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21.06.2010 - 16:24 Uhr
 

Kampf für Ensembleschutz

Bezirksausschuss 22 sieht die dörflichen Ortskerne in Gefahr

Münchner Wochenanzeiger : Schmucke, schön restaurierte Häuser wie hier an der Ecke Mundesgasse und Altostraße sind im Gebiet des Aubinger Ensembleschutzes an vielen Stellen zu finden. Sie prägen das Dorfbild Aubings – und das soll nach Ansicht des Bezirksausschusses auch so bleiben. (Foto: Eva Schraft)
 
Schmucke, schön restaurierte Häuser wie hier an der Ecke Mundesgasse und Altostraße sind im Gebiet des Aubinger Ensembleschutzes an vielen Stellen zu finden. Sie prägen das Dorfbild Aubings – und das soll nach Ansicht des Bezirksausschusses auch so bleiben. (Foto: Eva Schraft)
Münchner Wochenanzeiger : In Langwied gehören zum Beispiel die kleine Kapelle und der direkt daneben liegende Landgasthof zur historischen Substanz. (Foto: Eva Schraft)
 
In Langwied gehören zum Beispiel die kleine Kapelle und der direkt daneben liegende Landgasthof zur historischen Substanz. (Foto: Eva Schraft)

Wegen einer sogenannten „Nachqualifizierung der Denkmalliste“ in puncto Münchner Dorfkernensembles, für die alle Entscheidungen voraussichtlich im Oktober zu erwarten sind, macht sich der Bezirksausschuss (BA) Aubing-Lochhausen-Langwied quer durch alle Parteien Sorgen. Bereits im September 2008 hatte der BA in seiner Stellungnahme gefordert, die vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BayLfD) avisierte Streichung der Dorfkernensembles Aubing, Langwied und Lochhausen aus der Denkmalliste zurückzunehmen.

Zwei Ortstermine

Nach zwei Ortsterminen von BA-Mitgliedern gemeinsam mit dem Regionalausschuss Oberbayern des Landesdenkmalrats und Vertretern der Stadt München, einmal Anfang März betreffs Langwied und Lochhausen und zum anderen Mitte Mai in Aubing, war der Schutz der Dorfkernensembles vor kurzem zudem Tagesordnungspunkt einer BA-Sondersitzung mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Hier setzte sich unter anderen die Historikerin Barbara Kuhn, Bezirksrätin und Mitglied im BA 22, nochmals vehement und äußerst fachkundig für den Erhalt des Ensembleschutzes ein.

Einstimmig wurde anschließend eine weitere, zusammenfassende Stellungnahme beschlossen, die an Ludwig Semmler vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Abteilung Untere Denkmalschutzbehörde, gerichtet ist. Darin wird betont, dass der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied grundsätzlich die Forderungen der Stellungnahme vom September 2008 weiterhin mit allem Nachdruck vertritt. Außerdem wird betont, dass die beiden gemeinsamen Ortstermine positiv gesehen werden, wegen der Gelegenheit, alle Argumente auszutauschen.

Keine Begründung

Zum Ensemble Langwied lautet die Stellungnahme des BA: „Da die vom Landesamt für Denkmalpflege per Fotodokumentation angeführte Bebauung, die das Ensemble negativ beeinflusst, bereits vor der Ensemblegründung 1980 vorhanden war, kann dies keine Begründung sein, die zum Wegfall des Ensembles führen darf. Aus unserer Sicht konnte bei dem Ortstermin durchaus auch festgestellt werden, dass das Dorfkernensemble Langwied immer noch gut erhalten ist. Würde der Ensembleschutz aufgehoben, würde der vorhandene Dorfkern Langwied durch die dann mögliche Bebauung vollends zerstört.

Über das Ensemble Lochhausen führt BA-Vorsitzender Josef Assal in seinem Schreiben folgendes an: „Hier gilt gleichermaßen und mit gleichem Nachdruck, dass in jedem Falle eine Streichung des Ensembles verhindert werden soll. Wir sind sehr damit einverstanden, dass das Ensemble Lochhausen – wie nach Auffassung und Vorschlag der Unteren Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt München – durch die Hinzunahme des straßenseitig der Kirche schräg gegenüberliegende ehemalige Bürgermeisterhaus (Einzelbaudenkmal) und das benachbarte Anwesen Schussenrieder Str. 5 gestärkt wird. Mit einer Kürzung des Ensembles im Ostbereich wären wir hingegen auch einverstanden, wenn dadurch das Ensemble bewahrt werden kann.“

BA widersetzt sich

„Der BA 22 widersetzt sich auch in Aubing einer Streichung des Dorfkernensembles aus der Denkmalliste: Der ehemalige Dorfkern Aubing ist nach wie vor geprägt durch die Kirche St. Quirin, durch das Straßen- und Ortsbild und vorhandenen Höfe, die auch 2010 noch Landwirtschaft inklusive Milchviehwirtschaft betreiben. Um dieses durch giebelständige Bauernhöfe gebildete Gesicht vom Aubinger Ortskern auf Dauer erkennen und ablesen zu können, ist folglich eine Erhaltung als Ensemble absolut notwendig“, lautet schließlich die Stellungnahme zum Dorfkernensemble Aubing: „Eine Streichung führt durch freie Neubebauung zu einem unwiederbringlich nicht mehr wiederherstellbaren Gesichtsverlust für Aubing.“

Auch gegen die „avisierten Streichung des Einzelbaudenkmals in der Ubostraße 10“ wenden sich die BA-Mitglieder. Das Gebäude sei im Wesentlichen unverändert, hier dürfe keine voreilige Entscheidung getroffen werden, es müsse eine „Innenbegehung zur weiteren Beurteilung der historischen Substanz“ abgewartet werden. Zusammenfassend fordert der BA 22 die Landeshauptstadt München, seine Forderungen dahingehend zu unterstützen, „die bereisten Dorfkernensembles in Langwied, Lochhausen und Aubing im 22. Stadtbezirk zu erhalten, eine Streichung des Ensembleschutzes strikt abzulehnen und die Interessen unseres Stadtbezirkes mit Nachdruck gegenüber dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu vertreten.“

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Stadtbezirk 22
Woche: 25 - 2010
Autor: E.S.
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