Münchner Wochenanzeiger - 

Soziale Themen

 
rss icon  
Saturday, 4. February 2012 · 09:46 Uhr  · 
Heiter -18°

Samstag

Meist Bewölkt  T: -16° / H: -8°

Sonntag

Heiter  T: -13° / H: -8°
 
 
 
 
26.08.2010 - 09:39 Uhr
 

Dem Grau die Stirn bieten

Seit zwanzig Jahren sorgt Green City für ein schönes, sicheres und umweltbewusstes München

Münchner Wochenanzeiger : Mit ihrem bevorzugten Verkehrsmittel fahren Martin Glöckner (vorne), Benji Barnhart und Naomi Lawrence zum Spielplatz: weil auch Umweltschutz klein anfängt. (Foto: JD)
 
Mit ihrem bevorzugten Verkehrsmittel fahren Martin Glöckner (vorne), Benji Barnhart und Naomi Lawrence zum Spielplatz: weil auch Umweltschutz klein anfängt. (Foto: JD)
Münchner Wochenanzeiger : Die Bürgerinitiative am Dreimühlenplatz ist froh, dass sie von Green City immer unterstützt wurde. (Foto: JD)
 
Die Bürgerinitiative am Dreimühlenplatz ist froh, dass sie von Green City immer unterstützt wurde. (Foto: JD)

„Hier hat sich was getan!“, steht auf einem charmanten, handbemalten Plakat an einem dreckigen Fenster im Dreimühlenviertel. Und in der Tat: Wo vor einigen Jahren noch eine stark befahrene Kreuzung war, Parkplätze und Autolärm ein genüssliches Flanieren durch die Wohngegend unmöglich machten, befindet sich nun ein ruhiger Platz mit Cafés, an dem man gerne mit Freunden auf der Terrasse sitzt oder den Balkon benutzt. 1998 wurde die Bürgerinitiative Dreimühlenplatz gegründet, die eben diese Veränderungen mit einem stets unterstützendem Partner an der Seite erreichte. Bereits drei Jahre später waren die Baumaßnahmen abgeschlossen und machten den Bäumen Platz, die nun glücklichen Anwohnern Schatten spenden.

"Wir machen es einfach"

Dies ist nur eine der Aktionen unter dem Motto "Wir machen es einfach", mit denen Green City den Bürgern in den letzten 20 Jahren geholfen hat, ihre eigene Stadt zu verändern und in deren Reihe sich unter anderem das große autofreie Aushängeschild Münchens, die Blade Night mit insgesamt 1,7 Miollionen Besuchern, ebenso wie die Wanderbaumallee einreihen, die immer wieder auf vielen Straße für Aufsehen sorgt. Sie war eine der ersten großen Öffentlichkeitsarbeiten nach der Gründung der Organisation „München autofrei 2000“, die später der Green City e.V. wurde. „Das Prinzip“, so Vorstand Benji Barnhart, „kann man wohl als den Green City-Stil bezeichnen“: lösungsorientiert, produktiv, spaßig und vor allen Dingen einfach die Aufmerksamkeit der Anwohner auf sich ziehen und ihnen zeigen, wie schön es in ihrem Viertel sein könnte. Mit meterhohen Bäumen in Blumenkübeln ziehen sie von Straße zu Straße, tanzen zu Sambamusik und feiern grüne Oasen im graubetonierten Großstadtalltag. Bewohner aus 60 Straßen haben dieses Spektakel schon miterlebt und wurden so mitgerissen, dass sie die Pflanzung von 150 Bäumen veranlassten.

Ebenso gut angenommen wurde das Projekt „Rent a Bike“, das – 1993 ins Leben gerufen – schon vor vielen Jahren von der Deutschen Bahn übernommen wurde und seither nicht nur den Münchnern orangefarbene Radl als Alternativen zum Auto bietet. Besondere Aufmerksamkeit erhält aber auch das Street Live Festival, das jedesmal 250.000 Besucher anlockt und ihnen zeigt, wie schön es sein kann, gemeinsam zu feiern, vollkommen unabhängig von Alter, Nationalität, Behinderung und allem anderen, was die Stadtgemeinschaft sonst trennt.

Green City ginge es bei all dem nicht darum, selber Hand anzulegen, sondern Denkanstöße zu geben, erklärt Martin Glöckner, der Geschäftsführer: „für Klimaschutz, Umweltbewusstsein und alternative Mobilität“. Gerade deshalb greift die Organisation bei der Bildung an, indem sie eine Kindergruppe, die Ökolumbini, gründete, Kindern den „Bus mit Füßen“ ermöglicht, also eine Schulwegbegleitung, die auf Bus und Auto verzichtet, und auch die Aktion Radln im Alter ins Leben gerufen hat, die eine 70-Jährige sogar dazu ermutigte, eine Radtour quer durch Deutschland, von München nach Rügen zu machen.

Aufgeschlossene und aufgeklärte Bürger

Selbst politisch werden Glöckner und seine mittlererweile 55 Mitarbeiter aktiv, indem sie sich mit den unterschiedlichen Fraktionen treffen und über deren und ihre eigenen Vorstellungen von der Gestaltung Münchens sprechen und Kampagnen starten. „Wir setzen die Politik notfalls unter Druck“, sagt Glöckner, für einen „aufgeschlossenen und aufgeklärten Bürger“.

Um eben diesen ganz aktuell zu erreichen und ihm zu zeigen, was bisher schon durchgesetzt wurde, installierte die Organisation an 20 verschiedenen Orten in München Street Art der Künstlerin Naomi Lawrence, die bereits letztes Jahr im Rahmen des Stadt-Gorilla-Programms im Gasteig mit Malereien auf sozial engagierte Bürger aufmerksam machte. Die aktuellen Plakate zeigen Muc, den Marder. Sie sind handgemalt um sich „gegen solche wie O2, die die ganze Stadt zupflastern können“ auf eine charmante und unaufdringliche Weise durchzusetzen. Vier Wochen sollen die Werke das Stadtbild noch schmücken, wer sie entdeckt, kann das auf der Internetseite www.greencity.de melden und Preise gewinnen. Bei der großen Geburtstagsfeier am 1. Oktober, die Christian Ude eröffnet, werden diejenigen Plakate, die die Witterung überlebt haben, versteigert, um mit dem Erlös die Stadt vielleicht wieder ein bisschen schöner zu machen.

 
Artikelinfo
Ausgabe: SamstagsBlatt
München
Woche: 34 - 2010
Autor: JD
Artikelkommentare
Kommentar schreiben
Es wurde noch kein Kommentar hinterlegt.
Verwandte Artikel