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06.02.2012 - 10:01 Uhr
 

"Die Sprache ist der Schlüssel zu allem"

Bundesinnenminister startete in der Hedernfeldschule bundesweite Kampagne

Münchner Wochenanzeiger : Die Kinder gaben mit Schulleiterin Gabriele Strehle, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Schauspieler Ralf Möller (vorne von rechts) den Startschuss für die deutschlandweite Kampagne. (Foto: job)
 
Die Kinder gaben mit Schulleiterin Gabriele Strehle, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Schauspieler Ralf Möller (vorne von rechts) den Startschuss für die deutschlandweite Kampagne. (Foto: job)

In der Grundschule am Hedernfeld hat Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich am Freitag die bundesweite Motivationskampagne „Deutsch lernen - Deutschland kennen lernen“ zusammen mit dem Schauspieler Ralf Moeller und der Zeitbild-Stiftung eröffnet. "Die Sprache ist der Schlüssel zu allem", betonte der Minister in der Hedernfeldschule und sprach mit Eltern und Schulvertretern über ihre Erfahrungen aus den Pilotkursen.

Mit der Kampagne sollen Eltern mit Migrationshintergrund zur Teilnahme an Integrationskursen motiviert werden. In den staatlich geförderten, für Mütter und Väter entwickelten Kursen verbessern diese ihre deutschen Sprachkenntnisse und erfahren Wichtiges über Schule, Bildung und Ausbildung ihrer Kinder in Deutschland.

Kurse von fundamentaler Bedeutung

Die Hedernfeldschule besuchen Kinder aus 24 Nationen, berichtete Schulleiterin Gabriele Strehle. "Wir sind sehr froh, dass wir uns im Interesse der Kinder mit den Eltern in einer gemeinsamen Sprache verständigen können!" Seit einigen Jahren werden in der Grundschule Deutschkurse für die Mütter der Kinder angeboten. Für Strehle wird damit "ein Baustein im Fundament unseres Staates und der nächsten Generation" gelegt. Wenn Zuwanderer Deutsch können, können sie ihren Kindern besser zur Seite stehen und verstehen, wie der Schulalltag in Deutschland funktioniert: "Wir bauen so die Bildungschancen der Kinder aus", erläuterte Strehle, "so dass ein hoher Prozentsatz unserer Schüler an weiterführende Schulen wechseln kann." Die gemeinsame Sprache Deutsch verbindet aber auch die Eltern; in den Kursen werden wichtige soziale Kontakte geknüpft. So sind die Deutschkurse tatsächlich ein "Baustein für Toleranz, Akzeptanz und ein friedliches Miteinander", wie Strehle meinte. Sie schilderte, wie manche Frauen durch die Deutschkurse ihr ganzes Leben neu ausrichten, da sie durch die Sprachkenntnisse aus ihrer familiären Isolation herausgerissen werden und - oft zum ersten Mal - die Chance auf eine Ausbildung und eine ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit bekommen.

Minister: "Kurse liegen mir am Herzen"

Bundesinnenminister Friedrich teilt die Einschätzung über die große Bedeutung der Deutschkurse: „Die Elternintegrationskurse liegen mir besonders am Herzen. Jedes Kind hat mal eine Frage bei den Hausaufgaben und jedes Kind tut sich mal ein wenig schwer in einem Fach. Gerade dann ist es besonders wichtig, dass Eltern da sind, die Hilfestellung geben oder mit dem Lehrer oder der Lehrerin ins Gespräch kommen. Für Eltern ohne gute Deutschkenntnisse und ohne Wissen um das deutsche Bildungssystem ist das häufig eine immense Herausforderung. Wir wollen sie mit den Kursen dabei unterstützen.“

Kursen droht die Schließung

Franziska Gehring, die seit fast sieben Jahren den Frauenintegrationskurs an der Hedernfeldschuld leitet, dankte der Schulleitung für die gute Zusammenarbeit. "Ich bin der Überzeugung, dass ein Deutschkurs für Frauen in einer Grundschule besonders gute Möglichkeiten zur Integration bietet", fasste sie ihre Erfahrungen zusammen. An der Hedernfeldschule stehen die vom Bundesinnenminister gelobten Deutschkurse indes vor erheblichen Schwierigkeiten. Darauf wies wie Gabriele Strehle auch Franziska Gehring hin: "Seit einem Jahr gibt es zu unseren Kursen keine Kinderbetreuung mehr. Ich musste Frauen mit Kleinkindern nach Hause schicken. Das hatte eine Reduzierung der Kursteilnehmerinnen zur Folge und seitdem hängt die ständige Drohung der Kursschließung wie ein Damoklesschwert über uns."

Für die Deutschkurse setzt das Bundesamt für Migration mindestens 15 Stunden in der Woche an. Das Jugendamt lässt aber nur für zwölf Stunden in der Woche eine einfache Kinderbetreuung zu. Um für 15 statt 12 Kursstunden eine Kinderbetreuung anbieten zu können, müsste in der Schule ein Tagespflegerin eingestellt werden. Die zusätzlichen Kosten dafür können viele Zuwandererfamilien aber nicht tragen.

Gehring erklärte: "Eine Frau, die mit einem einjährigen Kind nach Deutschland kommt, kann unsere Kurse ohne Kinderbetreuung zwei Jahre lang nicht besuchen. Wenn diese Frau ein zweites Kind bekommt, was die Regel ist, kann sie fünf Jahre keinen derartigen Kurs besuchen. Sie wird mehr oder weniger in der Isolation bleiben und ohne Sprachkenntnisse eine Fremde in dem Land bleiben, in dem sie ihren Kindern beim Aufwachsen Unterstützung geben soll." Wolle man diese Frauen integrieren, müsse man ihre Kleinkinder während der Kurszeiten unbürokratisch und kostenlos betreuen. "Die Frauen, an denen so viel hängt, müssen unterstützt werden und vor Ort Hilfe erhalten!" riet Gehring eindringlich.

Der Träger der Deutschkurse und das Bundesamt haben ihr nach der Veranstaltung zugesagt, sich um eine Lösung zu bemühen. Möglicherweise kann im Laufe des Jahres in der Hedernfeldschule die Kinderbetreuung für die Kurszeiten wieder eingerichtet werden.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Neuhadern
Woche: 05 - 2012
Autor: job

Grundschule Hedernfeld

Am Hedernfeld 42
81375 München-Kleinhadern/Neuhadern

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Grundschule Hedernfeld

 

 

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