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15.06.2010 - 12:59 Uhr
 

Frühwerk und Hauptwerk

Sechstes Konzert der Bach-Reihe in Herz Jesu

Münchner Wochenanzeiger : Rubens "Höllensturz": Gerade bei den Arnstädter Gemeindechorälen ist "Verwirrung" ein entscheidendes Gestaltungsmotiv Bachs. 
 (Foto: pi)
 
Rubens "Höllensturz": Gerade bei den Arnstädter Gemeindechorälen ist "Verwirrung" ein entscheidendes Gestaltungsmotiv Bachs. (Foto: pi)

Am kommenden Sonntag, 20. Juni, findet im Rahmen der Reihe "Johann Sebastian Bach – das Orgelwerk in 12 Konzerten" das sechste Konzert in der Herz-Jesu-Kirche statt. An der Woehl-Orgel spielt Karl Maureen, der mit einer frühen Phase Bachs beginnt.

Auch Johann Sebastian Bach hatte eine jugendliche Sturm- und Drangperiode. Man versteht durchaus die Abmahnungen der Kirchenleitung, wenn man seine Arnstädter Gemeindechoräle hört, die eher zur Verwirrung als zur Unterstützung des Gesanges beigetragen haben.

Sein harmonisches Labyrinth ist ein frühes Experiment, bei dem der gleiche Ton auf der Klaviatur verschiedene harmonische Funktionen haben kann. In diesen enharmonischen Verwechslungen hört man seine Forderung nach einer wohltemperierten Stimmung. Bei einer Mitteltönigkeit, wie sie damals noch gebräuchlich war, wäre dieses Stück nicht ausführbar gewesen.

Das Pedalexercitium war für seine Schüler aber auch für ihn selbst gedacht, um die Pedalspieltechnik zu vervollkommnen.

Die sechs Schübler-Choräle sind um 1748 entstanden. Es handelt sich nahezu durchweg um Transkriptionen einzelner Sätze aus Kantaten der Leipziger Zeit. Gestochen wurden sie von dem Verleger Johann Georg Schübler in Zella, dem heutigen Zella-Mehlis unterhalb des heutigen Skizentrums Oberhof. In Zella ist heute noch die wunderschöne Orgel aus dem 18. Jh. erhalten. Der erste Choral aus dieser Reihe „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ hat es auf alle Fälle in die Hitparade der E-Musik geschafft. Dabei kommt dieser Choral in fast unglaublicher Schlichtheit daher. Für den letzten Choral „Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter“ verwendet Bach die Melodie über „Lobe den Herren“.

Die einzeln überlieferte Fuge in g-Moll verweist mit ihrer durchweg kantablen Stimmführung und einer klaren formalen wie satztechnischen Disposition auf die im mitteldeutschen Traditionsraum liegenden stilistischen Wurzeln Bachs.

Schon allein wegen ihres erheblichen spieltechnischen Anspruchs haben die Triosonaten vor allem unter Kennern Verbreitung gefunden. Bachs Biograph Johann Nikolaus Forkel konnte von deren „Schönheit nicht genug sagen. Sie sind in dem reifsten Alter des Verfassers gemacht und können als das Hauptwerk desselben in dieser Art angesehen werden“.

Die Toccata in C-Dur darf in vielerlei Hinsicht als ganz außerordentlich bezeichnet werden. Bach hat sie wohl gerne zur Prüfung neuer Orgeln gespielt, um die Leichtgängigkeit der Traktur und die Standfestigkeit der Windzufuhr zu testen. Im langsamen Satz konnte er gehört haben, ob die Stimmung auch wohltemperiert war. Besonders der abschließende Grave-Teil erinnert an die Dissonanzen und Vorhalte, wie sie bei den leisen italienischen durezze e ligature-Kompositionen zur Wandlung üblich waren. Die abschließende Fuge ist auf alle Fälle eine Herausforderung für Spieler, Orgel und die akustische Durchhörbarkeit des Raumes.

Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Neuhausen
Woche: 24 - 2010
Autor: red
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