| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Westend |
| Woche: | 42 - 2010 |
| Autor: | TG |
„Das ist eine gute Ecke.“ Stefanie Waizer-Fichtl ist angetan von ihrem künftigen neuen Arbeitsplatz in der Ligsalzstraße 2, Ecke Westendstraße. Sie hat beobachtet: „Immer wieder bleiben Leute hier am Eck stehen und schauen neugierig, was sich hinter den Fenstern tut.“ „In Kürze geht’s los“ – „BildungsLokal Schwanthalerhöhe“ ist an der Türe zu lesen. Das hört sich spannend an. Das Haus in der Ligsalzstraße ist frisch renoviert. Vorher hatte ein Friseurgeschäft an der Ecke seinen Platz. Nun wird sich in dem ebenerdigen Lokal bald alles um Bildung drehen. Voraussichtlich Mitte Dezember soll das „BildungsLokal“ eröffnet werden. Stefanie Waizer-Fichtl wird die lokale Bildungsmanagerin in der Einrichtung sein. Zwei Kolleginnen, Susanne Loibl und Iris Stolz sollen als Beraterinnen die Bewohner des Stadtteils in allen Bildungsfragen unterstützen und begleiten und damit Chancen für alle im Stadtteil eröffnen.
Einer Initiative des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe (BA 8) ist es zu verdanken, dass der Stadtteil den Zuschlag als Modellregion bekam. Mit der Schwanthalerhöhe wurden nur noch die Stadtteile Hasenbergl und Neuperlach als Standorte für ein „BildungsLokal“ ausgewählt. Das Münchner Konzept „Lernen vor Ort“ wird durch das bundesweite Programm „Lernen vor Ort“ gefördert, eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit deutschen Stiftungen. In München wird das Programm vom Schul- und Kultusreferat verantwortet. Bundesweit wurden 23 Städte und 17 Landkreise aus 15 Bundesländern für das Projekt „Lernen vor Ort“ ausgewählt. Dahinter steht die Idee, dass der Bildungsweg jedes Menschen stark davon beeinflusst wird, welche Hilfsangebote das unmittelbare Umfeld bereithält. Ein engagiertes kommunales Bildungsmanagement, sei deshalb ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Bildungschancen für alle, heißt es zu dem Projekt „Lernen vor Ort“.
Noch ist die Einrichtung im „Bildungslokal“ an der Ligsalzstraße eher spärlich. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch. Vier Computer sind schon angeschlossen. Ein Schreibtisch am Empfang, eine Teeküche und ein separater Beratungsraum sind bereits eingerichtet. „Bis November soll alles bezugsfertig sein“, so die Bildungsmanagerin. Dann, so hofft sie, werde das Lokal ein Treffpunkt für den Stadtteil werden. „Hier kann jede und jeder mit jedem Anliegen reinkommen. Es kostet nichts.“ Und sie betont: „Wir arbeiten unabhängig, sind keinem Träger verpflichtet.“ Jung und Alt seien willkommen. Am Anfang ihrer Arbeit stehe die Aufgabe, herauszufinden, was für Bildungseinrichtungen es im Stadtteil bereits gebe und welche Angebote fehlten. So könne zum Beispiel eine Lernwerkstatt entstehen, in der Interessierte ihr Lernen selbst organiserten. Der Hauptschüler, der sich über weiterführende Schulen informieren will sei im „BildungsLokal“ ebenso richtig, wie die Mutter, die nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen wolle. Waizer-Fichtl: „Wir möchten die Leute je nach Lebenssituation beraten und unterstützen.“
Helga Summer-Juhnke vom Schulrefrat ist die Leiterin für das lokale Bildungsmanagement im Stadtteil. Sie sagt: „Wir wollen mit dem Projekt, alle, die mit Bildung zu tun haben, an einen Tisch bringen.“ Ob es nun um die frühe Förderung von Kindern, um die Bildung von Eltern oder die Übergänge an weiterführende Schulen gehe. Ein Schwerpunkt der Initiative sei es, die Leute in den Stadtteilen für Bildung zu motivieren. Soziales und interkulturelles Lernen beziehe auch die Nachbarschaft mit ein. Das Ziel seien „bunte Tische“, an denen sich die Akteure, die mit Bildung zu tun haben, treffen. Summer-Juhnke: „Unsere Vision ist es, einen lebendigen Stadtteil zu entwickeln, in dem Lernen Lust macht.“ Die afrikanische Weisheit „Es bedarf eines ganzen Dorfes, um ein Kind zu erziehen“, könne ideal auf den Stadtteil übertragen werden, meint Summer-Juhnke. So könnten in einer Art „Nachbarschaftsbörse“ Wissen und Fähigkeiten im Viertel ausgetauscht werden. Das käme sowohl Kindern als auch Erwachsenen zugute.
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Westend |
| Woche: | 42 - 2010 |
| Autor: | TG |
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