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05.09.2011 - 16:28 Uhr
 

Jetzt weht ein anderer Wind!

Wenn die Erwartungen steigen und wie Eltern am besten damit umgehen

Münchner Wochenanzeiger : Kinder brauchen Zeit, um sich an den schulischen Alltag und die neuen Abläufe zu gewöhnen - daran müssen Eltern denken und ihrem Nachwuchs diese Zeit auch geben.  (Foto: BLLV)
 
Kinder brauchen Zeit, um sich an den schulischen Alltag und die neuen Abläufe zu gewöhnen - daran müssen Eltern denken und ihrem Nachwuchs diese Zeit auch geben. (Foto: BLLV)

Der erste Schultag ist da. Luisa trägt das Sonntagskleid. Oma und Opa sind angereist. Die Patentante ist gekommen und alle gehen mit zur Schulanfangsfeier. Beim gemeinsamen Mittagessen sind folgende Sätze zu hören: „Luisa ist in einer Begabtenklasse, sie wird bestimmt zu den besten Kindern gehören!“ oder: „Die Lehrerin ist bekannt dafür, dass aus deren Klassen viele ins Gymnasium übertreten.“ Oder: „Luisa wird bestimmt in die Theatergruppe gehen und im Chor singen.“

„Die Erwartungen, die viele Eltern an ihr Kind richten, sind oftmals immens: Beste Leistungen, eine ausgeglichene Persönlichkeit, am liebsten einen ‚Vorzeigeschüler’, um den einen alle anderen beneiden.“ Doch die Schulpsychologin und Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Simone Fleischmann, rät zur Vorsicht: „Es ist kontraproduktiv, ein Kind mit solchen Erwartungen zu konfrontieren. Der dadurch ausgelöste Druck kann die Lernbereitschaft hemmen und ausgesprochen demotivierend wirken. Kinder in diesem Alter wollen sich anstrengen und sie wollen ihren Eltern auch gefallen - wenn sie allerdings das Gefühl haben, funktionieren zu müssen, um den Anforderungen ihrer Eltern gerecht zu werden, kann das diffuse Ängste auslösen. Aus Schulfreude wird schnell Schulfrust.“ Fleischmann rät deshalb zur Zurückhaltung. „Viel besser sind Ermunterungen und eine positive Begleitung.“

Die BLLV-Expertin hat noch weitere Tipps für einen gelungenen Schulstart:

- Eltern dürfen den ersten Schultag gerne als besonderen Tag gestalten. Danach aber sollte schnell wieder in den Alltag zurückgekehrt werden und Alltagsroutine einkehren.

- Kinder brauchen Zeit, um sich an den schulischen Alltag und die neuen Abläufe zu gewöhnen - daran müssen Eltern denken und ihrem Nachwuchs diese Zeit auch geben.

- Bei Problemen nicht lange warten, sondern möglichst rasch das Gespräch mit der Lehrkraft suchen.

- Geschenke wie z.B. ein T-Shirt mit dem Aufdruck  „Abi 2023“ sind zu vermeiden. Sie sind vielleicht gut gemeint, setzen Kinder aber massiv unter Druck. Grundsätzlich sollten sich Eltern mit Bemerkungen über ihren Wunschschulabschluss zurückhalten und die angebotenen Schularten nicht abwerten.

- Es empfiehlt sich, dem Kind zunächst einmal alles zu zutrauen. Eltern sollten in Ruhe beobachten, wo es Stärken und Schwächen entwickelt. Wenn Hilfe gebraucht wird, ist behutsame Unterstützung angebracht. Im vorauseilenden Gehorsam überall Nachhilfe anzubieten, alle Hausaufgaben prinzipiell gemeinsam zu machen oder das Kind in sämtliche Zusatzangebote (Arbeitsgemeinschaften, Förderkurse) der Schule zu stecken, ist dagegen wenig hilfreich.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
München
Woche: 36 - 2011
Autor: job
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