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07.09.2009 - 14:43 Uhr
 

Trrrrrr: Unsere Schreibtische zittern schon

Am Luise-Kiesselbach-Platz macht sich der Tunnelbau deutlich bemerkbar

Münchner Wochenanzeiger : Gestrichen: Die Passage für Fußgänger und Radler, die am Beginn der Lindauer Autobahn unter dem Mittleren Ring durchführt, wird im Herbst gekappt.
 
Gestrichen: Die Passage für Fußgänger und Radler, die am Beginn der Lindauer Autobahn unter dem Mittleren Ring durchführt, wird im Herbst gekappt.

Am 21. September - das ist der früheste von den Planern angestrebte Termin - wird der erste Bohrpfahl für den Tunnel Südwest am Luise-Kiesselbach-Platz in den Boden gedrückt. Gut 8.000 werden ihm entlang der 2.720 m langen Ausbaustrecke bis zum 26. September 2013 folgen (beim Petueltunnel wurden 5.000, beim Tunnel Ost 7.200 Pfähle gesetzt). Die Bohrpfähle (jeder ist 12 bis 15 m lang und 88 bis 150 cm dick) sind das Herzstück des Tunnelbaus: Durch sie entstehen Stückchen für Stückchen die Tunnelwände im Erdreich, ohne dass der gesamte Tunnelbereich zuvor »leergebaggert« werden müsste. Diese Bauweise ermöglicht, dass der Verkehr einigermaßen ungestört weiter über den Mittleren Ring fließen kann. Allerdings macht die Arbeit an den Bohrpfählen ziemlich Krach, wenn die aus der Tiefe geholte Erde von den Bohrschnecken abgeschüttelt wird. »Laut, aber nicht unausstehlich« wird das werden, erklärte Bauleiter Johann Wittmann bei der jüngsten Infoveranstaltung des Baureferats im ICP.

Als Termine für die Bohrpfahlarbeiten nennen die Planer  diese Zeiträume:

Los 1 (Lindauer Autobahn bis Waldfriedhofstraße):  04.11.2009 bis 30.08.2013.

Los 2 (rund um den Luise-Kiesselbach-Platz): 21.09.2009 bis 26.09.2013.

Los 3 (Heckenstallerstraße): 21.06.2010 bis 11.09.2013.

»Es wird sich in den nächsten Wochen sehr viel tun«, erläuterte Johann Wittmann. Doch schon jetzt wird auf dem Luise-Kiesselbach-Platz tüchtig gebaggert, gebohrt und betoniert: Neben dem Info-Container werden die Fundamente für die Bauhütten gelegt (die im September / Oktober aufgestellt werden), zwischen den Ring-Fahrbahnen wird an der zentralen Tunnel-Betriebsstation gebaut. Sie wird 15 mal 20 Meter groß sein und 20 m in die Tiefe reichen (nur hier taucht das Tunnelbauwerk ins Grundwasser ein). Dass hier gebaut wird, ist seit dem 27. August nicht nur zu sehen, sondern auch deutlich zu spüren: Immer wieder erzittern die Schreibtische beim Sendlinger Anzeiger, der direkt an der Baustelle liegt (und selbstverständlich stets erreichbar bleibt!).

Gleich nach der Wiesn beginnt die Verschwenkung der Fahrbahnen, zuerst an der zentralen Kreuzung Garmischer / Waldfriedhof- / Albert-Roßhaupter-Straße (allein das nimmt einige Nächte in Anspruch). »Frühestens Mitte Oktober geht es dann auf der Strecke los«, so Wittmann. Eine der ersten Maßnahmen ist der Bau der zweiten Brücke über die Lindauer Autobahn: Die Pfeiler sollen ab Mitte Oktober, der Überbau nach dem Winter entstehen. Dann wird die Autobahn hier an einem Wochenende ganz gesperrt.

Ab Mitte Oktober werden u.a. die Bohrpfähle für die Betriebsstationen in der Bernrieder und Pressburger Str. sowie  für die Tunnelwände zwischen Pressburger und Krüner Straße gesetzt. In der Heckenstallerstraße sind indes noch Kanalbauten nötig. Erst Mitte November soll (östlich der Hebbelstraße) ein erster Fahrbahnabschnitt verschwenkt werden. Ende des Jahres folgt die Baustelleneinrichtung an der Passauerstraße.

