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15.06.2010 - 11:39 Uhr
 

Hortsituation: "Es brennt in ganz Laim!"

Brigitte Kern vom Schulreferat glaubt nicht an kurzfristige Lösungen

Münchner Wochenanzeiger : Vergeblich auf positive Nachrichten zur Hortlage gehofft: (v.l.) Katja Weitzel, 2. Vize-Vorsitzende des BA 25, Laurentius Pfäffl, Vize-Vorsitzender, Josef Mögele, BA-Vorsteher, Jürgen Emig von der BA-Geschäftsstelle. Rechts als Botin des Schulreferates: Brigitte Kern. (Foto: tg)
 
Vergeblich auf positive Nachrichten zur Hortlage gehofft: (v.l.) Katja Weitzel, 2. Vize-Vorsitzende des BA 25, Laurentius Pfäffl, Vize-Vorsitzender, Josef Mögele, BA-Vorsteher, Jürgen Emig von der BA-Geschäftsstelle. Rechts als Botin des Schulreferates: Brigitte Kern. (Foto: tg)
Münchner Wochenanzeiger : Das Sammeln und Tauschen der Karten mit Spieler-Fotos von Fußball-Nationalteams ist der Hit in der proppenvollen Mittagsbetreuung an der „Droste-Hülshoff-Grundschule“. Für den Herbst warten über 20 Kinder auf einen Platz. (Foto: tg)
 
Das Sammeln und Tauschen der Karten mit Spieler-Fotos von Fußball-Nationalteams ist der Hit in der proppenvollen Mittagsbetreuung an der „Droste-Hülshoff-Grundschule“. Für den Herbst warten über 20 Kinder auf einen Platz. (Foto: tg)

Hortplätze in Laim sind rarer als rar. Das beschäftigt den Bezirksausschuss Laim (BA 25) seit Jahren. An den Tatsachen hat das nichts geändert. Jedenfalls nichts, was Eltern, Kindern und Lokalpolitikern Freude machen könnte. Das Platzangebot der Stadt stagniert seit Jahren. Es entspricht dem stetig wachsenden Bedarf absolut nicht. Nur der Zorn der Eltern und die Säuernis unter den Bezirkspolitikern sind gewachsen. Ziel des Unmutes von Eltern, die wegen der Hortmisere um ihre Arbeitsplätze fürchten, und von Stadtteil-Abgeordneten, die sich „verschaukelt” fühlen, ist das Schulreferat. Das ist für derlei Angelegenheiten zuständig und sollte dem BA bei dessen jüngster Sitzung Rede und Antwort darüber stehen, wie es die untragbare Lage für Eltern und Kinder zum Guten wenden wolle. Die Aufgabe, das zu erklären, hatte Brigitte Kern von der Fachabteilung Kindertagesstätten des Referates übernommen. Ihre Chefin, Eleonore Hartl-Grötsch, sei kurzfristig wegen eines anderen Termins verhindert, so begründete Kern ihren Auftritt.

Der BA-Vorsitzende Josef Mögele (SPD) stellte sich schützend vor die Mitarbeiterin des Schulreferates: „Es tut mir leid, dass Sie heute Blitzableiter spielen müssen.“ Kern zeigte Verständnis dafür, dass die BA-Mitglieder aufgebracht seien. Im Referat werde der große Bedarf an Betreuungsplätzen gesehen. Allerdings gelte das nicht nur für Laim. „Es gibt mehrere Brennpunkte.“ Brigitte Kern sieht keine Chance, die Hortsituation in absehbarer Zeit zu verbessern: „Wir können keine Lösungen aus dem Hut zaubern, auch weil wir das Personal nicht mehr bekommen.“ Sie räumte Versäumnisse ein, als der Vorsitzende der CSU-Fraktions, Peter Stöckle, fragte, ob denn die Zahl schulpflichtiger Kinder in Laim zunehme. Kern: „Als es Zeit gewesen wäre, zu handeln, ist man davon ausgegangen, dass die Zahlen rückläufig sind, sowohl bei den Kindern als auch bei den Einwohnerzahlen.” Jetzt wisse das Referat, dass München in den kommenden Jahren bei den Einwohnerzahlen weiter zulegen werde. Deshalb werde im Rahmen des Ausbauprogramms für Kindertagesstätten bis 2013 viel gebaut werden. Aber: „Wir brauchen auch Personal. Eine Werbekampagne für Erzieherinnen und Erzieher habe die Erkenntnis erbracht, dass immer weniger junge Leute den Beruf attraktiv finden. Kern: „Da stoßen wir an unsere Grenzen. Es wird keine Lösungen geben. Nicht in diesem und im nächsten Jahr und auch nicht bis 2013.“ Fast sähe es so aus, als ob manche Häuser bald leer stehen müssten.

