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22.06.2010 - 14:59 Uhr
 

Träume nicht zerplatzen lassen

Aktionsnachmittag: Die Kinder im Arnulfpark brauchen ab September dringend einen Hort

Münchner Wochenanzeiger : Seifenblasenaktion für Hortplätze im Arnulfpark: Albena Nunez und ihre Mitstreiter konnten dazu auch Barbara Marc (2.v.l.), Wolfgang Schwirz (4.v.l.) und Ingeborg Staudenmeyer ((5.v.l.) vom Bezirksausschuss 9 begrüßen. (Foto: bb)
 
Seifenblasenaktion für Hortplätze im Arnulfpark: Albena Nunez und ihre Mitstreiter konnten dazu auch Barbara Marc (2.v.l.), Wolfgang Schwirz (4.v.l.) und Ingeborg Staudenmeyer ((5.v.l.) vom Bezirksausschuss 9 begrüßen. (Foto: bb)
Münchner Wochenanzeiger : Eltern in Nöten: "Ohne Hort ist der Job fort" stand auf einem Plakat am Aktionspavillon. (Foto: bb)
 
Eltern in Nöten: "Ohne Hort ist der Job fort" stand auf einem Plakat am Aktionspavillon. (Foto: bb)

Das Bild, das sich am Freitagnachmittag Spaziergängern im Arnulfpark darbot, wirkte auf den ersten Blick so richtig fröhlich und unbeschwert. Kinder ließen trotz des Nieselregens auf der großen Wiese große Seifenblasen durch die Luft schweben, Eltern standen mit einem Becher Kaffee oder Tee daneben und unterhielten sich. Doch der Anblick täuschte: Fröhlich und unbeschwert ist es den Eltern, die in das Neubaugebiet gezogen sind, schon längst nicht mehr zumute, und so war auch der Hintergrund der Aktion ein ernster. Für die Kinder, die im September in die Schule kommen, fehlt es an Hortplätzen und unter den Müttern geht die Angst um, ihre Arbeitsplätze aufgeben zu müssen, damit die Sechs- und Siebenjährigen nach der Schule nicht unbeaufsichtigt sind. Für viele der jungen Familien reicht ein Gehalt jedoch nicht aus zum Leben, zumal oft hohe Kredite aufgenommen wurden, um die Eigentumswohnung im neuen Quartier zu finanzieren.

Mehr als zwanzig Kinder in dem Gebiet zwischen Donnersbergerbrücke und Hackerbrücke haben ab Herbst keine Betreuung nach der Schule, trotz dem sie in “Dringlichkeisstufe 1” nach städtischen Kriterien eingestuft sind. Und die von der Stadt versprochene Tagesheimschule im Arnulfpark lässt noch bis mindestens 2012 auf sich warten.  "Unsere Träume zerplatzen wie Seifenblasen", lautete deshalb das Motto der Aktion.

Die Horte sind voll

Die Kinder aus dem Quartier an der Bahnachse, die bereits eingeschult worden sind, sind in Container-Klassenzimmern der umliegenden Grundschulen untergebracht. Die Horte dort sind jedoch randvoll, und im Arnulfpark selbst steht keine Betreuungsmöglichkeit bis in den späten Nachmittag hinein zur Verfügung. Inzwischen haben etliche der betroffenen Familien eine Arbeitsgruppe Hortplätze gebildet. Seit März bohrt diese bei der Stadt nach. Ziel ist eine Übergangslösung, ein Hort-Provisorium. Albena Nunez und ihre Mitstreiter sind auf eigene Faust durch das Quartier gezogen, um einen geeigneten Raum zu finden, in dem die Kinder nach der Schule ihre Hausaufgaben machen und spielen können.

Und sie sind fündig geworden – im Velum, dem schrägen Haus am Klaus-Mann-Platz. Auch ein Spielplatz ist dort gleich in der Nähe. "Vivico hat sich bereit erklärt, zu helfen", berichtete Albena Nunez. Die Immobiliengesellschaft sei bereit, den Raum an die Stadt zu vermieten. Ab 1. September könnte er zur Verfügung stehen. Jetzt gehe es darum, dass sich die Stadt und der Vermieter baldigst einigen. Die Fachabteilung 5 habe den Raum bereits besichtigt. Momentan werde ein Expressgutachten über die Eignung erstellt.

Auf die Stadt hoffen

Am gefährlichsten für das Vorhaben hält die junge Frau die Möglichkeit, "dass man sich an irgend einer Auflage festbeißt", die schwer zu erfüllen sei oder dass die Miete zu hoch sei. "Wir hoffen, dass die Stadt die Trägerschaft übernimmt", erklärte Nunez, die sich von der SPD-Stadtratfraktion enttäuscht zeigte. Von dort habe man überhaupt keine Unterstützung bekommen, während sich die CSU-Fraktion, der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg und der Bewohnertreff sehr für das Anliegen eingesetzt hätten. Eine Elterninitiative als Träger schloss Albena Nunez wegen der wesentlich höheren Monatsbeiträge aus, die sich die meisten der jungen Familien nicht leisten können. BA-Vorsitzende Ingeborg Staudenmeyer, die mit der Unterausschussvorsitzenden Schule und Soziales, Barbara Marc, und BA-Mitglied Wolfgang Schwirz zu der Aktion gekommen war, versprach nochmals nachzuhaken.

Der Arnulfpark habe nach Riem die meisten Kleinkinder in München, führte Nunez aus. Auch der Migrationsanteil sei relativ hoch. Darum sei es besonders wichtig, dass die Kinder früh in Bildungseinrichtungen eintreten könnten. Nur so könne Sprache richtig erlernt, Kultur wirklich vermittelt und damit eine Chancengleichheit hergestellt werden.

 

 

 

 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Neuhausen/Maxvorstadt
Woche: 25 - 2010
Autor: BB
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