Münchner Wochenanzeiger - 

Soziale Themen

 
rss icon  
Thursday, 24. May 2012 · 21:54 Uhr  · 
Heiter 20°

Donnerstag

Gewitter  T: 12° / H: 23°

Freitag

Sonnig  T: / H: 22°
 
 
 
 
04.05.2010 - 09:01 Uhr
 

Mieter kämpfen für bezahlbare Wohnungen

Initiative von Mietern der "Moll-Blocks" setzt sich für sozialverträgliche Mieten ein

Münchner Wochenanzeiger : Die Initiative "Bezahlbares Wohnen im Mollblock" will verhindern, dass alte Mieter und Familien durch Mieterhöhungen aus ihren  Wohnungen vertrieben werden.  (Foto: Bianca Claße)
 
Die Initiative "Bezahlbares Wohnen im Mollblock" will verhindern, dass alte Mieter und Familien durch Mieterhöhungen aus ihren Wohnungen vertrieben werden. (Foto: Bianca Claße)
Münchner Wochenanzeiger : Andrea von Grolman und Peter Schäfer sind die Gründer der Initiative "Bezahlbares Wohnen". Sie stellten bei einem Mietertreffen die Ziele der Initiative vor. (Foto: Bianca Claße)
 
Andrea von Grolman und Peter Schäfer sind die Gründer der Initiative "Bezahlbares Wohnen". Sie stellten bei einem Mietertreffen die Ziele der Initiative vor. (Foto: Bianca Claße)
Münchner Wochenanzeiger : Ludwig Wörner (SPD) MdL und Vorsitzender des  BA 8, bot den Mietern an, ihnen dabei zu helfen, ein Gespräch mit dem Vermieter zustande zu bringen.  (Foto: tg)
 
Ludwig Wörner (SPD) MdL und Vorsitzender des BA 8, bot den Mietern an, ihnen dabei zu helfen, ein Gespräch mit dem Vermieter zustande zu bringen. (Foto: tg)

„Wir wollen hier wohnen bleiben und das auch bezahlen können.“ Nachdem kürzlich die Mieten erhöht wurden, sorgen sich viele Mieter von Wohnungen in „Mollblocks“ im Westend um ihre Zukunft. Sie gründeten deswegen die Initiative „Bezahlbares Wohnen“. Betroffen sind etwa 300 Mietparteien der „Mollblocks“ in der Sandtner-, der Ganghofer-, der Angler-, der Gerolt und der Ridlerstraße. Andrea von Grolmann und Peter Schäfer hatten die Idee, gemeinsam mit anderen auf die empfindlich erhöhten Mieten zu reagieren und sich dafür einzusetzen, dass diese künftig auch für „normal” verdienende Familien bezahlbar bleiben.

Am vergangenen Freitag trafen sich die Initiatoren mit anderen Mietern des Moll-Konzerns im „Partykeller” eines Hauses in der Anglerstraße und stellten die Initiative „Bezahlbares Wohnen“ vor. Der Raum war gesteckt voll mit Menschen, das Interesse an einem gemeinschaftlichen Vorgehen groß. Sorgenvolle Mienen, bedrückte Gespräche, die spürbare Angst davor, sich künftig die vertraute Wohnung nicht mehr leisten zu können, nicht zu wissen wohin, bewegt vor allem ältere Mieterinnen und Mieter. Viele von ihnen wohnen seit dreißig oder vierzig Jahren und länger in den "Moll-Blocks". Andere fürchten, zum Sozialfall zu werden, falls in Zukunft alle drei Jahre eine bis zu zwanzigprozentige Mieterhöhung komme. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe (BA 8), Ludwig Wörner (SPD) und sein Fraktionskollege Wilhelm Mundigl, die an dem Treffen teilnahmen, boten den Versammelten ihre Hilfe an. Geplant ist, einen Verein zu gründen, um so Informationen auszutauschen und sich juristisch beraten zu lassen. Darüber hinaus will sich die Initiative mit einem Brief und einer Unterschriftenaktion an den Vermieter, die Moll Immobilien Management GmbH, wenden.

„Zwanzig Prozent auf alles“

„Wir haben uns im Februar die Augen gerieben, als es hieß: ‚zwanzig Prozent auf alles.’“ Peter Schäfer, der die Zusammenkunft moderierte, berichtete von dem Schock, den die Mieterhöhung bei den Leuten ausgelöst habe. Die meisten fühlten sich hilflos und fragten sich: „Was können wir machen?“ Schäfer: „Das ist hier ein sehr schönes gewachsenes Wohnen. Manche sprechen sogar von einem sozialen Biotop.“ Das Leben in den „Moll-Blocks” im Westend werde einerseits als städtisch und andererseits trotzdem als dörflich empfunden. Als „Biotop” mit funktionierender Nachbarschaft. So erzählt eine Frau im persönlichen Gespräch, sie bringe einer älteren Dame täglich Brot, weil die nach einem Unfall gehandicapt sei. Peter Schäfer und Andrea von Grolman bedauerten, dass sich die Geschäftspolitik der Vermieter so drastisch geändert habe. Früher sei die Familie Moll sozial und familienfreundlich eingestellt gewesen. Jetzt sehe das völlig anders aus. Sie appellieren an das soziale Gewissen der Vermieter. Von der „traurigen Reaktion“ einer älteren Dame berichtete Andrea von Grolmann. Die habe angesichts der drohenden Mietsteigerungen zu ihr gesagt: „Gott sei Dank bin ich schon so alt, dass ich das nicht mehr erleben muss.“

