| Ausgabe: | Werbe-Spiegel |
| Woche: | 35 - 2010 |
| Autor: | BB |
Rainer Maria Schießler ist Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Maximilian im Glockenbachviertel. In Laim aufgewachsen bedeutet der Münchner Westen immer noch Heimat für ihn. Der Werbe-Spiegel hat ihn gebeten, die Bedeutung des Fastens im Christentum zu erläutern.
"Das christliche Fasten will dem Gläubigen jeweils neu die Erkenntnis vermitteln, dass die wahre Macht des menschlichen Lebens eben nur ganz "unten" zu finden ist und nicht ganz "oben". Das Leben geht auf den Tod zu. Der Mensch soll davon nicht überrascht werden, kann sich auf dieses Ende seines Lebens vorbereiten, indem er das Sterben einübt, im Fasten!
Ihren liturgischen Ausdruck erfährt das Fasten in der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Schon die zeitliche Begrenzung auf 40 Tage macht aber deutlich, wie schwer es dem Menschen grundsätzlich fällt, sich durchgängig auf diesen "Abstieg" einzulassen. Viele reduzieren diese Zeit auf gerade mal auf zwei Tage, Aschermittwoch und Karfreitag, und auch diese werde oftmals kaum noch wahrgenommen.
Es hat Auswirkungen auf unsere Seele, wenn sich alles ums Konsumieren dreht. Konsum möchte immer nur mehr, möchte konsequent das Ego bestärken, beschützen und aufpäppeln. Das Fasten kehrt diesen Prozess nun um, denn nur so kann der Mensch lernen, dass es nicht der Sinn seines Lebens sein kann, ständig sein „Selbst“ zu versorgen.
Darum kennen auch alle Religionen eine irgendwie geartete Fastenzeit, sowie das Almosengeben und das Gebet. Auch das christliche Fasten ruht auf diesen drei Säulen und immer liegt das Zentrum nun nicht mehr bei mir selbst, sondern außerhalb von mir:
Im Gebet ist Gott der Mittelpunkt - nicht ich,
im Almosengeben der arme Nächste - nicht ich,
und beim Fasten alles das, was nicht der eigene Körper ist.
Der Mittelpunkt der Welt und des Lebens wird verschoben, der Mensch erfährt sich nicht mehr selbst in der Mitte, eine Konzentration nach außen findet statt und eine Bewegung zu Gott hin kann entstehen.
Auch das nicht-religiöse Fasten (Heilfasten aus gesundheitlichen Gründen usw.) strebt diese Bewegung an, freilich ohne Gott als letztes Sinngrund anzugeben."
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel |
| Woche: | 35 - 2010 |
| Autor: | BB |
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