| Ausgabe: | SamstagsBlatt München |
| Woche: | 29 - 2010 |
| Autor: | red |
PISA-Studie, Wirtschaftskrise, höhere Arbeitslosigkeit, G8: Die Gründe, warum Schüler und Eltern den Druck auf ihren Schultern als immer größer empfinden, sind vielfältig. Die Münchner Diplom-Psychologin Dr. Edith Klasen rät jedoch zur Gelassenheit, denn sie hat schon oft erlebt, dass aus schlecht benoteten Schülern menschlich wie beruflich herausragende Persönlichkeiten wurden, gerade weil sie in der Jugend einen steinigen Weg gehen mussten. Klasen ist Expertin unter anderem für Legasthenie und begleitet seit 50 Jahren die Familien betroffener Kinder. Sie empfiehlt Eltern, an ihrer Gelassenheit zu arbeiten und „das Kind genau anzusehen, nicht nur seine Zensuren“. Denn: „Jedes Kind hat Talente. Nur bilden die Noten das oft nicht ab“.
Die Ferien sollten viel Zeit für Hobbys und Spaß bieten, so Klasen. Auch der Münchner Diplom-Psychologe Günther Hanel, der seit über zehn Jahren intensiv mit Schülern arbeitet, betont: „Viel Üben mag im Gymnasium angemessen sein, in der Grundschule sollen Ferien Ferien bleiben.“ Wer Schulkenntnisse trainieren wolle, könne dies am Besten nach einer Atempause in den späteren Ferienwochen. Und auch dann in kleinen Portionen und ohne Druck. Spiele wie „Halli Galli“ und „Kniffel“ für Mathe oder „Scrabble“ für Deutsch, Computerspiele, lustiger, spannender Lesestoff, den auch mal die Eltern lesen, bieten sich da an. Edith Klasen: „Vielfach sind schlechte Schulleistungen auch abhängig von einer Lebensphase.“ Liebeskummer und allgemeine Unlust heilt oft die Zeit, schöne Ferien schenken aber auf alle Fälle Kraft für einen Neustart. „Sagen Sie sich und Ihrem Kind: Das alte Schuljahr ist zu Ende, das neue ein ganz neuer Anfang“, rät die Psychologin.
Hinter Schulproblemen kann jedoch auch eine Teilleistungsstörung stecken, also Legasthenie oder Dyskalkulie, weiß Klasen. Legastheniker kämpfen mit dem Lesen, dem Schreiben oder beidem, Dyskalkulie (Rechenstörung) bedeutet, dass Betroffene Zahlen, Mengen oder Rechenoperationen deutlich schlechter erfassen, als ihre allgemeine Begabung das erwarten ließe. Bis zu sechs Prozent aller Schüler haben laut Studien eine Teilleistungsstörung. Die Ursachen variieren und sind zum Teil angeboren. Kämpft ein Kind langfristig und zäh, aber weitgehend erfolglos mit dem Erlernen des Lesens, Schreibens und/oder Rechnens, sollte es auf eine Teilleistungsstörung getestet werden. Diese Tests sind der erste Schritt zu weiteren, fachärztlichen Untersuchungen, Gutachten und Anträgen. Diese sind Voraussetzung, damit Nachteilsausgleich bei den Schulnoten, innerschulische Förderung, außerschulische Therapien und andere Maßnahmen, die Kindern zustehen, verwirklicht werden können.
Eltern, die das herausfinden möchten, ob ihr Kind an Legasthenie oder Dyskalkulie leidet, bietet unter anderem der Arbeitskreis Legasthenie Bayern (AKL) Tests an. Bis Freitag, 6. August, läuft in der Beratungsstelle München (Fürstenrieder Str. 267) die „Aktion Gratis-Test“: Die ersten 50 Interessenten erhalten den Test kostenlos. Interessierte können sich Anmeldung mit dem Kennwort „Aktion Gratis-Test“ unter Tel. 411149200 und per E-Mail an info@akl-bayern.de anmelden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.akl-bayern.de.
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| Woche: | 29 - 2010 |
| Autor: | red |
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