| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 37 - 2010 |
| Autor: | RP |
Der Internetdienst Google Street View hat viele Haus- und Wohnungseigentümer verunsichert. Besorgte Anfragen erhalten auch die Immobilienmakler vor Ort. Wir haben drei renommierte Unternehmen zu ihrer Sicht dazu befragt:
Paul Schmidmaier, Schmidmaier Immobilien GmbH: "Stellen Sie sich vor, Sie suchen eine Wohnung und sehen folgendes Inserat: "Frisch renovierter Altbau in schnörkelloser Architektur, sonniger Süd-Balkon mit Blick ins Grüne, ruhig gelegen in sympathischer Anliegerstraße"; klingt das nicht hervorragend? Sie rufen den Anbieter an und lassen sich die Adresse geben. Als erstes schauen Sie natürlich bei Google Maps das Satellitenfoto an. Da gibt es ja heute schon eine gute Draufsicht und das hilft schon einmal. Einige kennen noch bing.de, hier können Sie sich auch heute schon jedes Haus in der Vogelperspektive von allen vier Himmelsichtungen aus ansehen. Angenommen, der Altbau in schnörkelloser Architektur entpuppt sich als schmuckloses 60er-Jahre-Objekt, der Blick ins Grüne ist leicht übertrieben und die sympathische Anliegerstraße ist stark befahren: dann brauchen Sie das Objekt nicht mehr anschauen und wissen auch, was Sie von dem Anbieter zu halten haben. Angenommen, es ist auf dem Satellitenbild mindestens so schön wie beschrieben, dann nichts wie hin zur Besichtigung. Das alles geht schon heute. Street View liefert noch nähere und schärfere Bilder. Aus Sicht aller Wohnungssuchenden ist es daher ein zusätzliches Plus, da es noch einmal mehr "Einblick" zur Umgebung, zur Straße und zum Objekt gibt und damit die Orientierung am Wohnungsmarkt deutlich erleichtert. Aus dieser sehr einseitigen Sicht ist es daher ein echtes Plus. Allerdings habe ich volles Verständnis, wenn jemand aus einem anderen Blickwinkel ganz anderer Auffassung ist."
Hubert Eicher, RE/MAX Aktiv Gräfelfing: "Für Immobiliensuchende ist Street View eine gute Sache. Sie können schon vor einer Besichtigung das Haus und das Umfeld unter die Lupe nehmen. Andererseits verstehe ich auch gut die Bedenken der Leute, die ihre Privatsphäre beinträchtigt sehen. In anderen Ländern ist Street View bereits eingeführt und gut angenommen worden. Die Aufregung hat sich dort bereits gelegt. Auf jeden Fall muß für jeden, der nicht erscheinen will, ganz einfach die Unkenntlichkeit seiner Immobilie gewährleistet werden."
Thomas Aigner, Aigner Immobilien GmbH: "Für unsere Kunden hat es Vor- und Nachteile. Sie können sich schon frühzeitig von Zuhause aus ihre Wunsch-Immobilie ansehen. So haben z.B. gehbehinderte Menschen die Möglichkeit, sich vorab über die Gegebenheiten der Lage zu informieren. Allerdings: Wenn zuviel Privates von Eigentümern öffentlich wird, entsteht ein Unbehagen, das weder wir als Makler noch der Gesetzgeber ignorieren dürfen. Information und Datenschutz müssen in einem ausgewogenen Verhältnis bleiben."
| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 37 - 2010 |
| Autor: | RP |
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