| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger Campus Großhadern |
| Woche: | 05 - 2012 |
| Autor: | job |
Rund um die Uhr sind sie zur Rettung von Menschenleben im Einsatz: Ein schwerkranker Herzpatient am Morgen, ein viel zu früh geborenes Kind oder ein Patiententransport mit künstlicher Lunge in der Nacht - diesen Herausforderungen stellt sich die Besatzung des Großhaderner Hubschraubers (HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH) täglich. Im vergangenen Jahr wurde der rot-weiße Hubschrauber zu 1.226 Einsätzen alarmiert. Damit flog die Besatzung zwei Prozent mehr Einsätze als im Jahr zuvor (2010: 1.198 Einsätze). 376-mal startete sie zu Nachteinsätzen.
„Christoph München“, so der Funkrufname, wird immer dann alarmiert, wenn ein Intensivpatient von einem Krankenhaus in eine Spezialklinik transportiert werden muss. Gerade größere Distanzen kann die "fliegende Intensivstation" schnell überwinden. Auch in der Luft wird der Patient intensivmedizinisch versorgt. Darüber hinaus wird der Hubschrauber in Ergänzung zum bereits vorhandenen Rettungsdienst bei Notfällen als schneller Notarztzubringer eingesetzt. Von Januar bis Dezember führten die Haderner Luftretter 717 Intensivtransporte durch und starteten zu 509 Notfalleinsätzen.
Dabei gehörten lebensgefährliche Erkrankungen zu ihren häufigsten Alarmierungsgründen; so wurden beispielsweise Schlaganfall- und Herzpatienten zwischen Kliniken transportiert. Aber auch Patienten mit Brandverletzungen, Vergiftungen oder Krampfanfällen mussten notärztlich behandelt werden. In den Sommermonaten wurde der rot-weiße Hubschrauber häufig zu verunglückten Motorradfahrern, verletzten Sportlern oder zu Patienten mit lebensgefährlichen allergischen Reaktionen nach Wespenstichen alarmiert. Auch Kinder waren auf schnelle Hilfe aus der Luft angewiesen: 2011 versorgte die Besatzung von „Christoph München“ 110 kranke oder verletzte Kinder. Zudem konnte das Leben von Frühgeborenen gerettet werden. Sie wurden in speziellen Brutkästen für Säuglinge in Spezialkliniken geflogen.
Besonders viele Einsätze
„2011 war ein besonders einsatzstarkes Jahr in München“, bilanziert Pilot und Stationsleiter Dietmar Gehr. „Ende Februar wurden wir in den Abendstunden zu einem dringenden Intensivtransport angefordert. Ein Mann war in einer Aaalener Klinik an der Aorta operiert worden, als es zu schweren Komplikationen kam. So schnell und dabei schonend wie möglich transportierten wir ihn zur weiterführenden Operation in das Herz-Zentrum nach Konstanz. Und auch ein Notfalleinsatz im Frühjahr ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Bei einem Überholmanöver nahe Nördlingen war ein 53-jähriger Mann frontal in einen entgegenkommenden PKW geprallt. Nach der medizinischen Versorgung vor Ort flogen wir den Patienten mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Augsburger Zentralklinikum." Im Herbst konnten die Retter gemeinsam mit Partnern aus Politik, Medizin und Rettungsdienst ihr neues Personaldienstgebäude am Klinikum Großhadern in Betrieb nehmen.
Der am Münchner Klinikum Großhadern stationierte Hubschrauber ist mit zwei Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten (HEMS Crew Member) besetzt. Er ist 24 Stunden täglich einsatzbereit und mit allen medizintechnischen Geräten ausgerüstet, die für eine optimale Versorgung von Intensivpatienten notwendig sind. Darüber hinaus wird „Christoph München“ Tag und Nacht zur Rettung von Notfallpatienten eingesetzt. Innerhalb von 15 Minuten kann er jeden Einsatzort im Umkreis von 50 Kilometern Luftlinie erreichen. Seit Juli 2009 dürfen die Münchner Luftretter als bundesweit erste Luftrettungsstation Nachtsichtgeräte einsetzen. Damit wird die Luftrettung bei Nacht um einen weiteren wichtigen Sicherheitsfaktor ergänzt.
In Bayern sind neben dem Münchner Hubschrauber vier weitere Hubschrauber der DRF Luftrettung im Einsatz: zwei Rettungshubschrauber in Nürnberg und Weiden sowie zwei Intensivtransporthubschrauber in Nürnberg und Regensburg. Zusammen leisteten sie rund 15 Prozent aller Einsätze der DRF Luftrettung im Jahr 2011 (5.802 von 38.366 Einsätzen).
Die DRF Luftrettung
Die HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH ist Teil der DRF Luftrettung. Bundesweit setzt die DRF Luftrettung an 28 Stationen Hubschrauber für die Notfallrettung und für dringende Transporte von Intensivpatienten zwischen Kliniken ein, an acht Stationen sogar 24 Stunden am Tag. Dazu kommen zwei Stationen in Österreich und eine in Dänemark. Über die Hubschrauberrettung hinaus führt die DRF Luftrettung weltweite Patiententransporte mit eigenen Ambulanzflugzeugen und hoch qualifiziertem Personal durch. ,In Deutschland hat jeder Anspruch auf den Einsatz eines Rettungshubschraubers, wenn dies medizinisch erforderlich ist. Die Kosten der Luftrettung werden im bundesweiten Durchschnitt allerdings nicht vollständig von den Krankenkassen bezahlt: „Zum Wohle der uns anvertrauten Patienten investieren wir fortlaufend in die Optimierung medizintechnischer Geräte, die Modernisierung unserer Flotte und die Fortbildung unseres Personals. Auch besondere Rettungsverfahren, wie die Wasser- und Windenrettung, bedeuten hohe Anschaffungskosten sowie regelmäßige Schulungsmaßnahmen. Diese vielfältigen Investitionskosten müssen wir als gemeinnützig tätige Organisation bisher selbst tragen“, erklärt Steffen Lutz, Vorstand der DRF Luftrettung. Zur Finanzierung ihrer Arbeit ist die DRF Luftrettung daher auf die Unterstützung von Förderern angewiesen. Info unter Tel. 0711 - 700 722 11 oder www.drf-luftrettung.de.
| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger Campus Großhadern |
| Woche: | 05 - 2012 |
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