| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Karlsfeld |
| Woche: | 23 - 2010 |
| Autor: | SB |
Reinhard Pobel hat es für Karlsfeld beantragt, Heinz Eichinger hat es in Vierkirchen schon – ein gemeindliches Leitbild. Die Karlsfelder SPD hatte den Vierkirchener Bürgermeister eingeladen, um mit ihm seine Erfahrungen mit Leitbild und Bürgerbeteiligung zu diskutieren. Es wurde bald klar, dass „das keine parteipolitische Veranstaltung sein kann“, sagt Pobel. Es ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten und noch ein weiter Weg, das war das Fazit nach einer lebhaften Diskussion, die Eichingers Vortrag folgte. Denn es müssen viele gewonnen werden, die Bürger, die Vereine, die Kirchen, die Schulen, die Verwaltung und vor allem der Bürgermeister und die Gemeinderäte. Da sieht Reinhard Pobel einen ersten Schritt getan. Sein Antrag sei eine „Steilvorlage für Bürgermeister Kolbe“. Und auch Heinz Eichinger sekundiert: „Der Bürgermeister muss der Motor von Leitbild und Bürgerbeteiligung sein. Ihr braucht einen breiten Konsens im Rathaus.“
In seinem Vortrag schildert Eichinger die Umsetzung eines Leitbildes in seiner Gemeinde. Er sieht die Kommunen im Wandel zwischen Tradition und Modernität. Sie müssen sich auf gravierende Veränderungen einstellen. „Ökonomie, Ökologie und soziale Bedürfnisse zu verbinden erfordert neue Wege“. Es sei wichtig, die Menschen an der Suche nach Lösungen zu beteiligen. Das ehrenamtliche Engagement müsse stärker gefördert werden. Aber ohne Geld, so Eichinger, geht das natürlich nicht. Vierkirchen ist den Weg gegangen, zuerst ein Leitbild mit den Bürgern zu erstellen. Dies ist auch mit externer Unterstützung geschehen. In der Folge hat sich Vierkirchen als einzige Gemeinde eine Netzwerkmanagerin gegönnt. Ihre Aufgabe ist, die Unterstützung und die Vernetzung der Initiativen und Gruppen in der Gemeinde.
Im Unterschied zu den Agenda 21-Gruppen, die von den Kommunen alleine gelassen wurden, unterstützt Vierkirchen jetzt seine Projektgruppen mit Geld und Know How. Eichinger gerät nachgerade ins Schwärmen, wenn er von den Erfolgen seiner Bürger erzählt: Wasserspielplatz, Naturbad, Ausbildungshaus, Vereinshalle und vieles mehr sind durch die Bürger entstanden. Das Rathaus gibt ein Budget und dann heißt es „Macht's was draus!“ Aber „dazu braucht man Kommunalpolitiker, die Mut haben“, so Eichinger.
Reinhard Pobel erinnert an die Diskussionen, „die wir schon mit dem Weyarner Bürgermeister Pelzer im Karlsfeld hatten, der durch europäische Unterstützung seine Gemeinde zum Bürgerengagement gebracht hat“. Heinz Eichinger ging da pragmatischer vor: „Klar haben wir Unterstützung aus europäischen Programmen gehabt, aber innerhalb eines Jahres haben wir hier etwas vorangebracht.
In der Debatte mit den Zuhörern wird klar, dass die Begriffe Leitbild und Bürgerbeteiligung nicht bei jedem das Gleiche bedeuten. Birgit Biemann: „Ein Leitbild kennt man ja aus Firmen und Behörden und man kann sich nicht immer was vorstellen.“ Günter Bunk meint, Heinz Eichinger rede nur von Bürgerbeteiligung nicht vom Leitbild. Eichinger erklärt das Leitbild „als einmalige Sache, das macht man und dann hat man es. Es dient als moralische Richtschnur des gemeindlichen Handelns. Die Bürgerbeteiligung steht bei uns im Leitbild und ist eine immer wiederkehrende Maßnahme.“ Auch Reinhard Pobel will die Bürgerbeteiligung als Methode um ein Leitbild zu erstellen. Und Werner Plumeier nennt das Leitbild „als Probelauf für die Bürgerbeteiligung.
Der Tenor der Diskussion war, dass die Gemeinde in ihrer Gesamtheit hinter dem Modell stehen muss, sie muss die Bürger einladen, sie muss einen festen Ansprechpartner zur Verfügung stellen und auch das nötige Geld. Das sieht aber Heinz Eichinger gut angelegt. „Auf diese Weise haben die lokalen Handwerker was davon, wir sparen uns das eine oder andere Honorar, wir müssen nicht europaweit ausschreiben.“ Aber vor allem steht die Überzeugungsarbeit und der Mut. „Ich habe zu meinen Leuten gesagt: Lasst es uns doch einfach probieren“, ermutigt der Vierkirchener Bürgermeister den Karlsfelder Reinhard Pobel. Und vor dem liegt nun die Aufgabe, die Karlsfelder für den „Karlsfelder Weg“ der Bürgerbeteiligung zu begeistern.
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Karlsfeld |
| Woche: | 23 - 2010 |
| Autor: | SB |
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