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24.01.2012 - 09:38 Uhr
 

Lieber Brunnen als Cowboy

BA entscheidet sich in Kunstdiskussion

Münchner Wochenanzeiger : „Space between Trees & People“ nennt Jeppe Hein seinen Entwurf für einen Brunnen. (Foto: Graphik: Baureferat)
 
„Space between Trees & People“ nennt Jeppe Hein seinen Entwurf für einen Brunnen. (Foto: Graphik: Baureferat)
Münchner Wochenanzeiger : Daniel Knorr bei der Vorstellung seiner Lichtinstallationen in der Dezember-Sitzung des BA. (Foto: US/Archiv)
 
Daniel Knorr bei der Vorstellung seiner Lichtinstallationen in der Dezember-Sitzung des BA. (Foto: US/Archiv)

Der Bezirksausschuss Pasing / Obermenzing hat sich entschieden: in Sachen Kunst am Bau stimmte er mehrheitlich (18 zu 9 Stimmen) für die Brunnenanlage des Dänen Jeppe Hein und gegen die sechs Lichtinstallationen im Las-Vegas-Stil des Deutsch-Rumänen Daniel Knorr. Zum großen Thema „Bewegung und Wasser“ hatten Knorr und Hein und drei weitere Künstler ihre Arbeiten bei der städtischen Kunstkommission eingereicht, mit denen der neue Passeo, der parallel zu der Bahnanlagen zwischen Arcaden und Würm entsteht, zu gestalten sei.

Die Entscheidung der Kommission, bestehend aus Kunst-am-Bau-Mitarbeitern, BA-Mitgliedern, mfi-Vertretern und Vertretern der Stadt und Bahn, erfolgte für Knorr und Hein. Bevor der Stadtrat in Kürze sein endgültiges Votum über Pasings künstlerische Gestaltung gibt, konnte der BA das Für und Wider der beiden Entwürfe diskutieren und eine Empfehlung an den Stadtrat übermitteln.

Der Stadtrat besitzt deshalb das letztendliche Entscheidungsrecht, weil die Fördersumme für die Kunstgestaltung des Passeo 400.000 Euro beträgt. Das übersteigt das Budget, das lokale Politiker nach formaler Beurteilung für ihren Stadtbezirk ausgeben dürfen. Die mfi AG, Betreiber der Pasing Arcaden, legte übrigens auf diese Riesensumme noch einmal 300.000 Euro drauf, möchte dafür aber die Kunst in unmittelbarer Nähe zu den Arcaden-Gebäuden beziehungsweise auf dem dazwischen entstehenden Platz realisiert sehen.

„Arcaden-Platz“ ist nicht unser neues Zentrum“

Die öffentliche Kunstdiskussion im BA zog jede Menge Interessenten an: Rund 50 Bürger füllten zur letzten BA-Sitzung den Großen Sitzungssaal im Rathaus. Christian Herkner vom Aktiven Pasing e.V. kritisierte: „Es ist absurd, mit soviel Geld Pasing aufwerten zu wollen, und dabei das eigentliche Zentrum um den Marienplatz, um das Rathaus oder um den Schererplatz außen vor zu lassen. Der Platz an den Arcaden ist nicht unser neues Zentrum.“

Auch über 100 Bürgerschreiben zum Thema Kunst gingen beim BA ein, wie die Unterausschuss-Vorsitzende für Kultur, Gudrun Koppers-Weck (SPD), berichtete. „Die Tendenz der Meinungen geht dabei gegen „Las Vegas“ und für den Brunnen, aber auch gegen den vorgesehenen Standort zwischen den Arcaden.“ Ihr Vorschlag an das Gremium sei daher, die Diskussion um die Kunst zu verschieben.

„Zuerst einmal müssen wir eine geeignete Form finden, uns auszudrücken. Außerdem ist das allgemeine Interesse in dem Fall viel zu groß, so dass wir noch vielen Bürgern die Gelegenheit geben sollten, sich zu äußern“, meinte sie. Dabei bekam sie Schützenhilfe aus den eigenen Reihen. „Ein Stimmungsbild ist nötig, um nicht über die Köpfe der Leute und der Künstler hinweg zu entscheiden“, so Michael Mirwaldt (SPD).

Heftige Kontroverse

Doch das Gremium sah dies in der Mehrzahl anders. „Wir hatten genug Zeit“, fasste Frieder Vogelsgesang (CSU) zusammen. „Es wird nicht besser, wenn wir uns jedes Argument fünf Mal anhören.“ Ähnlich wie bei der Vorstellung der Künstler diskutierten die BA-Mitglieder die beiden Vorschläge kontrovers.

Die Beiträge reichten von „Die Provokationen Daniel Knorrs sind gelungen. Wenn jemand wegen der Kunst nach Pasing fährt, dann wegen Knorrs Installationen.“ (Vogelsgesang) über „Las Vegas ist so negativ besetzt, das will ich hier nicht haben.“ (Richard Roth, SPD) oder „Die Arcaden machen einfach ein Riesenmarketing mit dem Brunnen.“ (Sven Wackermann, CSU) und „Der Brunnen ist attraktiv und bieten ganzen Familien einen hohen Aufenthaltswert.“ (Constanze Söllner-Schaar, SPD) bis zu „Der Platz zwischen den Arcaden ist so öde, deswegen brauchen wir dort den Brunnen.“ (Roland Schichtel, CSU).

Am Ende „siegte“ der Brunnen von Hein im Pasinger BA. Die Abstimmung einer dritten Möglichkeit, nämlich der Splittung der Fördermittel zwischen den Künstlern oder eine Aufstockung zu Lasten anderer Kunstobjekte und zu Gunsten weiterer Standorte, so wie Koppers-Weck vorgeschlagen hatte, erfolgte nicht. Mit dem empfehlenden Charakter der BA-Entscheidung setzt sich nun der Stadtrat auseinander. Dessen Entscheidung wird frühestens im Februar erwartet.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Pasing
Woche: 04 - 2012
Autor: U.S.

Rathaus Pasing

Landsberger Str. 486
81241 München-Pasing

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