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12.07.2010 - 12:17 Uhr
 

„Ein Meilenstein in der Stadtentwässerung“

Lückenschluss am Nordwest-Sammelkanal zwischen Feldmoching und Allach

Münchner Wochenanzeiger : Stadträtin und Tunnelpatin Sabine Nallinger vor dem sogenannten Stählernen Maulwurf, der in den Schacht eingesetzt wird und dann seine Arbeit aufnimmt. (Foto: red)
 
Stadträtin und Tunnelpatin Sabine Nallinger vor dem sogenannten Stählernen Maulwurf, der in den Schacht eingesetzt wird und dann seine Arbeit aufnimmt. (Foto: red)

Stadträtin Sabine Nallinger (Bündnis 90/Die Grünen) als Tunnelpatin und Robert Schmidt, der technische Werkleiter der Münchner Stadtentwässerung, haben für den 1,6 Kilometer langen Lückenschluss des Nordwest-Sammelkanals die Tunneltaufe vorgenommen. Die Münchner Stadtentwässerung hat am 9. März mit den Bauarbeiten für den Lückenschluss am Nordwest-Sammelkanal zwischen Schwabenbächl/Karlsfelder Straße im Westen und Heppstraße im Osten begonnen. „Für uns ist dies hier eine ganz wichtige Baustelle, die einen Meilenstein in der Münchner Stadtentwässerung darstellt“, erklärt Schmidt.

„Tunnelbau ist Abenteuer“

„Auch heute ist der Tunnelbau noch immer ein Stück Abenteuer, da er die Erschließung von Neuland bedeutet. Dabei ist ständig größte Wachsamkeit gefordert. Voraussetzung ist eine Mannschaft, die unter ideenreicher Nutzung der Erfahrung und aller technisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgeht“, betont Nallinger, die den Tunnel als Patin auf den Namen „Sabine-Stollen“ taufte. „Eine solche Gemeinschaftsaufgabe in einem Umfeld von Gefahren und Unwägbarkeiten braucht eine schützende Hand – auch jenseits aller technischen Erkenntnisse und beherrschbaren Sicherheitsrisiken.“ Für die Mineure übernimmt das seit alters her die „Heilige Barbara“. Aufgabe der Tunnelpatin ist es, „stellvertretend für die Heilige Barbara gemeinsam mit den Vortriebsmannschaften, ein gutes und unfallfreies Gelingen des Tunnels zu erbitten“, so Nallinger.

Im Herbst 2009 erteilte der Stadtrat den Auftrag für die Kanalbauarbeiten mit Gesamtkosten in Höhe von 32,4 Millionen Euro. Damit wird das noch fehlende Teilstück des größten Münchner Kanals zwischen den Ortsteilen Feldmoching und Allach geschlossen. Ziel ist es nach Angaben der Münchner Stadtentwässerung, die Kanalkapazität für das Abwasser aus den südwestlichen und westlichen Stadtteilen so zu erhöhen, dass diese auch bei außergewöhnlichen Starkregenereignissen ausreichen.

Der Kanal wird in unterirdischer Bauweise gefertigt und zwischen den Start- und Zielschächten mit einer Tunnelbohrmaschine vorangetrieben. „Wir bauen hier einen Betonkanal mit einer Länge von 1550 Metern“, erklärt Projektleiter Markus Baumann. Von der Startgrube aus werden direkt nach der Vortriebsmaschine die eigentlichen Bodenrohre kontinuierlich mittels hydraulischer Pressen eingehoben. „Es ist vorgesehen, vom Startschacht aus zuerst in westlicher Richtung eine Strecke von zirka 650 Metern aufzufahren, dann die Vortriebsmaschine im dortigen Zielschacht zu bergen, diese wieder im Startschacht einzubauen und schließlich die restlichen rund 900 Meter in östlicher Richtung herzustellen“, so Baumann weiter. Die Rohre mit einem Außendurchmesser von 4,1 Metern und einer Länge von 3,5 Metern haben ein Gewicht von rund 40 Tonnen. Sie werden in einer vorübergehend bestehenden Feldfabrik direkt vor Ort produziert, um den Anwohnern die An- und Abfahrt von etwa 440 begleitpflichtigen Schwertransporten zu ersparen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Herbst 2011.

Feldfabrik

Die Hauptbaustelleneinrichtungsfläche sowie die Feldfabrik befinden sich östlich der Siedlung Ludwigsfeld, südlich der Karlsfelder Straße. Zum weitgehenden Erhalt des Landschaftsschutzbildes wurde nördlich der Karlsfelder Straße ein bepflanzter Schutzwall errichtet. Nur in kleinen Bereichen wird von der Oberfläche aus in offener Bauweise gearbeitet: an den Anschlüssen an das bestehende Kanalnetz (Am Schwabenbächl und in der Heppstraße), am Pumpwerk in der Karlsfelder Straße, am Startschacht mit einer Baustelleneinrichtungsfläche sowie an den Einsteigschächten. „Durch die überwiegend unterirdische Bauweise werden die Beeinträchtigungen der Anwohner, des Straßenverkehrs und der Umwelt auf ein Minimum reduziert“, sagt Schmidt.

Im Rahmen der Baumaßnahme werden zudem Ausgleichsflächen von rund 15.000 Quadratmetern geschaffen. Auf Straßensperrungen kann laut Münchner Stadtentwässerung mit Ausnahme einer zirka vierwöchigen Sperrung der Querung des Kanals mit der Karlsfelder Straße weitgehend verzichtet werden.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Werbe-Spiegel
München
Woche: 28 - 2010
Autor: red

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