| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger München |
| Woche: | 14 - 2011 |
| Autor: | de |
Derzeit laufen die Abiturprüfungen des letzten G9-Jahrgangs an den bayerischen Gymnasien. Gleichzeitig steht bereits der erste G8-Jahrgang in den Startlöchern, so dass es im Herbst zu einem Ansturm auf die ohnehin schon zu dünn gesäten Studien- und Ausbildungsplätze geben wird. Die Aussetzung der Wehrpflicht wird dieses Problem noch einmal zusätzlich verschärfen.
Daher organisiert das Bündnis „Doppeljahrgang 2011 – Jetzt wird’s eng!“, bestehend aus SchülerInnenvertretungen, Studierendenvertretung, Gewerkschaften und anderen Organisationen, zu genau dieser Thematik eine Petition an den bayerischen Landtag. Die Petition startete bereits am 22. März und geht bis zum 7. April in ihre heiße Phase. Unterzeichnet werden kann die Petition durch Unterschriftenlisten und Online unter www.doppeljahrgang2011.de.
„Die Lage auf dem Studien- und Ausbildungsmarkt ist auch ohne den Doppeljahrgang schon dramatisch!“, äußert sich Kerem Dykast, Stadtschülersprecher in Nürnberg. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes wächst seit Jahren der Anteil eines Altersjahrgangs, der ein Studium aufnimmt. Daher sollen im Rahmen des Hochschulpaktes zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Die zugrunde liegende Berechung der Studienanfängerzahlen erweist sich jedoch als realitätsfern.
Im Jahr 2009 lagen die tatsächlichen Zahlen, Angaben der Bundesregierung zufolge, für ganz Deutschland um rund 35.000 über den berechneten. „Die Hochschulen in Bayern haben schon jetzt – trotz der bestehenden Ausbauplanung für den doppelten Abiturjahrgang – vielerorts Raumprobleme. Zusätzliches Lehrpersonal ist das Eine, ein Platz in einem ausreichend großen Hörsaal das Andere.“, stellt Christian Zwanziger, Sprecher der Landes-ASten-Konferenz (LAK), fest. Die Regierungskoalition vereinbarte im Koalitionsvertrag die Schaffung von 10.000 zusätzlichen Studienplätzen. „Neben zusätzlichen Dozentinnen und Dozenten und Räumlichkeiten an den Hochschulen fehlt es ihnen vielfach an adäquaten Begleitmaßnahmen. So wurde beispielsweise der Ausbau von Wohnheimen, Mensen und anderen Einrichtungen vor allem für soziale Belange bisher nicht in gleichem Maße betrieben. Im Gegenteil: Die Kürzungen bei den Studentenwerken in ganz Bayern im Frühjahr 2010 führt mittlerweile dazu, dass nötige Investitionen in diesen Bereichen nicht getätigt werden können.“, so LAK-Sprecher Christian Zwanziger. „Auch die Verschärfung der Ausbildungsmarktsituation wird nicht bedacht, dabei gibt es schon jetzt zu wenig Ausbildungsplätze.“, warnt Stadtschülersprecher Kerem Dykast.
Im Jahr 2010 (Stand Oktober 2010) haben laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nur 60% aller Bewerber in Bayern einen Ausbildungsplatz bekommen. Neben dem Ausbau von Studienplätzen fordert das Bündnis daher auch die Einführung einer Ausbildungsumlage. „Wer nicht ausbildet, muss kräftig zur Kasse gebeten werden. Nur so können wir die Zukunft junger Menschen absichern.“, fordert Kerem Dykast.
Mit dem Doppeljahrgang besteht die Gefahr, dass Abiturienten ohne Studienplatz, Haupt- und Realschüler auf dem Ausbildungsmarkt verdrängen. „Viele Schüler in den Abschlussklassen haben schlicht Zukunftsängste, sowohl an Gymnasien als auch an Haupt- und Realschulen.“, berichtet Kerem Dykast.
| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger München |
| Woche: | 14 - 2011 |
| Autor: | de |
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