 

„Wir wollen Ergebnisse sehen“

 

Lisbeth Haas (Grüne), Kinderbeauftragte des BA, machte deutlich: „Es brennt in ganz Laim. Überall, auch in anderen Horten, etwa in der Pfarrei St. Ulrich und an der Schule in der Fürstenrieder Straße fehle es an Plätzen. Die Mittagsbetreuungen, die sämtlich von Eltern organisiert würden, seien keine Alternative. „Wohin mit den Kindern in den Ferien oder am späteren Nachmittag, wenn die Mittagsbetreuung endet?“ fragte Haas. Dass die Nachmittagsbetreuung fast nur auf dem Rücken der Eltern laste, beanstandete auch Alexandra Gaßmann (CSU). „Städtische Plätze gibt es weit weniger als solche, die von Eltern gestemmt werden.“ Es könne niemanden zufriedenstellen, dass die Versorgung mit Hortplätzen in Laim von 35 auf 31 Prozent gesunken sei. Und es dürfe nicht sein, dass Eltern ihren Job aufgeben müssen, weil es keine Kinderbetreuung gebe. Gaßmann: „Wir brauchen Lösungen für die Eltern, die immer noch Absagen erhalten.“ In dieses Klagelied stimmte Andreas Schebesta aus dem Publikum ein. Der gründete gemeinsam mit Gaßmann eine Hortinitiative. Schebesta: „So kann es mit der Hortsituation in Laim nicht weitergehen. Wir stellen Forderungen und wollen endlich Ergebnisse sehen.“ Seit 18 Jahren werde Laim beim Schaffen von Hortplätzen außen vor gelassen: „In Laim kommt null an. Warum?”

 

„Das dauert“

 

Auch im Rahmen eines Hort-Sonderprogrammes gebe es für die Grundschule an der Droste-Hülshoff-Straße keine Lösung, bedauerte Kern. Einzig die Mittagsbetreuung auszubauen, sei eine Möglichkeit: „Und das obwohl wir wissen, dass die Eltern damit nicht zufrieden sein können, weil diese Obhut meist um 15 Uhr endet.” Ähnliches gelte für die Grundschule an der Camerloher Straße. Dort würden zwar bis 2011 ein Kindergarten und ein Hort neu gebaut, aber: „Eine kurzfristige Lösung haben wir auch dort nicht.“ Container müssten genehmigt werden und bestimmten Ansprüchen genügen: „Das dauert ein bis zwei Jahre!“

Stefanie Junggunst (SPD) –Vorsitzende des Ausschusses Schule, Soziales, Sport – wies auf die Raumnot an der „Schrobenhausener Schule“ hin und sagte, sie fürchte um die Gesundheit der Kinder – „die Geruchsentwicklung in der undichten Turnhalle lässt auf Schimmel schließen“. Es müsse eine kurzfristige Lösung her. Kern passte: „Damit habe ich wenig zu tun. Ich werde aber dafür sorgen, dass Sie Unterstützung und Antwort bekommen.” Sie versprach überdies, eine Liste mit Fragen, die sie nicht beantworten konnte, an die Verwaltung weiterzugeben. „Ich fühle mich nicht als Blitzableiter“, versicherte sie zum Schluss. Und: „Ich will mit Ihnen weiter in Kontakt bleiben. Hoffentlich werden wir solche Probleme künftig mit einer vorausschauenden Planung besser lösen können.“

 

 

 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Laim
Woche: 24 - 2010
Autor: TG
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