Westend · „Unsere Kirche wird sehr gebraucht“
Freundeskreis Maria Heimsuchung gegründet
Pfarrer Friedrich Plucha, Freundeskreis-Schirmherr Tilmann Schöberl und Architekt Georg Heigl (v.l.) fachsimpeln über die Schäden an der Kirche Maria Heimsuchung.
„Katastrophenfall“ nennt Pfarrer Friedrich Plucha den maroden Bauzustand der 1934 erbauten katholischen Kirche Maria Heimsuchung in der Westendstraße: „Immer wieder kamen Brocken herunter.“
Der Architekt Georg Heigl ergänzt: „Vom Giebel der Kirche, der von einer Pyramide aus Kugeln bekrönt ist, löste sich bereits eine Kugel. Das war gefährlich.“ Es sei höchste Zeit, so Heigl, die Kirche instand zu setzen.
Seit Mai dieses Jahres ist die Kirche nun eingerüstet. Das erzbischöfliche Baureferat habe den „Katastrophenfall“ anerkannt und übernehme „Gott sie Dank“ den Hauptanteil der Renovierungskosten in Höhe von 550 000 Euro, berichtet Pfarrer Plucha. Wegen der sinkenden Kirchensteuer-Einnahmen bleibe jedoch ein Betrag übrig, den die Gemeinde erbringen müsse. Der Seelsorger: „35 000 Euro muss die Pfarrei tragen.“ Aus eigener Kraft bringe sie die Summe jedoch wegen fehlender Rücklagen nicht zusammen. Deswegen sei der Gedanke aufgekommen, den „Freundeskreis Maria Heimsuchung“ zu bilden. Der solle helfen, Spender und Sponsoren zu gewinnen, damit die Kirche nicht noch weiter verfällt. Prominenter Schirmherr der Aktion ist der Radio- und Fernsehmoderator Tilmann Schöberl. Er wohnt seit einigen Jahren im Westend und engagiert sich in der Kirchengemeinde.
Jährlicher Förderbeitrag 50 Euro
Zur Gründungsversammlung des Freundeskreises am vergangenen Samstag waren viele Gemeindemitglieder in den Pfarrsaal gekommen. Sie unterstützen den Kreis der Freunde des Gotteshauses mit einem jährlichen Förderbeitrag von je 50 Euro und spenden auch darüber hinaus immer wieder. So waren 10 000 Euro zusammen gekommen. Die Spender wurden dafür von Friedrich Plucha mit einer Urkunde belohnt. Der Pfarrer: „Bis jetzt haben wir rund fünfzig Mitglieder, hundert brauchen wir.“ Der Einfachheit halber werde der Freundeskreis formal an die bereits bestehende Kirchenstiftung angehängt.
Tillmann Schöberl hat die Aufgabe, als Schirmherr die Werbetrommel zu rühren „gern übernommen”. Unter dem Motto „Jetzt spend i“ wirbt er, angelehnt an die von ihm moderierte Fernsehsendung „Jetzt red i“, für den Freundeskreis. Vor zwei Jahren ist der Moderator in der Kirche Maria Heimsuchung getraut worden. Schöberl: „Das war ein sehr bewegender Moment.“ Mit seiner Frau, Manuela Brenzinger, war ihm wichtig gewesen: „Wir heiraten dort, wo wir zu Hause sind. Bei uns um die Ecke und nicht am Starnberger See oder sonst wo.“ Im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft scherzte Schöberl: „Maria Heimsuchung ist ein schönes Stadion für die Seelen und Fritz (Plucha, die Red.) ist ein guter Trainer.“ Für den TV-Mann gibt es darüber hinaus gute Gründe, sich für den Freundeskreis zu engagieren. „Ich glaube, dass gerade in der Großstadt Kirche als ein spiritueller Ort der Stille wichtig ist, auch für Menschen, die nicht unbedingt katholisch sind.“
„Haus des Glaubens, der Liebe und der Gemeinschaft“
All jene, denen die Kirche am Herzen liegt, schloss der Geistliche in seine Fürbitte für ein „Haus des Glaubens, der Liebe und der Gemeinschaft“ ein. Die Stadtpfarrkirche Maria Heimsuchung gehört mit den Nachbarpfarreien St. Rupert und St. Benedikt zu den drei katholischen Westendpfarreien, die 1995 zu einem Pfarrverband zusammengeschlossen worden sind. Sie zählt mit 2500 Gläubigen zu den kleinen Gemeinden. Dennoch ist Plucha überzeugt: „Unsere Kirche wird sehr gebraucht.“ Auch weil sie von der Spanischen Mission mit benutzt werde. „Die Kirche Maria Heimsuchung und das alte Pfarrhaus sind seit 1968 die Heimat der spanischsprachigen Katholiken“, bestätigt Alberto Martinez, Pfarrer der Spanischen Mission. Zur Diözese München zählen 4400 spanische und über 8000 lateinamerikanische Katholiken. Martinez: „Es gibt eine gute Zusammenarbeit zwischen Deutschen und spanisch sprecheden Gläubigen.“ Um den Freundeskreis zu unterstützen, seien eine Tombola, ein Flohmarkt sowie eine Sonderkollekte geplant. Der Pfarrer: „Wir starten jetzt die Reklame dafür.“
Nach Auskunft des Architekten Georg Heigl sind die Sanierung des Daches und die Renovierung der Fassade in vollem Gang. Überfällig seien die Arbeiten an den aus Naturstein bestehenden Heiligenfiguren der Apostel Petrus und Paulus und die sie flankierenden Engel aus Muschelkalk gewesen. Sie werden bald wieder in frischem Gewand über dem Eingangsportal thronen. Ende September, Anfang Oktober soll dann die Kirche Maria Heimsuchung komplett in neuem Glanz erstrahlen. Zu Ehren ihrer Schutzpatronin Maria. Ein Relief über dem Eingangsportal zeigt die Begegnung zwischen Maria und ihrer Base Elisabeth: Marias Heimsuchung. Das Katholische Pfarramt Maria Heimsuchung informiert unter Tel. 500 34 60 über den Freundeskreis.