| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 35 - 2010 |
| Autor: | JD |
56.006 Menschen in München waren im August arbeitslos gemeldet, 1.244 mehr als noch im Juli. Ein „saisonbedingerter Zustand“ sagt Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit München, die am Dienstag, 31. August, die aktuellen Arbeitsmarktzahlen veröffentlichte. Becking verweist auf den direkten Vergleich mit dem Vorjahresmonat, in dem ganze 0,6 Prozent mehr Münchner nach Arbeit suchten. „Im August steigt die Zahl der Arbeitslosen gewöhnlich an.“, erklärt er und verweist dabei auf Ausbildungsabsolventen, die wegen schlechter wirtschaftlicher Zeiten nicht in ihrem Betrieb übernommen wurden, und insbesondere auch auf Schulabsolventen ohne Ausbildungsreife. Hinzu käme, so der Arbeitsagentur-Chef weiter, dass die Betriebe erst wieder nach den Sommerferien einstellen würden und zu diesem Zeitpunkt auch Ausbildung und Studium beginnen: „Insgesamt ist trotz gestiegener Arbeitslosenzahlen die wirtschaftliche Erholung auf dem Münchner Arbeitsmarkt weiter spürbar.“ Auch bei den Jugendlichen, von denen 35,5% weniger als im Vorjahr schon vor dem August eine Ausbildungsstelle gefunden haben, ist dieser Trend zu verzeichnen, denn trotz 11% weniger Plätzen als 2009, kommen rein rechnerisch mehr als zwei Ausbildungsstellen auf je einen Bewerber, da es schon jetzt in vielen Betrieben an Fachkräften fehlt.
Aber der Arbeitsmarkt zeigt sich nicht nur für Jugendliche äußerst flexibel und durchlässig, sondern auch für alle anderen: Flexibilität ist heutzutage in jeder Branche gefragt und wird von der Agentur für Arbeit „Dynamik“ genannt. Sie äußerte sich im August in ganzen 16.300 Entlassenen und 15.000 frisch Eingestelten. Ein Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel mit den Arbeitnehmern, das jeder so gut wie möglich zu bestreiten versucht und in dem ihnen besonders der Kündigungsschutz zur Seite steht, der Arbeiter und Markt vor der Krise des letzten Jahres weitestgehend bewahrt hat.
Ein weiterer Schutzmechanismus für Betriebe und Arbeiter, die Kurzarbeit, konnte ebenfalls positive Zahlen verzeichnen: Nur 50 Betriebe mussten diesen August Kurzarbeit anmelden, 183 weniger, als letztes Jahr. Somit verringern sich die Ausgaben allein der Stadt München in diesem Bereich von 138,9 Mio. auf 95,5 Mio. Euro pro Jahr. Der verantwortliche Bereichsleiter für Kurzarbeit, Hans-Joachim Fuchs, ist sichtlich begeistert angesichts dieser ernormen Fortschritte, obwohl er klar erklärt, dass die Krise in vielen Branchen noch lange nicht überstanden ist: „Besonders die Druckinsdustrie ist neben der Metall- und Elektroindustrie stark geschädigt. Ihr Ausfall macht ein Drittel des gesamten Ausfalls in München aus, da wir uns hier in einer Verlagsstadt befinden.“ Dennoch wird die Bezugsdauer von Kurzarbeit langsam wieder gesenkt, so dass jedem Betrieb, der sie dieses Jahr anmeldete, nur noch 18 Monate zustehen und nicht mehr, wie noch 2009, 24 Monate. „Es ist also ein flexibles Instrumentarium, das enorm viele Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.“, erklärt Fuchs, denn kaum ein Kurzarbeiter wird später von seinem Betrieb entlassen. Auch vor Missbrauch hat die Arbeitsagentur keine Angst: Zwar wurde 23 Mal bei der Agentur gemeldet, dass Betriebe ihre Mitarbeiter falsch stempeln ließen, um staatliche Unterstützung zu erfahren, allerdings hat sich der Verdacht nur in fünf Fällen verhärtet und führte zu einer Anzeige. Dass dies nur in kleinen Firmen vorkam, unterstreicht abermals, in welch prekärer Lage sich diese befinden oder zumindest zu befinden glauben. Auch Becking pflichtet dieser Meinung teilweise bei: „Wir sind noch nicht auf dem Niveau von vor der Krise, das muss man ganz deutlich sagen." Dennoch fällt sein Fazit der letzten Monate optimistisch aus: „Die Krise hat vieles verändert, aber der demographische Wandel wird dem sicherlich langfristig positiv entgegen wirken.“
| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 35 - 2010 |
| Autor: | JD |
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