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18.07.2011 - 09:00 Uhr
 

"Kunstfälscher" an der Werdenfelsschule festgenommen

Wer entscheidet, was Kunst ist? Projektwoche endete mit Sommerfest

Münchner Wochenanzeiger : In Handschellen führte die Sendlinger Polizei den Direktor der Kunstfälscher-Werkstatt ab. Nach dem lautstarken Protest der Schüler ließen ihn die Beamten aber rechtzeitig zum Sommerfest wieder laufen. (Foto: job)
 
In Handschellen führte die Sendlinger Polizei den Direktor der Kunstfälscher-Werkstatt ab. Nach dem lautstarken Protest der Schüler ließen ihn die Beamten aber rechtzeitig zum Sommerfest wieder laufen. (Foto: job)

Trotz des lautstarken Protests seiner Schüler hatte er keine Chance, zu entkommen: Am Freitag nahm die Sendlinger Polizei in der Werdenfelsschule den Direktor der Kindermalakademie, Matthias Spigiel, fest. Kurz vor Zwölf, inmitten der letzten Vorbereitungen für das große Schulsommerfest, klickten die Handschellen. Eine Woche lang hatte die "Kunstfälscher-Werkstatt Süd" in der Schule Unterschlupf gefunden. In der als Kindermalakademie getarnten Einrichtung entstanden hervorragende Kunstwerke, auf die schließlich die Experten des Bundeskriminalamtes aufmerksam wurden. Auf der Spur gefälschter Meisterwerke enttarnten die Fahnder die Kunstfälscher-Werkstatt in der Werdenfelsstraße, überführten den Direktor und brachten die Kunstwerke ans Licht der Öffentlichkeit. Schulrektor Matthias Spigiel wurde glücklicherweise rasch wieder auf freien Fuß gesetzt, so dass er den Eltern und Gästen der Schule beim großen Sommerfest am Nachmittag nicht nur von der gerade abgeschlossenen Kunstprojektwoche erzählen konnte, sondern ihnen auch die von den Schülern geschaffenen Kunstwerke in einer großen Ausstellung im Schulhof und in der Turnhalle präsentierte. Viele Eltern staunten über die ebenso vielfältigen wie gelungenen Arbeiten der Kinder.

In der Grundschule wurden eine ganze Woche lang verschiedene Räume in Ateliers und Werkstätten verwandelt, in denen Schüler nach eigenen Ideen und Entwürfen arbeiten. Grußkarten, Hundertwasser-Häuser und Bücher wurden gestaltet, T-Shirts, Himmelsbilder und Fahnen entworfen, Glasbilder, Fadengrafiken und Selbstportraits entstanden. Die Kinder versuchten sich im Dot-Painting, der Kunst der Australier, in Seidenmalerei und in Bildhauerei, sie beschäftigten sich mit Origami, Filz, Töpferei, Druck, Mosaikgestaltung und vielem mehr. In der Turnhalle befanden sich weitere Ateliers, abgeschottet vom allgemeinen Schulbetrieb: die Fälscher-Werkstätten. Künstlerisch besonders begabte Schüler erhielten eine spezielle Erlaubnis, dort zu arbeiten. Während die jüngeren Kinder in den Ateliers  unterschiedliche Techniken kennenlernen und ausprobieren konnten und dabei an eigenen Ideen und Entwürfen arbeiteten, schufen die größeren Schüler in der Fälscher-Werkstatt Reproduktionen berühmter Kunstwerke: Sie versuchten, sie möglichst originalgetreu zu kopieren. Auf diese Weise beschäftigten sich die Kinder natürlich auch mit dem kunstgeschichtlichen Hintergrund verschiedener Epochen und Stile, setzten sich mit den Biographien bekannter Künstler auseinander und machten sich ihre eigenen Gedanken über Kunst: Was ist Kunst? Wer macht Kunst? Wo begegne ich Kunst? Wer entscheidet, was Kunst ist? Auf solche Fragen Antworten zu suchen, machte im Rahmen des "Fälscher-Spiels" besonders viel Spaß; zugleich verlangte das Spiel von den Schülern Selbstorganisation, Eigentätigkeit und Teamarbeit.

Die Werdenfelsschule konnte bei dem Projekt auf die Unterstützung des Vereins Kultur & Spielraum und des Stadtjugendamtes in Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste zählen. Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark (BA 7) und die Eltern der Schulkinder trugen zur Finanzierung bei. Auch das Preisgeld, das  die Schule für ihr 2008 durchgeführtes Projekt “Willkommen auf Burg Werdenfels - Handwerkskunst, Spiele und Gesänge des Mittelalters" mit dem Sparda-Stärken-Preis erhalten hatte, floss in das aktuelle Kunstprojekt.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Waldfriedhofviertel
Woche: 29 - 2011
Autor: job

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