| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Germering |
| Woche: | 12 - 2010 |
| Autor: | red |
1993 wurde die Stadthalle Germering eröffnet und rund zehn Jahre lang von Günter Mayr geführt. Wir wollten von seiner Nachfolgerin Medea Schmitt, vormals Leiterin des Freisinger Kulturamtes, wissen, was sich seither verändert hat und was die vorübergehende Schließung der Stadthalle für sie bedeutet.
Medea Schmitt: Ich bin vor rund sechs Jahren hier angetreten und habe seither die gesamte Palette des Kulturangebots in der Stadthalle Germering erweitert, weil ich ja auf ein breites Spektrum an Netzwerken zurückgreifen konnte. Wir haben die Wochentage zugeordnet: Donnerstags ist zum Beispiel Kabarett, am Freitag gibt es Konzerte. Durch den münchenweiten Ausbau des Vertriebsweges und den online-Kartenverkauf haben wir uns ein neues Publikum gezogen. Ich habe die Konzert- und die Jazzreihe eingeführt; die neue Bistro-Bestuhlung im Amadeussaal kommt bestens an – wir haben inzwischen ein sehr attraktives Programm mit großen Namen, nicht nur im Kabarettbereich, und einen super guten Ruf!
Und nun hat Ihnen der TÜV Süd Anfang Februar die Halle geschlossen?
Schmitt: Nein, das ist falsch. Diese Entscheidung konnte nur der Oberbürgermeister fällen. Angefangen hatte alles mit einer neuen Leinwand für den Lena-Christ-Saal. Die Montagefirma wies auf Mängel an der Deckenkonstruktion hin, gleichzeitig gab es eine Nachfrage der Unteren Bauaufsicht betreffs Brandschutz im Orlandosaal. Nachdem sich ein Gutachten für Sanierungsmaßnahmen ausgesprochen hatte, wurde von uns das zweite Gutachten beim TÜV Süd beauftragt, das auch zu dem Ergebnis kam, dass wir Maßnahmen zur Sicherung der abgehängten Decken ergreifen müssen. Die Entscheidung des Oberbürgermeisters ist zweifelsohne absolut richtig. Die Sicherheit geht vor, ich hätte genauso entschieden.
Was war Ihr erster Gedanke nach der Schließung?
Schmitt: Ich bin eher der pragmatische Typ. Mir ist als erstes die ausverkaufte Lesung mit Gerhard Polt durch den Kopf geschossen – ich habe ihn dann sofort angerufen. Nach bald zwanzig Jahren Kulturarbeit verfüge ich glücklicherweise über ein ausgezeichnetes Netzwerk, habe zu vielen Künstlern nicht nur einen persönlichen Draht, sondern auch ihre Handynummern. Das hat sich in den letzten Wochen sehr bewährt.
Was kam als Nächstes?
Schmitt: Dann habe ich mein Team zusammengerufen und wir haben gemeinsam festgelegt, wer was macht. Für uns alle ist das natürlich eine Riesen-Mehrarbeit. Das ging alles Schlag auf Schlag, täglich neue Untersuchungen, veränderte Gegebenheiten und neue Prioritätenlisten! Wir haben pro Jahr mehr als 100 eigene Veranstaltungen, davon fallen in den Schließungszeitraum bis Ende April alleine schon 30, von denen wir bisher bereits 17 verlegen konnten in Richtung Frühsommer und Herbst. Einzeltermine lassen sich eher verlegen, bei Tourneetheater-Produktionen ist es dagegen meist nicht möglich, einen neuen Termin zu bekommen.
Sind jetzt alle Künstler verärgert wegen ihrer geplatzten Auftritte?
Schmitt: Überhaupt nicht! Sie reagieren nahezu ausschließlich sehr verständnisvoll und entgegenkommend. Sicher liegt das auch daran, dass ich schon so lange im Business bin; man kennt mich und man vertraut mir.
Neben den eigenen Veranstaltungen: Wer ist noch betroffen?
Schmitt: Das Kino und die Gastronomie. Tagungen, Seminare, Kongresse, die Germeringer Vereine. Unsere Disponentin ist nur noch am Telefonieren: bis Ende April sind 258 Anmietungen betroffen. Mit den Pächtern von Kino und Gastronomie haben wir persönliche Gespräche geführt, die sind sehr verständnisvoll. Genauso die Vereine, die sich sehr bemühen, Ausweichstätten für ihre Veranstaltungen zu finden. Im Tagungs- und Kongressbereich glauben wir fest daran, dass unsere Stammkunden weiterhin bei uns buchen.
Was ist für Ihre Kunden, die Stadthallenbesucher, wichtig?
Schmitt: Wenn Veranstaltungen verlegt werden, bleiben die Karten natürlich gültig. Bei einer Absage wird der Kartenpreis selbstverständlich zu 100 Prozent rückerstattet. Deshalb ist an den ursprünglichen Veranstaltungstagen immer auch eine Abendkasse geöffnet. Informationen über Verlegungen und wie es weitergeht gibt es in der Presse und auf unserer Homepage www.stadthalle-germering.de – die ist immer mega aktuell!
Wirkt sich die Schließung sehr negativ aus?
Schmitt: Momentan werden auch von verlegten Veranstaltungen sehr viele Karten zurückgegeben; am liebsten würde ich rufen: „Leute, behaltet Eure Karten!“. Aber wir haben alles im Griff, die Kunden sind zur Zeit einfach verunsichert. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Mai den Orlandosaal wieder eröffnen können, dann kehrt erneut Leben in die Stadthalle ein. Schließlich haben wir wirklich einen super guten Ruf, ein überragendes Preis-Leistungsverhältnis und ein klasse Programm. Zudem ist die Stadthalle technisch hervorragend ausgerüstet von den Verdunklungsmöglichkeiten über die Klimaanlage bis hin zur variablen Gestaltung der Tagungsräume. Ich und mein Team sehen sehr positiv in die Zukunft, schließlich bekommen wir oft genug von neuen Interessenten zu hören: „Was habt Ihr bloß für eine tolle Halle!“.
Interview: Eva Schraft
Fotos: Regine Pätz
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel Germering |
| Woche: | 12 - 2010 |
| Autor: | red |
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