reiter. Von „Stadtviertel“ könne bei Freiham nicht geredet werden, kritisierte Bichlmayer. „Es geht bei Freiham um die Größenordnung einer Kleinstadt, für die es selbst bei kritischer wirtschaftlicher Abwägung angemessen erscheint, eine Aussegnungshalle und die nötige Ausstattung für den Bestattungsbetrieb vorzusehen“.

Das dezentrale Friedhofskonzept für München mit großen Hauptfriedhöfen und kleineren Stadtteilfriedhöfen spreche geradezu dafür, einen eigenen Stadtteilfriedhof zu schaffen, so Bichlmayer. Schließlich seien nicht nur die gute Erreichbarkeit, sondern auch die soziale Komponenten, die ein Friedhof verkörpere, wichtig.

Nicht zuletzt könne ein neuer Friedhof der geänderten Bestattungskultur Rechnung tragen. Hier könnten von Anfang an muslimische Gedenkstätten, aber auch ein Friedwald berücksichtigt werden.

Der Ökumenische Rat spricht sich deswegen weiterhin für einen eigenen Friedhof aus. An den Oberbürgermeister richtet er die Bitte: „unser Anliegen zu teilen und sich, solange es planungsrechtlich noch möglich ist, in unserem Sinn einzusetzen."


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