 

 

 

Im gesamten Baustellenbereich wird eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h gelten. Die Querstraßen werden im Wechsel vom Mittleren Ring abgehängt (zunächst z.B. die Pressburger Str., die dann nur über die Krüner Straße angefahren werden kann, aber auch die Bernrieder Straße, deren beide Enden gesperrt werden.

 

 

In sechs Jahren soll der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden - nach einer Testphase, für die die Planer den Zeitraum zwischen 30. März und 26. Juni 2015 vorsehen. Doch auch wenn der Verkehr einmal durch den fast 400 Millionen Euro teuren Tunnel fließt, wird das gigantische Bauwerk weiter ständig Geld verschlingen: 1,2 Millionen Euro wird der fertige Tunnel Südwest Jahr für Jahr an Unterhalt benötigen, so Johann Wittmann.

 

 

 

Fragen der Anwohner an die Bauleitung

Mit welchen Beeinträchtigungen müssen Radler durch den Tunnelbau rechnen?

Praktisch alle Verbindungen sollen offen bleiben: Entlang der Ausbaustrecke werden kombinierte Fuß- und Radwege angelegt, die mindestens 2 Meter, nach Möglichkeit aber 2,50 Meter breit sind. »Radler und Fußgänger müssen aufeinander Rücksicht nehmen«, so Johann Wittmann. Nur eine einzige Verbindung wird von den Tunnelbauern gekappt: die Passage, die neben der Lindauer Autobahn unter dem Mittleren Ring durchführt. Hier wird schon ab Herbst eine zweite Brücke neben der bestehenden gebaut. Radler müssen dann einen - ampelgesicherten - Umweg über Pressburger und Hinterbärenbadstraße in Kauf nehmen.

Wird die Fernwärmeversorgung während des Tunnelbaus nochmals unterbrochen?

Die Fernwärmeversorgung soll aufrechterhalten werden, allenfalls bei Umkoppelungen kann es für wenige Stunden zu Unterbrechungen kommen. Johann Wittmann: »Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Sie im Winter keine Wärme haben! Wir besprechen das Thema nochmals mit den Stadtwerken!«

Kann man von der Friedrich-Hebbel-Straße während des Tunnelbaus aus immer auf den Ring einbiegen?

Die Einmündung bleibt grundsätzlich immer offen, nur zeitweise wird das Linksabbiegen aus der Friedrich-Hebbel-Straße nicht möglich sein.

Wie läuft die in diesen Tagen noch laufende Beweissicherung ab?

Jeder Raum in jedem an den Ring angrenzenden Gebäude wird begangen und geprüft. Selbst die Fliesen im Bad werden abgeklopft. Jeder Eigentümer bekommt das dann erstellte Gutachten zum Gegenzeichnen. Nach dem Tunnelbau werden die Gebäude erneut untersucht.

Was passiert, wenn die Abgaswerte nach Fertigstellung des Heckenstaller-Trogs über den EU-Grenzwerten liegen?

Die Prognosen der Gutachter erwarten, dass die Abgaswerte an der Ausbaustrecke die Grenzwerte nicht überschreiten. Johann Wittmann: »Wir sind aber keine Hellseher!« Zwei Optionen bei zu hohen Werten gibt es: die Erhöhung der Lärmschutzwand in der Heckenstallerstraße von 3 auf 5 m und den Bau von Abluftkaminen am Luise-Kiesselbach-Platz und an der Westparkbrücke. Für diese beiden denkbaren Kamine werden beim Tunnelbau schon die Anschlüsse vorbereitet.

Noch mehr Info

Weitere Auskünfte zum Tunnelbau gibt das Baureferat in seinem Info-Container am Luise-Kiesselbach-Platz. Er ist jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr und ab 15. September zusätzlich jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Am Donnerstag, 24. September, findet um 19 Uhr ein weiterer Info-Abend der Fachleute aus dem Baureferat im ICP (Garmischer Str. 241) statt.

Noch in diesem Jahr verteilt das Baureferat einen neuen Flyer zum Bauablauf bis Sommer 2010.

Tunnel-Infos finden Sie immer auch beim Sendlinger Anzeiger.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Sendling-Westpark
Woche: 37 - 2009
Autor: job

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