| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Germering |
| Woche: | 17 - 2010 |
| Autor: | E.S. |
„Eltern International“ ist eine neue Initiative in Germering. Ins Leben gerufen wurde sie von Kathrin Neumann, die fünf Sprachen fließend spricht, einige Jahre in Prag und 15 Jahre in der Türkei gelebt hat und seit 2008 in Germering wohnt. Hier engagiert sich Frau Neumann im Arbeitskreis (AK) Integration, der von der Stadtverwaltung initiiert wurde. Der AK gestaltet einerseits das jährlich stattfindende Internationale Fest am Abend vor der offiziellen Eröffnung des Volksfestes Unterpfaffenhofen, andererseits hat sich der AK auch dem Thema interkulturelle Öffnung der Schulen verschrieben.
„Im Bereich der Integration zu arbeiten, ist für einen Menschen, der 15 Jahre in der Türkei gelebt hat und fließend Türkisch spricht ein sehr naheliegender Gedanke. Da ich am Anfang den Eindruck hatte, ich verstehe zwar die Türken hier, begreife aber nicht, was die Deutschen wollen, habe ich beim Verband für Interkulturelle Arbeit e.V. ein Praktikum gemacht und war eine Weile als freie Mitarbeiterin tätig“, erzählt Kathrin Neumann. Dazu kam noch eine halbjährige Fortbildung im interreligiösen Bereich beim Institut Occurso. Aus all diesen Eindrücken habe sich der Gedanke eines Elternvereins ergeben, der den Kontakt zu den Eltern mit Migrationshintergrund herstellen könne.
Falsche Erwartungen
„Kommunikationsprobleme und falsche Erwartungen aneinander gehören zu den wichtigsten Problemen zwischen Deutschen und Migranten. Fehlende Sprachkenntnisse und Gefühle von Diskriminierung behindern häufig die Kontakte zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und Deutschen“, so Neumann, „unterschiedliche Vorstellungen, von dem was Erziehung und die Aufgabe der Schule sind, führen zu weiteren Störungen im Zusammenspiel zwischen Kindern, Eltern und Schule. Auf Grund fehlender Erfahrung positiver Mitbestimmung in den Heimatländern, nutzen viele Migranten die Chancen sozialen und politischen Engagements in der deutschen Gesellschaft nicht. So erkennen Eltern oft nicht, wie wichtig ihr Engagement für ihre Kinder ist. Umgekehrt missverstehen Deutsche das fehlende Engagement von Migranten als Desinteresse und wenden sich von ihnen ab.“
Inzwischen hat Kathrin Neumann acht Mitstreiterinnen mit Migrationshintergrund gefunden, die sich regelmäßig in privaten Räumen treffen und auch daran denken, „Eltern International“ in einen Verein umzuwandeln. Ein wichtiges Ziel der Elterninitiative ist es, durch engagierte Eltern an allen Schulen Germerings vertreten zu sein. Diese sollen den anderen Eltern als Ansprechpartner dienen, wenn sie irgendeine Art von Hilfe oder Unterstützung brauchen, und gewährleisten, dass „Eltern International“ über Schwierigkeiten und Bedürfnisse schnell informiert wird.
Engagierte Eltern
Nach einem Erzählcafé im Rahmen der Germeringer Frauentage hat die Initiative nun in der vergangenen Woche einen türkischsprachigen Elternabend an der Kleinfeldschule für alle türkischen Eltern der Schulen und Kindergärten im Einzugsbereich der Kleinfeldschule und der Kerschensteinerschule organisiert. Die Rektorinnen Anita Bock von der Kleinfeldschule und Claudia Frisch von der Kerschensteinerschule begrüßten die Eltern in der Aula; Mahmut Gergerli von der „Bildungsberatung International“ des Münchner Schul- und Kultusreferates gestaltete den Informationsabend.
Der türkischstämmige Mahmut Gergerli stellte zunächst das dreigliedrige Schulsystem vor, legte hier aber auch besonderen Wert darauf, die Durchlässigkeit des Systems darzustellen, um den Eltern Angst und Stress zu nehmen, den sie sonst als erhöhten Leistungsdruck an die Kinder weitergeben würden. Angesprochen und hinterfragt wurden auch Themen wie Übergangsvoraussetzungen, Deutsch-Sprachförderung oder die Auswirkung mündlicher Noten. Wichtig war es Gergerli auch, immer wieder zu betonen, dass die Eltern das Gespräch mit den Lehrern suchen sollten.
Eine Menge gelernt
Fazit eines Vaters, der vorher schon den allgemeinen Elternabend der Schule besucht hatte: „Eigentlich wollte ich gar nicht kommen, weil ich dachte, ich weiß schon alles.“ Was könne der türkischsprachige Referent denn schon anderes machen, als nochmal das Gleiche zu erzählen: „Aber es war gar nicht so! Es ist gut, dass ich hingegangen bin. Ich habe eine Menge gelernt!“. Eine konkrete Absprache mit den beiden Schulen besteht zwar noch nicht, aber „Eltern International“ plant, für den Herbst einen zweiten Termin mit der Kirchen- und der Theresengrundschule zu organisieren. Informationen gibt es unter www.eltern-international.de sowie bei Kathrin Neumann per E-Mail: info@eltern-international.de.
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Germering |
| Woche: | 17 - 2010 |
| Autor: | E.S. |
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