| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger München |
| Woche: | 24 - 2010 |
| Autor: | kdk |
Der Werbeslogan „Geiz ist geil!“ hat unbestritten eingeschlagen und dem damit werbenden Unternehmen ein beachtliches Umsatzplus beschert. Allein der Begriff „Geiz“ hat schon suggeriert, dass es sich bei den beworbenen Artikeln um die „billigsten“ Möglichkeiten der Anschaffung eines bestimmten Artikels, oder auch mehrerer Angebote, handelt. Alles drehte sich fortan nur noch um den Preis, die Qualität war sekundär.
Billig war das Schlagwort, dem die große Masse folgte und nur die wenigsten interessierten sich dafür, ob für Billigware die Qualitätsansprüche „Made in Germany“ auf der Strecke blieben. Nachdem der Verkauf nur noch über den Preis ging, musste sich der Gewinn für die Hersteller aus dem Einkauf generieren. Dies ging wiederum nur auf Kosten der Qualität.
Wie teuer billig sein kann, dies musste so mancher Verbraucher erfahren, wenn das Produkt erste Mängel aufwies und Reparaturen – falls überhaupt möglich – nötig wurden. Die Automobilindustrie kann ein Lied davon singen, wie sich „billige“ Einkäufe bei Zulieferern auf die Reklamationsbilanz und letztlich auf Image auswirken können. „Rückrufe“, die immer auch ein breites Medienecho finden, zeugen davon.
Keineswegs verschont geblieben von der „Geiz ist geil“-Mentalität, wurde der Lebensmittelhandel. Verschiedene Discounter lockten z. B. mit Niedrigangeboten von Milchprodukten und erst spät registrierte der Verbraucher, dass auch hier der Erzeuger, in diesem Fall der Landwirt, die Kosten zu tragen hatte. Nicht alle Landwirte konnten dies durchstehen.
Fleischprodukte in XXL-Größe zu Minipreisen landeten in vielen Pfannen der deutschen Haushalte, bis sich auch hier die Frage stellte: Wie geht das? Wer das XXL-Schnitzel in der Pfanne auf M-Format schrumpfen sah, konnte sich die Antwort schon selbst geben. Skandale in der Fleischindustrie taten ein Übriges.
Nun scheint es, trotz Wirtschaftskrise, eine Rückbesinnung auf alte Werte zu geben. „Qualität ist wieder in!“ Im Lebensmittelbereich hat der Verbraucher lieber mehr Geschmack als Menge auf dem Teller und schätzt das Handwerk des Metzger oder Bäcker immer mehr. Wo Tomaten nicht nur so heißen, sondern sogar danach riechen und schmecken, da kauft der Kunde wieder mit Freuden ein – im Zweifel lieber etwas weniger, aber dafür „schmackhaft“.
Die Beispiele lassen sich auch in den Technikbereich fortsetzen. Z. B. das Fahrrad, ein immer beliebteres Verkehrsmittel, soll Freude machen und möglichst lange seinem Benutzer dienen. Wenn dann doch mal was repariert werden muß, dann weiß man beim Fachhandel: Hier wird mir geholfen.
Hoffen wir, dass die Entwicklung so anhält, dann heißt es bald „Geiz ist out“ – „Sparen ist nötig – aber nicht auf Kosten der Qualität“!
| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger München |
| Woche: | 24 - 2010 |
| Autor: | kdk |
Fügen Sie hier Ihren Artikelkommentar hinzu.