| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Laim |
| Woche: | 23 - 2010 |
| Autor: | TG |
Bei Hertie in Laim geht’s schon lange nicht mehr zu wie im Taubenschlag. Jetzt jedoch ist das einst gefragte Kaufhaus zum Taubenschlag heruntergekommen. Die „Ratten der Lüfte“, wie die Tiere mittlerweile sogar von Tierschützern genannt werden, haben das seit August vorigen Jahres leer stehende Gebäude in Besitz genommen. Eine große Schar von Straßentauben – das sind verwilderte Haustauben – hat sich in Nischen eingenistet, bei denen die Verblendungen fehlen. Das sind ideale Nistplätze für die Tiere. Fast sieht es so aus, als seien sie für die Tauben gemacht. Sie können dort ungestört brüten.
Gleich nebenan, bei „Brillen Müller“, ist Geschäftsinhaber Christian Particus alles andere als erfreut über diese Nachbarn. „Wir liegen hier direkt in der Einflugschneise für die Tauben“, schimpft er. Was unter anderem daran liege, dass die Vögel an der Fürstenrieder Straße überall etwas zu fressen fänden. Particus: „Das ist das reinste Schlaraffenland für die Tauben.“ Sogar überm Eingang zu seinem Geschäft haben sie sich ein Nest gebaut. Und lassen sich sogar von nadelspitzen Nagelbrettern nicht abschrecken. „Das ist extrem unhygienisch”, sagt der Optikermeister, „weil Federn und Kot ins Geschäft getragen werden.” Beim Stichwort „Kot” fällt ihm ein: „Wir sind es leid, ständig die Schaufenster putzen zu müssen.“
Abschreckendes Beispiel: „Beck-Haus“
Ursprünglich war vorgesehen worden, das Hertie-Gebäude im April abzureißen. An seiner Stelle soll ein neues Geschäftshaus mit Einzelhandelsgeschäften entstehen. „Jetzt haben wir Juni“, ärgert sich Christian Particus. Ihn belaste die Situation. „Für mich als Geschäftsinhaber ist das nicht witzig.“ Seit es in Laim kein Kaufhaus mehr gibt, in dem Dinge des täglichen Bedarfs angeboten werden, ist die Laufkundschaft. verloren gegangen. Es wurmt ihn, dass nichts passiert. „Es muss jetzt endlich eine Lösung her.“ Vor einiger Zeit habe sich ein Experte die Wände wegen der Statik angesehen, da habe er gedacht: „Jetzt geht es los.” Aber passiert sei wieder nichts.
Auch die Stadt – „Ich bin Mieter der Stadt München“ – vertröste ihn. Wenigstens die Nischen am Gebäude müssten mit Brettern vernagelt werden, meint er. Wie viele andere Laimer fürchtet auch Particus, dem „Hertie“ sei ein ähnliches Los beschieden, wie dem ehemaligen Beck-Haus. Das rottete 20 Jahre vor sich hin. Jetzt erst wird es umgebaut. So etwas müsse auf jeden Fall verhindert werden, fordert Particus. „Die Laimer brauchen wieder ein Kaufhaus!“ Das weiß er aus vielen Gesprächen mit Kunden. „Die wollen nicht wegen jeder Kleinigkeit in die Innenstadt fahren.”
„Abrissantrag ist gestellt“
„Die Taubenplage ist mir neu“, erklärt Martin Bucher, Geschäftsführer der „Bucher Properties GmbH“. Die ist gemeinsam mit der Development Partner AG Bauherr des geplanten Geschäftshauses. Ihm sei zwar mitgeteilt worden, es hätten sich Tauben im Hertie eingenistet. Dass das allerdings derartig ausgeartet sei, höre er zum ersten Mal. Die Sorge, „das Hertie“ könne zum nächsten „Beck-Haus“ werden und als stete Ruine enden, sei unbegründet. „Ich kann die Bürger Laims beruhigen. Das wird nicht geschehen.“ Der Abbruch-Antrag für das Gebäude sei gestellt. Der Bauantrag folge in Kürze. Sollte das Planungsreferat nichts beanstanden, könnte der Abriss im Laufe des Juni vorbereitet werden. Der ursprünglich Termin sei verschoben worden, weil die Planung fortgeschrieben und verbessert wurde.
Thorsten Vogel, Pressesprecher des Planungsreferats, bestätigt auf Anfrage, dass der Abbruchantrag fürs einstige Hertie-Gebäude eingegangen sei. Er werde geprüft. Auch daraufhin, ob der Denkmalschutz ein Hindernis darstelle. Vogel: „Fall nichts dagegen spricht, könnte Mitte Juni mit dem Abriss angefangen werden.“
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Laim |
| Woche: | 23 - 2010 |
| Autor: | TG |
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