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22.06.2010 - 12:33 Uhr
 

"Sicherheit der Kinder hat Priorität"

Leitung der "Schrobenhausener Schulen" schließt Turnhalle wegen neuer Risse

Münchner Wochenanzeiger : Rupert Knödl und Johanna Marek sind besorgt über den Zustand der Decke „ihrer” Turnhalle. Für sie ist die Sicherheit der Kinder in der Halle gefährdet. (Foto: tg)
 
Rupert Knödl und Johanna Marek sind besorgt über den Zustand der Decke „ihrer” Turnhalle. Für sie ist die Sicherheit der Kinder in der Halle gefährdet. (Foto: tg)
Münchner Wochenanzeiger : Wegen mehrerer Risse in der Turnhalle der Schule an der Schrobenhausener Straße regnet es durch. Es bilden sich Pfützen und es verbreitet sich Modergeruch. (Foto: tg)
 
Wegen mehrerer Risse in der Turnhalle der Schule an der Schrobenhausener Straße regnet es durch. Es bilden sich Pfützen und es verbreitet sich Modergeruch. (Foto: tg)
Münchner Wochenanzeiger : Am Eingang zur Turnhalle entdeckte Johanna Marek einen langen Riss. Der war bislang noch nicht erfasst worden. Rektor Knödl: „Das bedeutet, da tut sich was.“ (Foto: tg)
 
Am Eingang zur Turnhalle entdeckte Johanna Marek einen langen Riss. Der war bislang noch nicht erfasst worden. Rektor Knödl: „Das bedeutet, da tut sich was.“ (Foto: tg)

Alarm! Johanna Marek, die Rektorin der Grundschule und Rupert Knödl, Rektor der Hauptschule an der Schrobenhausener Straße sind tief beunruhigt. An der Decke der Turnhalle des gemeinsam genutzten Schulgebäudes zeigen sich weit mehr Risse als vor geraumer Zeit festgestellt. Das ist kürzlich bei einer Begehung entdeckt worden. Die beiden Schulleiter handelten sofort. Sie sperrten Mitte voriger Woche die Halle für den Sportunterricht und schulische Veranstaltungen. Marek und Knödl teilten den Eltern schriftlich mit, sie könnten wegen des Zustandes der Halle den Sportunterricht dort nicht mehr verantworten. Was bedeute, es müsse damit gerechnet werden, dass der Unterricht in diesem Fach eingeschränkt werde.

Gleichzeitig informierten sie das Schulreferat über ihren Schritt. Das Baureferat baten sie, die Bausubstanz der Halle zu prüfen. „Die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder hat oberste Priorität“, erklären Marek und Knödl ihr Vorgehen. Sie hatten sich erst vor Kurzem mit einem Hilferuf an den Bezirksausschuss Laim (BA 25) gewendet. Dabei ging es um die Raumnot an beiden Schulen sowie um die marode Turnhalle. Beides bereite ihnen große Sorge, trugen sie vor. Daraufhin machten sich die Mitglieder des Unterausschusses Soziales, Schule und Sport bei einem Ortstermin in der Schule selbst ein Bild von den Missständen. Der Werbespiegel berichtete darüber.

„Mit Rückgrat entschieden“

„Wir sind glücklich, dass die Rektoren diese Entscheidung getroffen haben.“ Angelika Mayer, Vorsitzende des Elternbeirates der Grundschule, erklärte, die Elternschaft stehe hinter den Schulleitern. Die Elternbeiratsvorsitzende findet „es Klasse, dass die Rektoren das mit Rückgrat entschieden haben. Wir Eltern begrüßen es sehr, dass die Sicherheit der Kinder bei ihnen Vorrang hat.“ Toll findet sie es auch, dass der BA „uns zur Seite steht und unterstützt“. Ganz und gar nicht ernst genommen fühlt sich Angelika Mayer hingegen vom Schulreferat. Bereits am 21. April habe sie in einem Brief ans Referat die Bedenken der Eltern zur Sicherheit der Turnhalle vorgetragen und am 3. Juni noch einmal nachgehakt, so Mayer. „Ich habe bis heute keine Antwort erhalten.“ Das mache die Eltern zornig. Mayer: „Wenn ich mich als Vertreterin der Elternschaft an eine Behörde wende, erwarte ich eine Antwort. Dieses Verhalten ist nicht zu akzeptieren.“