„Wohnungen immer in Schuss gehalten“

Eine Konsequenz der Erhöhungen sei, dass der Mietspiegel angepasst werde. Das machte Peter Schäfer deutlich: „Wenn unsere Wohnungen teurer werden, orientiert sich der Spiegel auch an ihnen.“ Schon jetzt gebe es in den Moll-Blocks Wohnungen, die sehr teuer seien. Schäfer und von Grolmann erinnerten daran, dass viele Mieter bis zu fünfstellige Summen in „ihre” Wohnungen gesteckt haben, um Küchen und Bäder auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Von Grolmann: „Wir haben die Wohnungen immer gepflegt und in Schuss gehalten. Wir sind angenehme Mieter.“ Das solle allerdings plötzlich nicht mehr gelten.

Ludwig Wörner, der nicht nur Vorsteher des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe, sondern auch Abgeordneter des Bayerischen Landtages ist, erklärte, er dürfe keine Rechtsberatung geben. Sein Redebeitrag half dennoch, zu klären, wie weiterhin am sinnvollsten vorzugehen sei. Er wolle jedoch keine falschen Hoffnungen wecken: „Die Mieterhöhung ist wasserdicht“, so Wörner. „Die gesetzliche Lage gibt es her, dass Mieten alle drei Jahre erhöht werden können.“ Im Westend sehe der Mietspiegel völlig anders aus, würde er nicht dadurch gedämpft, dass ein Drittel der Wohnungen im Viertel Genossenschaftswohnungen seien. Wörner: „Das wirkt bremsend.“ Der BA-Vorsitzende riet der Mieterversammlung: „Suchen Sie das Gespräch, um eine sozialverträgliche Lösung zu erreichen. Ich werde das gerne begleiten.“

„Wir sind gesprächsbereit“

Xaver Moll, Geschäftsführer der Moll Immobilien Management GmbH, erklärte auf Anfrage, es sei schwierig, zu dem sensiblen Thema etwas zu sagen. Ihm liege auch offiziell noch nichts von der Initiative vor. Die Mieterhöhung begründet er so: „Wir haben in dem Anwesen neun Jahre keine Erhöhung gehabt aber viel investiert.“ So seien am Block 2 die Fassaden aufwendig saniert und ein Hof neu gestaltet worden. Moll: „Wenn wir mehr wüssten, könnten wir ein konstruktives Gespräch mit der Initiative führen.” Ohne weitere Informationen bleibe alles nur ein „Stochern im Nebel“. Der Geschäftsführer betont jedoch: „Wir sind gesprächsbereit.“
 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Westend
Woche: 18 - 2010
Autor: TG

Bildergalerie

Diese Bildgalerie enthält 3 Bilder.

Artikelkommentare
Kommentar schreiben
Detlef Clemens Kottmeier (03.03.12)
tz 3.3.012
Leserbrief
Frau Andrea von Grolmann(62) als Betroffene hat das "Bündnis für bezahlbare wohnungen" gegründet. sie will dafür Sorgen, dass nicht auch andere, ältere mieter nach vielen Jahren ihre Wohnung verlieren. alles was sie dazu ausführt kann und will ich unterschreiben. eines aber nicht. Mit ihrer Ini will sie Münchner Mieten für ganz normale Leute bezahlbar erhalten. Dann benennt sie als Beispiele Beamte und Lehrer. Ich weiß nicht, was Frau von Grolmann beruflich macht und warum sie ihre Wohnung verlor. eines weiß ich aber. Beamte und Lehrer sind in der Regel das Gleiche! Deren Mietfähigkeit stellt wohl kein Vermieter in Frage. Als Beamte auf Lebzeiten(BGH) unkündbar erhält dieser Personenkreis von den Banken Geld bis ulti mo. Laut einem Leitartike der AZ vor Wochen ist die Pension von mitleren Beamten um das 2 1/2 fache höher wie die eines sozialversicherungspflichtigen Rentners nach 40 Arbeitsjahren. Das ist der eigentliche Wahnsinn! Diesen Personenkreis als kündigungsgefährtet hin zu stellen. die wirklich von Mieterhöhungen Betroffene sind normale Arbeitnehmer in ihrer wechselhaften Rolle. später dann als Rentner. Hier legt die Stadt München nicht ohne Grund zum gehalt oder der Rente finanzielle Hilfen auf. Und bitte komme nun niemand mit der ewig zitierten armen Krankenschwester oder dem jungen Polizisten. Es reit auch hier mit selbstdarstellungen.

Mit freundlichen Grüßen und
www.inzukunft.de
Gute Zeiten