| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger Sendling-Westpark |
| Woche: | 34 - 2009 |
| Autor: | job |
Über einen kreuzungsfreien Ausbau des Mittleren Rings wurde bereits bei der Bewerbung für die Olympischen Spiele 1972 nachgedacht. CSU-OB Erich Kiesl nannte den Ausbau 1979 eines seiner »wichtigen Ziele.« Seit den 70er Jahren fordern die Anwohner auch einen Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz (im Februar 1979 schlägt z.B. die CSU im BA Waldfriedhofviertel den Bau eines sechsspurigen Tunnels unter der Garmischer Straße zumindest zwischen Westpark und Scharnitzstraße vor).
1987 stimmt der Stadtrat für den Bau des Petueltunnels - das bereits begonnene Projekt wird nach der Wiederwahl des SPD-OB Georg Kronawitters 1990 allerdings gestoppt. Der rot-grün dominierte Stadtrat beschließt nun eine »Absage an den Bau von Tunnelbauwerken, die Milliarden verschlingen, den Stau aber nur verlagern.« Nach der Fertigstellung des Brudermühltunnels (1988) hält man den weiteren Ausbau des Rings auch finanziell nicht mehr für machbar.
Die Bürger entscheiden 1996 anders. Sie wollen drei Tunnel - die auch nach dem Bürgerentscheid Gegenstand grundsätzlicher Debatten bleiben. Anfang 1999 meint etwa die damalige Stadtbaurätin Christiane Thalgott, »teuere Tunnelbauwerke sind kein Allheilmittel, die Nachteile überwiegen die Vorteile.«
Wir präsentieren anbei eine - zwangsläufig unvollständige - Chronik des Tunnelkampfes.
1982 / 83
Beim Bau des U-Bahnhofs Westpark (U 6) wird unter der Garmischer Straße ein erstes sechsspurig ausgelegtes Tunnelstück gebaut und seither als Abschnitt des Sperrengeschosses (u.a. für Lagerräume) benutzt.
1985
Juni Die CSU beantragt einen langen Südwest-Tunnel von der Lindauer Autobahn bis zur Passauerstraße.
1986
Februar Die Einwohnerversammlung Waldfriedhofviertel fordert den Bau eines langen Tunnels und lehnt die Alternative der Stadt München (Tunnel zwischen A 96 und Luise-Kiesselbach-Platz plus Einhausung der Heckenstallerstraße) ab.
Juni Vom Planungsreferat in Auftrag gegebene Studien sind sich nicht einig über eine Lösung für den Mittleren Ring Südwest. Ein Gutachten empfiehlt den Bau eines 1.500 m langen Tunnels zwischen A 96 und Murnauer Straße, ein zweites hält Lärmschutzmaßnahmen und Ampelanpassungen für ausreichend.
Oktober Die Bürgerversammlung Waldfriedhofviertel stimmt für einen langen Tunnel von der Lindauer Autobahn bis zur Passauerstraße.
1989
7. / 8. Oktober Anwohner des Rings um Heinz Gmelch gründen die Bürgerinitiative Langer Tunnel Südwest.
1990
12. April Die Regierung von Oberbayern genehmigt die Untertunnelung des Petuelrings (Erlass des Planfeststellungsbeschlusses).
19. Juli Etwa 2.000 Bürger demonstrieren am Luise-Kiesselbach-Platz für den Bau eines langen Tunnels.
1991
17. Juni Protestkundgebung der BI Langer Tunnel Südwest (Schießstätte Zielstattstraße).
14. November Münchens Umweltschutzreferent Rüdiger Schweikl tritt angesichts einer prognostizierten »gigantischen Verkehrs- und Schadstofflawine« und der besonders hohen Luftschadstoffwerte an der Garmischer Straße für einen unterirdischen Ausbau des Rings ein.
28. November Die Bürgerversammlung Waldfriedhofviertel stimmt einmal mehr für einen langen Tunnel von der A 96 bis zur Passauerstraße, wie ihn die BI Langer Tunnel Südwest vorschlägt.
1992
20. Oktober Die BI Langer Tunnel Südwest richtet einen Dringlichkeitsantrag an OB Georg Kronawitter, um den Tunnelbau voranzutreiben.
1995
November Eine Arbeitsgruppe aus den drei Bürgerinitiativen Petueltunnel, Richard-Strauss-Tunnel und Langer Tunnel Südwest sowie aus Taxi-München e.G., ADAC, Mobil in München e.V., CSU, FDP u.a. setzt sich zusammen, um das Bürgerbegehren für den Tunnelbau vorzubereiten.
1996
23. Juni In Münchens erstem Bürgerentscheid beschließen die Münchner mit knapper Mehrheit (50,56%), drei Tunnel am Mittleren Ring bauen zu lassen (Wahlbeteiligung: 32,03%).
1997
1. Januar Die Erhöhung der Gewerbesteuer zur Tunnelfinanzierung tritt in Kraft.
9. April Der Stadtrat beauftragt das Planungsreferat, ein Gesamtkonzept für den Ausbau des Mittleren Rings zu erarbeiten. Für den Tunnel Südwest werden fünf Varianten geprüft.
16. September Der erste Bohrpfahl für den Petueltunnel wird gesetzt.
1998
16. Juni Der Bezirksausschuss Bogenhausen beantragt, den Tunnel Ost vor dem Tunnel Südwest zu bauen.
25. November Der Stadtrat genehmigt das Vorprojekt für den Ausbau des Tunnels Ost und des Tunnels Südwest.
1999
24. November Die Stadt München beantragt die Planfeststellungsverfahren für den Tunnel Ost und Südwest.
2000
5. Juli Der Stadtrat sieht zwei Varianten für den Bau der Tunnel Ost und Südwest: den gleichzeitigen Bau und den aufeinander folgenden. Eine Entscheidung für eine der Alternativen fällt er noch nicht.
