| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Neuhausen |
| Woche: | 22 - 2010 |
| Autor: | CF |
"Wir sind sehr glücklich, dass meine Mutter in so einem wunderbaren Heim leben darf. Denn hier ist sie rundum gut versorgt", erzählt Waltraud Brünner bei der Begrüßung vor dem Zimmer ihrer Mutter Dorothea Beer im Heim für blinde Frauen in der Winthirstraße, die am 21. Mai ihren 100. Geburtstag feiern durfte. 100 Jahre sind eine lange Zeit. Zu diesem besonderen Jubiläum wollte auch die Landeshauptstadt München gratulieren: Stadträtin Dr. Inci Sieber (SPD) überbrachte Dorothea Beer einen großen Blumenstrauß und ein Geschenkpaket von Dallmayr.
In einer gemütlichen Runde, zu der auch die Heimleiterin Ursula Steindl hinzustieß, berichtete Waltraud Brünner aus dem Leben ihrer Mutter. "Seit zwei Jahren lebt meine Mutter nun in diesem Heim. Bis vor kurzem ging es ihr auch noch richtig gut. Jetzt merkt man schon, dass ihre Kräfte langsam schwinden." Tatsächlich sah sich Dorothea Beer gezwungen, ihre Gäste liegend zu empfangen. Nichtsdestotrotz war sie an ihrem Ehrentag festlich gekleidet und konnte mit einem Hörgerät sogar dem Gespräch der Besucher folgen. Mit Zustimmung der Anwesenden erklärte Waltraud Brünner ihrer Mutter: "Mit 100 darfst du auch ein wenig nachlassen. Das nimmt dir wirklich keiner übel!"
Dorothea Beer kam 1910 in Suriname, einem kleinen Land in Südamerika, als Tochter eines Missionars zur Welt und lebte dort bis zu ihrem zehnten Lebensjahr. "Sie ist bei uns im Heim die Bewohnerin mit dem wohl exotischsten Geburtsort überhaupt", bemerkte Ursula Steindl. Zurück in Deutschland besuchten die Kinder der Missionarsfamilie ein Schulheim in der Nähe der Brüdergemeine in Herrnhut. Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine christliche Glaubensbewegung innerhalb der evangelischen Kirche. Nach dem Wirken zahlreicher Herrnhuter Missionare seit dem 18. Jahrhundert ist heute eine weltweite Kirche mit 19 selbständigen Kirchenprovinzen entstanden. Nach wie vor pflegt die Brüdergemeine in Deutschland besondere Beziehungen zu den Kirchenstellen in Tansania, Südafrika, Palästina und auch Dorothea Beers Geburtsland Suriname.
Zur Zeit des Nationalsozialismus hatte Dorothea Beer es nicht leicht. "Sobald Mutter etwas sagte, das dem Regime entgegenstand, wurde sie nach Polen strafversetzt", berichtet Waltraud Brünner. Aus Schutz vor den Nationalsozialisten blieb ihr in Polen nichts anderes übrig als zu heiraten. "Es musste damals alles sehr schnell gehen. Sie lernte meinen Vater, der als Volksdeutscher in Polen lebte, kennen und ehe sie sich versah, war sie auch schon verheiratet", erzählt Waltraud Brünner. "Doch die Ehe hielt nicht allzu lange. Sie hätte sich aus religiöser Überzeugung nie scheiden lassen. Glücklicherweise ging die Initiative von meinem Vater aus und dann war er auch schon aus ihrem Leben verschwunden." Bis zu ihrer Rente arbeitete Dorothea Beer als Krankenschwester. "Und das tat sie mit Leib und Seele", betont Waltraud Brünner. Sie wollte eigentlich immer Ärztin werden. Doch die Eltern hatten nicht genug Geld für ein Medizinstudium. So musste Dorothea Beer als Krankenschwester den Leidenden helfen.
Seit 1975 lebt Dorothea Beer nun in München. Sie ist ihrer Tochter, die die Liebe nach München zog, in die bayerische Landeshauptstadt gefolgt. „Bayern ist einfach toll. Hier hat man ein ganz anderes Lebensgefühl“, schwärmt die aus dem Osten stammende Waltraud Brünner.
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Neuhausen |
| Woche: | 22 - 2010 |
| Autor: | CF |
Fügen Sie hier Ihren Artikelkommentar hinzu.