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31.01.2012 - 09:07 Uhr
 

Welche Medien brauchen wir heute?

Neujahrsempfang der CSU Neuried mit Peter Hausmann

Münchner Wochenanzeiger : Peter Hausmann, der Chefredakteur des Bayernkurier, war der Festredner beim Neujahrsempfang der CSU Neuried. (Foto: CSU)
 
Peter Hausmann, der Chefredakteur des Bayernkurier, war der Festredner beim Neujahrsempfang der CSU Neuried. (Foto: CSU)
Münchner Wochenanzeiger : Marianne Hellhuber konnte neben Peter Hausmann auch Bürgermeisterin Ilse Weiß und den Gräfelfinger Bürgermeister und stellvertretenden Landrat Christoph Göbel  begrüßen (von rechts). (Foto: CSU)
 
Marianne Hellhuber konnte neben Peter Hausmann auch Bürgermeisterin Ilse Weiß und den Gräfelfinger Bürgermeister und stellvertretenden Landrat Christoph Göbel begrüßen (von rechts). (Foto: CSU)

„Wir sind offensichtlich auf dem Weg zu einer Mediokratie und die Politik muss intensiv darüber nachdenken, welche Medien und Medienmacht wir brauchen.“ Das war der Schlussgedanke der Festrede von Peter Hausmann, Chefredakteur des Bayernkurier, anlässlich des Neujahrsempfangs der Neurieder CSU. Kritisch und mit viel Hintergrundwissen setzte sich der Redner bei der traditionellen CSU-Veranstaltung mit der Entwicklung der Medienlandschaft auseinander. In ihrer Vorstellung des Gasts hatte die CSU-Ortsvorsitzende Marianne Hellhuber betont: „Wir erleben gerade, wie die Vorverurteilung über Schlagzeilen die seriöse Berichterstattung ersetzt.“

Gut gefüllt war die Aula der Grundschule mit den Gästen der CSU-Veranstaltung. Neben Bürgermeisterin Ilse Weiß begrüßte Marianne Hellhuber die Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer-Stäblein und als Vertreter der Kreistagsfraktion den Gräfelfinger Bürgermeister und stellvertretenden Landrat Christoph Göbel. Dazu wurden die Mitglieder des Neurieder Gemeinderats, die Vertreter der örtlichen Vereine und viele Besucher aus den Nachbargemeinden willkommen geheißen. „Neuried hat sich mit rasanter Geschwindigkeit in den letzten zehn Jahren entwickelt und wir haben mit Millionen-Investitionen in die Infrastruktur unsere Gemeinde zu einem liebenswerten und modernen Ort entwickelt. Das bestätigt der starke Zuzug an neuen Einwohnern, vor allem an jungen Familien,“ so Bürgermeisterin Ilse Weiß. „Jetzt müssen wir aber den Fuß vom Gaspedal nehmen und uns auf die weiteren Ausbaumaßnahmen konzentrieren, die besonders hohe Priorität haben.“ Die Stimmkreisabgeordnete im Landtag, Kerstin Schreyer-Stäblein, betonte, dass sie sich besonders freue, dass in Bayern trotz der Priorität einer soliden Haushaltspolitik viel für Bildung und Familie getan werden könne.

Peter Hausmann stellte die Entwicklung der Medienlandschaft und ihres Verhältnisses zur Politik mit vielen Beispielen aus seinem persönlichen Erleben, beispielsweise mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, vor. Mit dem letzten Jahrzehnt sei in der Politik die Fähigkeit immer wichtiger geworden, sich selbst zu inszenieren, und mit der Übermittlung der Nachrichten durch die neuen Medien hätte die hohe Verfügbarkeit und schnelle Übermittlung von Neuigkeiten Vorrang bekommen vor fundierter Berichterstattung. Die Verfügbarkeit von Nachrichten überall und rund um die Uhr sei einerseits der Ausdruck einer freien Gesellschaft,  andererseits müsse man sich die Frage stellen, was es bedeute, wenn Unternehmen mit Internetplattformen wie Google einen höheren Börsenwert darstellten als produzierende Unternehmen wie Siemens. Hausmann kritisierte, dass kleinste Neuigkeiten erst einmal von den Medien übertragen würden und damit die wirkliche Bedeutung von Ereignissen immer schwerer zu beurteilen sei. „Die Presse sieht sich immer mehr als vierte Staatsmacht, der aber eine demokratische Legitimierung fehlt. Heute hat man das Gefühl, die Medien sehen sich schon als Übermacht und wir sind auf dem Weg von der Demokratie zur Mediokratie. Die Politik muss über diese Entwicklung nachdenken und sich die Frage stellen: was brauchen wir an Medien?“