28. November Die Bürgerversammlung Sendling-Westpark empfiehlt wie die BI Langer Tunnel Südwest, den Heckenstaller-Trog auf Tunnelniveau (von 3,50 auf 6,30 m unter Oberflächenniveau) abzusenken. Zudem wird gefordert, den Tunnel Südwest vor dem Tunnel Ost zu bauen.
18. Dezember Die Pläne für den Tunnel Südwest werden erörtert.
21. Dezember Die Pläne für den Tunnel Ost werden erörtert.
2001
3. April Baureferent Horst Haffner erklärt, dass erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens entschieden werden kann, ob der Tunnel Südwest oder der Tunnel Ost zuerst gebaut wird.
15. Mai Die Pläne für den Tunnel Südwest werden nach Einwendungen von Bürgern geändert: Der Bauausschuss (Stadtrat) beschließt die Tieferlegung des Heckenstaller-Trogs sowie die Verlängerung der Lärmschutzwand vor St. Thomas Morus um 100 m.
29. Oktober Die CSU-Stadtratsfraktion fordert, die Projektgenehmigungen für die Tunnel Ost und Südwest gleichzeitig herbeizuführen und beide Tunnel unmittelbar nach Vorliegen der Planfeststellungsbeschlüsse zu bauen.
31. Oktober Ein erster Abschnitt des Petueltunnels wird eröffnet.
6. November Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark stimmt der Planung für den Tunnel Südwest zu.
2002
3. April Reihenfolge geklärt: Baureferent Horst Haffner teilt mit, dass nicht der Tunnel Südwest, sondern der Tunnel Ost als zweiter Ring-Tunnel gebaut wird.
23. April Die Bürgerversammlung Pasing empfiehlt, den Tunnel Südwest zeitnah zur (damals für 2005 erwarteten) Fertigstellung der A 99 West zu bauen.
24. April Der Stadtrat erteilt die Projektgenehmigung für den Tunnel Ost.
6. Juli Der gesamte Petueltunnel wird für den Verkehr freigegeben.
22. Juli Die Regierung von Oberbayern genehmigt die Untertunnelung des Mittleren Rings Ost (Erlass des Planfeststellungsbeschlusses).
10. Dezember Der Bauausschuss (Stadtrat) weist einen Antrag der CSU ab, mit dem Bau des Luise-Kiesselbach-Tunnels spätestens 2005 zu beginnen.
2003
7. Februar Die Regierung von Oberbayern genehmigt die Untertunnelung des Mittleren Rings Südwest (Erlass des Planfeststellungsbeschlusses). Damit beginnt eine fünfjährige Frist, innerhalb der das Projekt in Auftrag gegeben werden muss.
28. Mai Der Stadtrat erteilt die Ausführungsgenehmigung für den Tunnel Ost.
25. September Offizieller Baubeginn am Tunnel Ost.
2005
14. Oktober Die CSU-Stadträte Josef Schmid und Ilse Nagel beantragen unter Verweis auf zur Verfügung stehende Mittel des Freistaates den »schnellstmöglichen« Baubeginn des Tunnels Südwest - ohne Erfolg.
2006
17. Januar Der Bauausschuss (Stadtrat) lehnt den CSU-Antrag, den Baubeginn des Tunnels Südwest auf 2007 vorzuziehen, ab: Die vorbereitenden Kanalbauarbeiten sollen erst Anfang 2008 beginnen.
12. Oktober Der Landtag unterstützt eine Petition, mit der die BI Langer Tunnel Südwest und über 1.000 Bürgern den raschen Tunnelbau fordern. »Aus lufthygienischer Sicht wird der Bau des ‘Langen Tunnels Südwest’ unterstützt. Er sollte rasch realisiert werden«, finden Innenministerium und Landtag.
21. Dezember Der Effnertunnel wird als erster Teil des Tunnels Ost freigegeben.
2007
18. April Die Vollversammlung des Stadtrats erteilt die Projektgenehmigung für den Tunnel Südwest. Die Kosten werden auf 372,16 Millionen Euro veranschlagt. Der Stadtrat rechnet mit einer Bauzeit von Sommer 2009 bis 2015.
8. Oktober Mit der Fällung von 120 Bäumen an der Garmischer Straße beginnen die Kanalarbeiten (Dükerbau), die im Vorgriff auf den Tunnelbau Südwest nötig sind.
26. November Die BI Langer Tunnel Südwest veranstaltet den ersten Infoabend »Tunnelblicke.« Während über 200 Bürger nach St. Thomas Morus kommen, bleiben sämtliche Fachleute der Stadt fern.
2009
18. Februar Das Baureferat informiert vor über 400 Bürgern im ICP über den Ablauf des Tunnelbaus Südwest.
2. März Am Mittleren Ring Südwest beginnen die Fällungen von über 1.000 Bäumen und Gehölzen, die dem Tunnelbau noch im Weg stehen.
16. Juni Der Stadtrat erteilt die Ausführungsgenehmigung für den Tunnel Südwest.
24. Juni Bayerns Innenminister Joachim Herrmann beziffert den Beitrag des Freistaates zum Tunnel Südwest auf 123 Millionen Euro. OB Christian Ude klagt, der Freistaat habe seine Förderung reduziert und damit eine Finanzierungslücke von 37 Millionen Euro aufgerissen.
6. Juli Das Baureferat vergibt die Bauaufträge an die drei Firmen der ARGE Tunnel Südwest.
18. Juli Der gesamte Tunnel Ost wird offiziell eröffnet.
| Ausgabe: | Sendlinger Anzeiger Sendling-Westpark |
| Woche: | 34 - 2009 |
| Autor: | job |
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