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05.09.2011 - 09:11 Uhr
 

Die Sache mit der Konzentration

Nichts ist schlimmer als nörgelnde Eltern

Münchner Wochenanzeiger : Konzentration gelingt besser, wenn ein Kind weniger Reizüberflutung ausgesetzt ist. (Foto: BLLV)
 
Konzentration gelingt besser, wenn ein Kind weniger Reizüberflutung ausgesetzt ist. (Foto: BLLV)

Der Nachmittag mit dem Schulkind zu Hause ist für viele Eltern reine Nervensache: Da gibt es die trödelnde Tochter, den Sohn, der die Hausaufgaben nicht zuverlässig erledigt oder sich gar nicht mit den Schulsachen beschäftigen will. „Es ist leider so, dass sich Kinder immer schlechter konzentrieren können. Es fällt ihnen zunehmend schwer, sich ausdauernd mit einer Sache zu beschäftigen“, erklärt die Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im  Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und Schulpsychologin Simone Fleischmann. Sie weiß: Heutzutage ist es nichts Außergewöhnliches, wenn Schulkinder fahrig, antriebsschwach, unkonzentriert oder zappelig wirken. „Dieses Verhalten hat jedoch wenig mit den Kindern, viel dagegen mit der Erwachsenenwelt zu tun, in der permanent vielfältige Reize produziert werden“, meint Fleischmann. Kinder seien diesen Reizen hilflos ausgeliefert.  „Dauerwerbung, schrille Videoclips, hektische Zeichentrickserien, klingelnde Handys und PCs im Dauereinsatz stressen das kindliche Gemüt und überfordern es. Hinzu kommt, dass viele Kinder Neue Medien und Fernsehgeräte zu Hause völlig unkontrolliert nutzen. Für sie ist es fast unmöglich, all diese Reize und Einflüsse sinnvoll zu verarbeiten.“ Gleichzeitig werden die Anforderungen, die an Schulkinder gestellt werden, immer umfangreicher. Kein Wunder, dass es da zu Problemen kommt.

Weil Konzentration nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern im Zuge der Entwicklungs- und Reifeprozesse gelernt wird, können Eltern diesen Prozess unterstützen, indem sie die Reizüberflutung auf ein Minimum reduzieren. „Kinder sollten möglichst wenig ‚Action-Fernsehen’, möglichst wenig vorm Computer sitzen und möglichst wenig mit dem Handy hantieren. Viel wichtiger ist es, dass Kinder möglichst oft an die frische Luft kommen und genügend Zeit für Spiel und Bewegung haben“, empfiehlt die BLLV-Expertin. Eltern sollten ihre Kinder auch stets ermutigen, sie auch für kleine Fortschritte loben und sich gemeinsam über erste kleine Erfolge freuen. „Wer sein Kind unter Druck setzt und dauernd an ihm herumnörgelt, entmutigt es und erreicht das Gegenteil.“

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
München
Woche: 36 - 2011
Autor: job
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