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21.06.2010 - 16:52 Uhr
 

Ideen für das Kreativzentrum

Delegation des BA 9 findet in Bochum Anschauungsmaterial für das Areal an der Dachauer Straße

Münchner Wochenanzeiger : Die BA-Delegation vor dem Kulturwerk Lothringen.
 (Foto: H.J. Scheerer)
 
Die BA-Delegation vor dem Kulturwerk Lothringen. (Foto: H.J. Scheerer)
Münchner Wochenanzeiger : Die Besucher aus Neuhausen vor der modernen Haltestelle beim Gasometer in Oberhausen. (Foto: H.J. Scheerer)
 
Die Besucher aus Neuhausen vor der modernen Haltestelle beim Gasometer in Oberhausen. (Foto: H.J. Scheerer)

Seit rund zehn Jahren hat der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg darum gekämpft, die Jutier- und die Tonnenhalle an der Dachauer Straße als Kulturstätten zu erhalten. Deshalb war die Erleichterung im BA groß, als die Pläne der Stadt, hier ein Depot für Räum- und Streufahrzeuge für den Winterdienst unterzubringen, aufgegeben wurden. Stattdessen hat Kulturreferent Hans-Georg Küppers nun ein sog. "Kreativzentrum" für den Bereich zwischen Loth- und Schwere-Reiter-Straße vorgeschlagen und der Stadtrat hat einen Planungsauftrag hierfür erteilt. Der BA 9 will sich in diesem Prozess aktiv einbringen, und deshalb sind rund 20 Mitglieder des BA auf eigene Kosten nach Bochum gereist, um das dortige "Kulturwerk Lothringen" in Augenschein zu nehmen und hier Ideen für das Münchner Kreativzentrum zu sammeln.

Vorteil durch Synergieeffekte

Das "Kulturwerk Lothringen" existiert seit 2006 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche "Lothringen". Es handelt sich dabei um ein kulturelles Gründungszentrum, das jungen Unternehmen aus der Kultur- und Medienszene günstige Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Gleichzeitig erhalten diese Unternehmen eine zielgerichtete Beratung und Betreuung, um auf dem Kulturmarkt erfolgreich agieren zu können.

Der große Vorteil des "Kulturwerkes Lothringen" sind die Synergieeffekte, die sich durch die Ansiedelung von rund 40 Jungunternehmen ergeben. Der Gedanken-, Ideen- und Informationsaustausch und die Kooperation bei geplanten Projekten sind erhebliche Pluspunkte, die für ein solches Konzept sprechen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche befinden sich aber nicht nur Unternehmen. Gleichzeitig betreibt dort der Bochumer Kulturrat als soziokulturelles Zentrum das Kulturmagazin Lothringen, einen Veranstaltungsort für Theater- und Musikaufführungen, Kunstausstellungen, Symposien und viele weitere kulturelle Aktivitäten, wie Performanceprojekte und Multimediaaktionen.

Seit 1998 logiert der Kulturrat im ehemaligen Magazingebäude der stillgelegten Zeche. Ein Teil der Miet- und Energiekosten kommt durch Vermietung an derzeit sieben Kulturgruppen und Einzelkünstler herein, die im Magazin Arbeitsräume zur Produktion, zu Probezwecken, Kursen, Workshops, Aufführungen, Austellungen und Lesungen nutzen. Ähnlich wie in Neuhausen gibt es auch in Bochum eine Geschichtswerkstatt. Ein starker Akzent liegt hierbei auf der Sozial- und Industriegeschichte des Bochumer Nordens auch in Hinblick auf den sich vollziehenden Strukturwandel. Daneben finden sich auch Bücher mit literarischen Werken Bochumer AutorInnen zur Förderung dieser Arbeit. Der Bochumer Kulturrat ist im Vorstand ehrenamtlich tätig, für die ständige Präsenz vor Ort wurde eine Vollzeitstelle geschaffen.

Die unmittelbare Nachbarschaft zwischen Jungunternehmen und Kulturschaffenden und der gegenseitige Austausch kann auch ein Vorbild für das geplante Kreativzentrum in München sein. Entlang der Dachauer Straße existiert ein Gelände mit großem Entwicklungspotenzial. Eine Mischung aus Kultureinrichtungen, Unternehmen und Wohnbebauung soll hier ein kreatives Flair schaffen, das es in dieser Form in München noch nicht gibt. Dass Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers sich für dieses Projekt einsetzt, ist nicht verwunderlich. Immerhin war er bis 2006 Dezernent für Kultur, Bildung und Wissenschaft in Bochum und an der Entwicklung des dortigen Kreativzentrums maßgeblich beteiligt.

Der BA 9 will nun die Informationen aus Bochum aufarbeiten und sich dann aktiv in die Planungen für das Kreativzentrum einbringen. Hierzu will das Gremium eigene Vorschläge machen und entsprechende Anträge an die Verwaltung stellen.

Die Delegation des BA 9 war insgesamt vier Tage im gesamten Ruhrgebiet unterwegs. Ausgehend von Essen, die als Kulturhauptstadt Europas das gesamte Ruhrgebiet repräsentiert, besuchten die BA-Mitglieder mehrere kulturelle Leuchttürme der Region. An vorderster Stelle steht dabei die ehemalige Zeche "Zollverein", die 2001 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Das Welterbe "Zollverein" ist heute das bekannteste Industriedenkmal im Ruhrgebiet. Erhalt durch Umnutzung ist das Prinzip, das hier verfogt wird. "Zollverein" ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort der Kreativwirtschaft und offen für neue Ideen und Besucher aus aller Welt. Auf dem Gelände der Zeche befindet sich auch das PACT-Zentrum für Tanzkultur, das die Delegation gleich zu Beginn besichtigt hat. In den ehemaligen Waschräumen der Zeche hat sich ein Zentrum mit großer Bühne, Probenräumen und Büros entwickelt, das die Tanzkultur und den internationelen Austausch auf dem Gebiet des Tanzes fördert.

Weitere Stationen der Reise waren die Jahrhunderthalle in Bochum, eine ehemalige riesige Maschinenhalle, deren Struktur als Fabrikhalle immer noch exisitiert, die gleichzeitig aber ein anerkannter Veranstaltungsort für Theater, Konzerte und weitere kulturelle Aktivitäten ist. Beim Besuch des Gasometer in Oberhausen konnten die BA-Mitglieder zum einen den faszinierenden Rundblick über das Ruhrgebiet in 115 Meter Höhe genießen und zum anderen die hervorragende Ausstellung "Sternstunden - Wunder des Sonnensystems" besuchen. Im Anschluss begab sich die Delegation dann noch aufs Wasser und folgte per Schiff der Kunstaktion "Emscherkunst 2010", die entlang des Rhein-Herne-Kanals verwirklicht wurde. Der Rhein-Herne-Kanal ist eine rund 47 Kilometer lange Wasserstraße und eine wichtige Route für den Schiffsverkehr im Ruhrgebiet und darüber hinaus. Der letzte Tag der BA-Reise gehörte dann dem Folkwang-Museum in Essen. Im gerade eingeweihten Neubau, den der Architekt David Chipperfield entworfen hat, konnten die BA-Mitglieder im Rahmen der Ausstellung "Das schönste Museum der Welt - Museum Folkwang bis 1933" Kunstwerke aus der europäischen und amerikanischen Malerei ebenso besichtigen wie außereuropäische Kunst aus Ägypten, Südamerika und Ozeanien.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Neuhausen/Bochum
Woche: 25 - 2010
Autor: red
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