| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 31 - 2010 |
| Autor: | BB |
Wenn man in Schöngrabern in Niederösterreich wohnt, so liegt das Glockenbachviertel in München eigentlich nicht gleich um die Ecke. Für die Familie Berger war diese Tatsache kein Hindernisgrund. Nachdem sie eine Fernsehsendung über Rainer Maria Schießler, den Pfarrer von St. Maximilian, gesehen hatte und anschließend im Internet auf den im SamstagsBlatt Mitte Juni erschienenen Artikel "Der Menschenfischer von St. Max" gestoßen war, hatte es sich die Lebens- und Familienberaterin Susanne Berger in den Kopf gesetzt, Pfarrer Schießler kennen zu lernen und eine von ihm gehaltene Messe in München zu besuchen. Sie schrieb ein Mail an die SamstagsBlatt-Redaktion und wir vermittelten den Kontakt zu dem Geistlichen aus dem Glockenbachviertel, der die Familie einlud, im Juli nach München zu kommen, bei der Fahrzeugsegnung, die einmal im Jahr in St. Max stattfindet, dabei zu sein und kostenlos im Pfarrhaus zu übernachten.
Susanne Berger zögerte nicht lange. Sie, ihr Mann Franz und die drei Kinder Lisa, Felix und Mathea setzten sich am vorletzten Julisamstag in ihr Auto und fuhren die rund 500 Kilometer nach München, um am Festgottesdienst und dem anschließenden Pfarrfest teilzunehmen. Die siebenjährige Lisa hatte im Frühjahr Erstkommunion gefeiert, und Susanne Berger hatte als Tischmutter einige der Kinder auf dieses Sakrament vorbereitet. Leider hatte es dabei Unstimmigkeiten mit dem dortigen Pfarrer gegeben, der mit Kindern nicht viel am Hut hatte. Das Problem konnte zwar gelöst werden, doch Susanne Berger brannte darauf zu erfahren, wie kirchliche Gemeinschaft aussehen kann, wenn da ein Mann an der Spitze steht, der Menschen begeistern kann.
Im Gepäck hatte die Familie einen großen Geschenkkorb mit Messwein und allerlei anderen Köstlichkeiten aus dem österreichischen Weinviertel sowie ein Buch über Schöngrabern. Der kleine Ort besitzt mit seiner um 1230 erbauten Pfarrkirche, der "Teufelskirche", eines der wichtigsten österreichischen Kunstwerke der Romanik. Die Apsis enthält reichhaltigen Figurenschmuck und Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament – die Steinerne Bibel.
Am Sonntagmorgen erlebten die staunenden Bergers dann eine Messe der etwas anderen Art, ein Gottesdienst an dem neben mehreren katholischen Geistlichen auch ein pensionierter evangelischer Pfarrer teilnahm, eine christliche Gemeinschaft, die auch mal lachte und spontan applaudierte. Rainer Maria Schießler hatte ein selbstgebautes Karussell vor dem Mittelgang aufgestellt und zitierte zu Beginn der Predigt das gleichnamige Gedicht seines Vornamensvetters Rilke. Das Bild des sich drehenden Karussels diente ihm anschließend als Metapher für das Leben: Es ist nett, sich darauf einige Zeit zu drehen, doch um sich weiter zu entwickeln, sollte man dann auch wieder absteigen und vorwärts gehen.
Am Ende der Messe wurde es voll vor dem Altar. Rund 50 Kinder fuhren mit ihren Fahrrädern, Rollern, Dreirädern und Bobby Cars durch den breiten Mittelgang und sammelten sich um Pfarrer Schießler, der die Kinder und ihre Fahrzeuge segnete. Natürlich hielt es da auch Lisa, Felix und Mathea nicht mehr auf ihren Plätzen. Sie mischten sich unter die anderen Kids und bedauerten es, dass sie ihre Fahrräder nicht dabei hatten.
Mit etwa zehn Kindern habe er die Segnung vor drei Jahren begonnen, erzählte Schießler später. Dass es jetzt schon fünfmal so viele seien, zeige, dass der Bedarf da sei. Schließlich seien die Kinder die schwächsten Verkehrsteilnehmer und gerade ihrer müsse man sich besonders annehmen.
Nach dem Gottesdienst ging es dann draußen munter weiter: Radfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer nahmen ihren Weg vorbei an dem eigens aufgebauten Podest, wo sie mit Weihwasser bespritzt wurden – darunter auch einige Cabriofahrer, die mutig offen fuhren, und Fahrzeuge der Malteser, des BRK und der Polizei.
Kaum Platz zu finden war beim anschließenden Pfarrfest, dessen Erlös für das Aids-Waisenhospiz von Lotti Latrous an der Elfenbeinküste bestimmt war. Auch ein Trikot von Philipp Lahm, den Schießler kurz zuvor getraut hatte, kam dafür zur Versteigerung. Susanne und Franz Berger lernten während der fröhlichen Feier sogar eine Landsmännin aus Wien kennen, die sich in der Pfarrgemeinde St. Maximilian engagiert. Lisa, Felix und Mathea vergnügten sich derweil auf der Hüpfburg, beim Kinderschminken und an diversen Spielstationen, die vor dem Pfarrheim aufgebaut waren. Als die Familie Berger am späten Nachmittag wieder in ihr Auto stieg und die Heimfahrt antrat, war sie voll von Eindrücken. "Die Segnung der Kinder und ihrer Fahrräder ist eine gute Idee. Das möchte ich bei uns auch anregen", meinte Susanne Berger.
Und zwei Tage später schrieb sie an unsere Redaktion: "Große Freude: Herr Pfarrer Schießler hat gemailt, dass es fixiert ist, dass sie uns in Schöngrabern besuchen kommen, um Zeit und Raum für näheren Kontakt und Austausch zu haben."
| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 31 - 2010 |
| Autor: | BB |
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