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06.09.2010 - 10:06 Uhr
 

„La Sentenza“

Eine Ausstellung von Paola Romoli Venturi mit Werken und Installationen zu Roberto Saviano und seinen Kampf gegen die Mafia

Münchner Wochenanzeiger : Portrait von Roberto Saviano. (Foto: pi)
 
Portrait von Roberto Saviano. (Foto: pi)

Der Schriftsteller Roberto Saviano zielt mit der Feder auf die Verbrechen der Mafia in Italien. Für seinen unerbittlichen Mut gegen das organisierte Verbrechen ist er am 16. November 2009 in München vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet worden. Im März 2006 erschien Savianos Buch „Gomorrha“ zunächst in einer kleinen Auflage. Die für Saviano zwischenzeitlich verhängnisvolle Popularität sollte sich im Herbst 2006 einstellen, nachdem der Schriftsteller in Casal di Principe (bei Neapel) aufgetreten war und lautstark die Mitbürger aufgerufen hatte, sich gegen die Camorra (die mafiaähnliche Organisation der Region Campanien) aufzulehnen. Auf Grund der ersten Morddrohungen beschloss der damalige Innenminister Italiens, Saviano unter die Eskorte der Carabinieri zu stellen. Seither lebt Saviano an wechselnden Orten und hat de facto kein Privatleben mehr. Seine Popularität ist gleichfalls seine Versicherung, weil sie ihn davor bewahrt, in Vergessenheit zu geraten. Und so lange er ein Fall für die Medien ist, so lange ist es für die Camorra ein Risiko, ihn zu beseitigen.

Mit der Ausstellung „La Sentenza“ (Das Urteil) widmet sich die Pasinger Fabrik erneut einem aktuellen Thema von Brisanz. Für die künstlerische Umsetzung zeichnet die römischen Künstlerin Paola Romoli Venturi verantwortlich, als sie im Juni 2008 Medienbilder von der Urteilsverkündigung gegen den Clan der Casalesi, einer der bekanntesten Camorra.-Clans, sah. Dieser Prozess, der unter dem Namen „Spartacus“ bekannt geworden ist, wird heute als entscheidender Meilenstein im Kampf des italienischen Staates gegen die Camorra angesehen. Bei der damaligen Urteilsverkündigung war Roberto Saviano anwesend, samt seiner Eskorte. Die Bilder, welche von der Urteilsverkündigung in den Medien veröffentlicht worden, zeigten einen völlig in sich konzentrierten Saviano. Er nahm jedes Wort des Urteils, jedes Strafmass, jede Straftat, jeden Namen, jeden Gesetzesparagraf in sich auf. Kein Detail sollte ihm entgehen. Die Medienbilder zeigen aber auch Savianos Eskorte. Die Spannung war den Carabinieri in ihren Gesichtern abzulesen. Die Konzentration erreichte einen Höhepunkt. Die Carabinieri schützen mit ihren Körpern Saviano, der wie von selbst ins Zentrum des Geschehens der Urteilsverkündigung geraten war.

In ihren Installationen, Bildwerken und Videos reinszeniert Paola Romoli Venturi die Urteilsverkündigung. Der Ausstellungsbesucher wird anhand der ausgestellten Werke auf eine ideelle Reise mitgenommen, auf der er den Prozess gegen die Casalesi nachempfinden kann; dabei wird nicht die juristische Rekonstruktion des Falls im Vordergrund stehen, sondern die Gefühle, die bei Roberto Saviano die Urteilsverkündigung ausgelöst haben muss. So wird im Zentrum der Ausstellung ein großer leerer Galerieraum stehen, der dem Gerichtssaal der Urteilsverkündigung nachempfunden ist. An diesem künstlerisch nachempfundenen Gerichtsort werden die Ausstellungsbesucher, welche die Rolle der Prozessbeobachter einnehmen, gebeten auf einer schlichten Holzbank Platz zu nehmen. Hier werden sie sodann den Porträts von Saviano ausgeliefert. Und an diesem Ort wird vor den Augen des Schriftstellers und seiner Eskorte von einer männlichen Offstimme das Urteil laut und deutlich verkündet: ein weiterer Siegeszug gegen die Mafia und das organisierte Verbrechen in Italien.

Die Ausstellung ist vom 16. September bis 24. Oktober in der Pasinger Fabrik (August-Exter-Str. 1) zu sehen. Öffnungszeiten: Di-So 16-20 Uhr. Die Vernissage findet am Mittwoch, 15. September, um 19 Uhr statt. Die Schirmherrschaft hat das Schirmherrschaft: Istituto Italiano di Cultura München übernommen. Weitere Informationen unter Tel. 82929013 sowie im Internet: www.pasinger-fabrik.com.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Pasing
Woche: 36 - 2010
Autor: red

Pasinger Fabrik

August-Exter-Str.
81245 München-Aubing/Pipping

Kartenansicht

Pasinger Fabrik

 

 
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