„Die Halle bleibt dicht“

Statiker des Baureferates haben mittlerweile die Turnhalle besichtigt. In einer E-Mail des Amtes sei ihm mitgeteilt worden, die Turnhalle sei freigegeben, berichtet Knödl. Wie Johanna Marek versteht auch er nicht, aus welchem Grund die Halle nun „Knall auf Fall“ wieder genutzt werden soll. Und das, obwohl das Baureferat im Hinblick auf den Schneefall im Winter empfiehlt, die Statik in den Sommerferien sehr gründlich zu untersuchen. Marek und Knödl sind sich einig: „Die Halle bleibt dicht.“ Die Prüfung durch bloße „Inaugenscheinnahme“ hat sie nicht überzeugt. Sie wollen dafür nicht die Verantwortung übernehmen. Knödl: „Wir und die Eltern haben das Recht auf hundertprozentige Sicherheit. 99 Prozent ist zu wenig.“ Die Eltern seien sensibilisiert. Sie hätten die Bilder der eingestürzten Eissporthalle in Bad Reichenhall vor Augen. Auch deshalb vermissen die beiden Rektoren eine Reaktion des Schulreferates auf die Ängste der Eltern. Das Verhalten der Behörde sei vor allem psychologisch wenig zufriedenzustellend, so Knödl. „So kann man mit den Eltern nicht umgehen.“

 

„Keine Sorgen machen“

 

Die Turnhalle war bereits im Jahr 2007 für mehrere Monate wegen Einsturzgefahr geschlossen worden. Damals wurden mehrere Stahlträger in die Dachkonstruktion eingezogen und zwei Drittel der Kiesmenge vom Dach entfernt, um die Statik des Gebäudes zu entlasten. Seitdem ist nichts mehr passiert. Die Halle ist nach wie vor undicht. Es regnet durch und es bilden sich Pfützen. Durch die Feuchtigkeit sei auch die Geruchsbelästigung enorm, beanstandeten die Eltern. Auch das lässt sie um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten. Ganz davon abgesehen, dass sie die Angst plagt, es könne sich ein Betonbrocken aus der Decke lösen.

„Für eine Sperrung der Turnhalle besteht keinerlei Veranlassung“, erklärt Ursula Oberhuber, Pressesprecherin des Schulreferates. Es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Turnhalle genutzt werden könne. Auch für die Vereine, die die Halle nutzten, bestehe keine Gefahr. Niemand müsse sich Sorgen machen. Das habe ein Statiker ermittelt. Im Blick auf den kommenden Winter seien allerdings doch weitere Untersuchungen geplant, um hundertprozentig sicher zu sein. „Im Moment ist es aber nicht so, dass Eis und Schnee auf dem Gebäude lasten“, so die Pressesprecherin.

Die Sperrung der Halle sei eine Entscheidung der Rektoren, betont Oberhuber. Aus Gründen der Statik sei das nicht nötig. Auf den besorgten Elternbrief angesprochen, erklärt die Pressesprecherin, über den sei sie nicht informiert worden. Sie werde der Sache nachgehen. Alexandra Gaßmann (CSU) vom Unterausschuss Schule des BA hofft, dass die Ereignisse an der Schrobenhausener Schule das Schulreferat endlich aufrütteln. „Wir wollen jetzt Ergebnisse für die Kinder sehen. Mit den Missständen an der Schule kann es so nicht weitergehen.“

 

 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
Laim
Woche: 25 - 2010
Autor: TG

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