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20.02.2009 - 13:26 Uhr
 

Jetzt stehen die »gravierenden Eingriffe« für den Tunnel bevor

Die ersten Bohrpfähle setzen die Arbeiter im August

Münchner Wochenanzeiger : Tunnelprojekt-Leiter Johann Wittmann (Baureferat).
 
Tunnelprojekt-Leiter Johann Wittmann (Baureferat).

Am vergangenen Freitag hat das Baureferat europaweit die Bauarbeiten für die Untertunnelung des Mittleren Rings Südwest ausgeschrieben. »Wenn alles klar geht«, sagt Johann Wittmann (er ist der Tunnelprojekt-Leiter im Baureferat und meint damit z.B., dass der Stadtrat  im Juni / Juli die Bauaufträge vergibt), »starten die Hauptarbeiten im August oder September.«

Doch bis dahin ist noch eine Menge zu tun: Während der vier März-Wochen werden nahezu alle an Garmischer und Heckenstallerstraße verbliebenen Bäume gefällt (nur einige Bäume südlich der Heckenstallerstraße bleiben erhalten). Von »gravierenden Eingriffen« sprach Johann Wittmann. Im März beginnen am Luise-Kiesselbach-Platz Kanalarbeiten, im April startet die Verlegung der Sparten (Leitungen) an der Preßburger und der Murnauer Straße. Bis Juli wird zudem noch an den Dükern an der Garmischer Straße gebaut.

Der gesamte Ausbauabschnitt des Mittleren Rings ist 2.800 Meter lang, erklärte Johann Wittmann, der das gesamte Tunnelprojekt bei einer ersten Infoveranstaltung des Baureferats im ICP an der Garmischer Straße umriss. Mehr als 400 Bürger waren dazu ins ICP geströmt. Zwischen der Westparkbrücke (Einmündung der A 96) und dem Luise-Kiesselbach-Platz wird der Mittlere Ring in einen 1.500 m langen Tunnel verlegt. An der Ehrwalder Straße wird dieser Tunnel direkt auf den U-Bahn-Tunnel aufgesetzt. Besonders kompliziert wird der Tunnelbau am Luise-Kiesselbach-Platz, wo die A 95 in den Mittleren Ring mündet. Damit Autos, die von der Autobahn kommen, nach Norden (Richtung Westpark) in die Tunnelröhre geführt werden können, muss hier ein Tunnel mit zwei Etagen übereinander gebaut werden. In der Heckenstallerstraße wird der Mittlere Ring zunächst in einem 400 m langen Trog fortgeführt, dem sich zwischen Höglwörther und Passauerstraße ein 620 m langer Tunnel anschließt. Auf dessen Oberfläche soll ein Park entstehen. Der gesamte Bau soll 373 Millionen Euro kosten.

Auch während der Bauarbeiten werden in der Garmischer Straße alle drei Fahrspuren je Richtung bestehen bleiben, erklärte Johann Wittmann, in der Heckenstallerstraße werden immer insgesamt fünf Spuren zur Verfügung stehen.  In Kreuzungsbereichen kann es zu vorübergehenden Sperrungen kommen. Der Buslinienverkehr läuft uneingeschränkt weiter, die Haltestellen werden allerdings versetzt. In jedem Bauabschnitt werden auch die Fahrspuren drei- oder viermal neu verschwenkt, damit die Bauarbeiter Platz haben. Diese werden, wie Wittmann erläuterte, zwischen 7 und 20 Uhr schuften. Nachts und samstags werde am Tunnel in der Regel nicht gearbeitet.

Für die Anwohner werden die Arbeiten mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden sein, auch wenn die fast überall mögliche »Deckelbauweise« noch die am ehesten erträglichste Baumöglichkeit ist. Johann Wittmann erklärte, wie sie funktioniert: Zunächst werden Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 88 cm nebeneinander in den Boden getrieben. Sie stanzen sozusagen den Platz für die Tunnelaußenwand frei, die in die durch die Bohrungen entstehende »Spalte« hineinbetoniert wird. Dann wird direkt auf das Erdreich die halbe Tunneldecke betoniert. Ist auf diese Weise das »Skelett« für eine Tunnelröhre fertig, werden an der Oberfläche die Fahrspuren auf die Tunneldecke verlegt und der Rahmen für die zweite Tunnelröhre gebaut. Erst wenn der gesamte Betonrahmen fertig ist, wird das Erdreich abgetragen und der Tunnel »von innen freigeräumt.« Nur am Luise-Kiesselbach-Platz, wo der Doppelstocktunnel nötig ist, wird von oben gebaut und eine 12 m tiefe Baugrube entstehen.
Die Bauarbeiten werden vor den Vorgärten der Ring-Anrainer nicht Halt machen; die Besitzer erhalten dafür aber eine Miete und das Versprechen, dass ihre Grundstücke nach dem Tunnelbau wieder hergerichtet werden, so Wittmann.

Den Bürgern legte er auch den Zeitplan vor, den das Baureferat ausgearbeitet hat: Das Setzen der Bohrpfähle und das Betonieren der Tunneldecke werde sich bis 2014 hinziehen. 2012 werde mit dem Erdaushub begonnen (600.000 Kubikmeter Erde werden bewegt und in Freiham zwischengelagert). Ende 2013 soll der Innenausbau des Tunnels starten. Die Verkehrsfreigabe soll in mehreren Abschnitten erfolgen. Vollständig befahrbar dürfte der Tunnel 2015 sein. Die Bauarbeiten sind dann jedoch noch  lange nicht zu Ende: Mit zweieinhalb weiteren Jahren für die Oberflächengestaltung (Luise-Kiesselbach-Platz, Heckenstallerpark) wird gerechnet.

Johann Wittmann sagte den Bürgern weitere Informationen zu. »Wir stehen für Sie immer zur Verfügung. Gehen Sie die kurzen Wege, ein Anruf genügt!« Im Juni werde das Baureferat zudem den Info-Container am Luise-Kiesselbach-Platz aufstellen, in dem Experten (Di 10-12, Do 16-18 Uhr) den Bürgern während des Tunnelbaus zur Verfügung stehen.   

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Sendling-Westpark
Woche: 09 - 2009
Autor: job

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