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21.08.2011 - 14:14 Uhr
 

Bauarbeiten im Zeitplan: "Es schaut gut aus!"

Seit genau zwei Jahren sind die "echten" Tunnelarbeiten rund um den Luise-Kiesselbach-Platz im Gang / Anwohner rechnen mit Staus auch nach 2015

Münchner Wochenanzeiger : Erst nachdem Außenwände und Decke des Tunnels fertig sind, wird das Erdreich aus dem Bauwerk herausgebuddelt. Dieses Vorgehen ist derzeit deutlich an dem später einmal 14 m unter der Oberfläche liegenden Ausfahrtstunnel der A 95 am Luise-Kiesselbach-Platz zu sehen. (Foto: job)
 
Erst nachdem Außenwände und Decke des Tunnels fertig sind, wird das Erdreich aus dem Bauwerk herausgebuddelt. Dieses Vorgehen ist derzeit deutlich an dem später einmal 14 m unter der Oberfläche liegenden Ausfahrtstunnel der A 95 am Luise-Kiesselbach-Platz zu sehen. (Foto: job)

Beim Ausbau des Mittleren Rings Südwest ist es in den ersten beiden Jahren nur zu kleinen zeitlichen Verschiebungen gekommen. Bei der Baustellenführung des Sendlinger Anzeigers zeigte sich Markus Heinol (Baureferat) sicher, dass die Neubaustrecke wie geplant Ende 2015 für den Verkehr freigegeben werden kann: "Es schaut gut aus!" 50 Leser nahmen an der Führung teil; Markus Heinol und Projektleiter Johann Wittmann gaben ihnen zunächst im Info-Container einen Überblick über das gesamte Projekt und erläuterten dann an der offenen Baugrube am Luise-Kiesselbach-Platz Details. Hier befinden sich die tiefsten Stellen des gesamten Tunnels: Zum einen wurde für eine der Betriebsstationen bis in fast 21 m Tiefe gebaut, zum anderen muss für die kreuzungsfreie Abfahrt von der A 95 ein "Tunnel unter dem Tunnel" gebaut werden. Dieser ist der einzige Teil des gesamten Bauwerks, der unter dem Grundwasserspiegel liegen wird. Auf seiner bereits in Teilen fertigen Decke entstehen gerade die Bewehrungen für die darüberführenden Wände des Haupttunnels sowie dazwischen ein Treppenschacht für die Fluchtwege.

Überall in den drei großen Bauabschnitten des 400-Millionen-Euro-Projekts sind bereits Tunnelwände und -decken fertiggestellt. Läuft alles nach Plan, kann noch vor Ende des laufenden Jahres der Verkehr auf dem Luise-Kiesselbach-Platz erneut umgelegt werden, um Platz für die nächsten Bauschritte zu machen. Noch in den Sommerferien geschieht das am Ende der Garmischer Autobahn: Ab 2. September soll eine Spur auf die Südparkallee ausweichen. Alle derartigen provisorischen Verkehrsführungen schlagen mit 34 Millionen Euro zu Buche und machen damit rund 8 Prozent der Gesamtkosten des Baus aus. Kosten fallen indes auch nach der Fertigstellung der beiden Tunnel und des Heckenstallertrogs laufend an, erklärte Johann Wittmann bei der Führung: Jedes Jahr werden die Münchner für ihre Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz 1,2 Millionen ihrer Euros berappen müssen, um die Betriebskosten abzudecken. Größere Instandhaltungsmaßnahmen sind damit noch gar nicht abgedeckt.

Wie es am Luise-Kiesselbach-Platz letzten Endes aussehen wird, steht noch längst nicht fest (dass es in den Röhren darunter Blitzer geben wird, allerdings schon). An den Rändern könnten weitere Häuser entstehen. Die Auf- und Abfahrtstunnel der A 95 sind so ausgelegt, dass sie vier- bis fünfstöckige Wohnblocks tragen können. Die auf dem Platz verbleibenden Straßen werden auf der Westseite (vor Sparkasse, Sendlinger Anzeiger u.a.) gebündelt; wie die übrige, dann nicht mehr vom Mittleren Ring zerschnittene Fläche zu Füßen des Hauses St. Josef gestaltet wird, ist heute noch völlig offen. Bisher hat noch nicht einmal ein Gestaltungswettbewerb stattgefunden.

Während der Tunnel an vielen Stellen den an der Oberfläche fließenden Verkehr drastisch reduzieren soll (in der Garmischer Straße vor dem ICP rechnet das Gutachten von Prof. Kurzak, das inzwischen auch schon zwölf Jahre auf dem Buckel hat, mit künftig nur noch 4.000 statt 103.000 Fahrzeugen täglich), wird der Luise-Kiesselbach-Platz auch nach Abschluss des Tunnelprojekts ein verkehrsreicher Platz bleiben. 118.000 Fahrzeuge zählte Prof. Kurzak hier vor 13 Jahren täglich. Fast ebenso viele werden nach seiner Prognose einmal durch den Tunnel rollen - 112.000 am Tag. Weil die Verkehrslawine aber generell wächst und wächstA, werden etwa 40.000 weitere Fahrzeuge nach der Freigabe des Tunnels über den Luise-Kiesselbach-Platz rollen und nicht darunter: gut alle zwei Sekunden eines. Anwohner rund um den Mittleren Ring befürchten, dass der Tunnelbau die Staus vor ihrer Haustür nicht auflösen wird. Heinz Gmelch wies bei der Tunnelführung z.B. auf die in die Heckenstallerstraße abzweigende Abfahrt von der Garmischer Autobahn hin. Da für sie nur eine Tunnelspur gebaut werde, sei mit erheblichen Rückstaus auf der Autobahn zu rechnen, warnte Gmelch. Auch am nördlichen Ende des Tunnels werde es Staus und Stockungen geben, waren sich bei der Führung andere Teilnehmer sicher, etwa in dem auf die Ausbaustrecke folgenden nächsten Nadelöhr, dem Trappentreutunnel. Dass der Tunnelbau kein Mittel gegen Staus ist, wissen auch die Experten: "Irgendwo", meinte Markus Heinol, "wird der Verkehr an eine Grenze stoßen."

Klicken Sie hier, um den Tunnel-Plan zu sehen.

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Sendling-Westpark
Woche: 34 - 2011
Autor: job

Luise-Kiesselbach-Platz / Johann-Clanze-Str.

Luise-Kiesselbach-Platz
81377 München-Großhadern/Waldfriedhof

Kartenansicht

Luise-Kiesselbach-Platz / Johann-Clanze-Str.

 

 

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