Münchner Wochenanzeiger - 

Kunst, Kultur und Veranstaltungen in München

 
rss icon  
Sunday, 1. August 2010 · 01:03 Uhr  · 
Klar (Nacht) 16°

Sonntag

Klar (Nacht)  T: 13° / H: 24°

Montag

Sonnig  T: 17° / H: 29°
 
 
 
 
09.03.2009 - 11:00 Uhr
 

Destillationen

Pinuccio Sciola und Andreas Legath verwandeln Sardinien in Kunst

Münchner Wochenanzeiger : Pinuccio Sciola gestaltet Klangsteine, aus deren Tiefe Töne hervorgeholt werden können.
 
Pinuccio Sciola gestaltet Klangsteine, aus deren Tiefe Töne hervorgeholt werden können.

„Sardinien ist der Stein und dieser Stein ist die Mutter.“ Sein gesamtes künstlerisches Leben richtet der sardische Steinbildhauer Pinuccio Sciola nach diesem Grundsatz aus. Der in San Sperate bei Cagliari geborene und dort lebende Künstler, neben Arnaldo Pomodoro der bedeutendste italienische Bildhauer, hat Dutzende von Skulpturenparks in Sardinien und anderen Orten angelegt, wie in der Nähe von Wien und bei Cottbus. In vielen Ausstellungen zeigte der 65-Jährige, dass Steine lebendige Materie sind und mit ihren Betrachtern kommunizieren, wenn es den sie bearbeitenden Künstlern gelingt, ihnen ihre Seele zu entlocken – durch Eingriffe, die so wenig wie möglich ihre Gesamtgestalt (meist sind es Basalt-Stelen) verletzen. In München wurde 1986 im Westpark eine große Ausstellung mit den Skulpturen von Sciola gezeigt, wobei eine der Stelen als Geschenk an die Stadt München dort blieb.

In den letzten Jahren wurde Sciola mit seinen Klangsteinen und den sie begleitenden Performances international bekannt. Er hat in die Steine lamellierte Einschnitte so angeordnet, dass wie bei einer Geige oder Harfe die aus der Tiefe der Steine kommenden Töne hervorgeholt werden und regelrechte Konzerte aufgeführt werden können. Gegenwärtig bereitet Sciola eine ganz Europa umfassende Aktion vor, unter dem Titel „Saatkörner für ein neues Europa“, bei der in allen Hauptstädten der EU hunderte samenförmige Steine ausgestreut werden sollen.

Bildsprache

Der in Kolbermoor geborene und in Bad Aibling wohnende Andreas Legath wurde über seine Heimat hinaus bekannt als Theater- und Opernregisseur, Bühnenbildner, Leiter kleiner Festivals sowie Zeichner und Maler von meist österreichischen und italienischen Landschaften. In zahlreichen Ausstellungen hat Legath eine höchst individuelle, an keiner herkömmlichen Kunstströmung orientierte Bildsprache präsentiert. Legaths außergewöhnlicher darstellerischer Zugriff auf die Landschaft ist Sciolas Destillation von Tönen aus Steinskulpturen vergleichbar: Als würde er Strukturen und Erde aus der Natur komprimiert auf die Leinwand verteilen, sind seine Bilder gleichzeitig als hoch abstrakte Landschaftszeichen und als reliefartig figurierende Konstrukte angelegt. Seit 2001 beschäftigte er sich auch mit den sardischen Landschaften und lernte bei seinen Aufenthalten Sciola kennen, wobei das Projekt einer gemeinsamen Ausstellung entstand.

„Destillationen“ heißt diese erste gemeinsame Ausstellung von Pinuccio Sciola und Andreas Legath: in der Pasinger Fabrik (August-Exter-Str. 1) vom 18. März bis zum 19. April im Lichthof (geöffnet täglich von 10 bis 1 Uhr) und in der Bar (ab 17 Uhr). Die Vernissage ist am Freitag, 18. März, ab 19 Uhr (Einführung: Elmar Zorn; musikalisches Rahmenprogramm: Konzert-Performance von Pinuccio Sciola mit den Klangsteinen des Künstlers). Die Ausstellung wird dann in erweiterter Form vom Kunstverein Wasserburg übernommen und dort in der Galerie im Ganserhaus ab dem 25. April zu sehen sein. 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Pasing
Woche: 11 - 2009
Autor: HK
Artikelkommentare
Es wurde noch kein Kommentar hinterlegt.
Kommentar schreiben