| Ausgabe: | Werbe-Spiegel |
| Woche: | 29 - 2010 |
| Autor: | MR |
Es gibt wohl kaum ein derartig vollständiges Archiv in Sachen Verlagsgeschichte wie das von Kurt Kaiser gepflegte; die vielen Bilder auf diesen Seiten zeugen von diesem enormen Fundus. Die Geschichte des Sendlinger Anzeigers, und die damit verbundene Familientradition, schon einmal ausführlich dargestellt im Münchner Samstagsblatt 17-2005, und noch einmal langfristig dokumentiert in dem Buch „Original Münchner G'schichte(n)“, die Geschichte der Anzeigenblätter in München, kann keiner so gut erzählen wie Kurt Kaiser.
Seit seinem Einstieg in den Verlag des Sendlinger Anzeigers 1969 ist Kurt Kaiser dort für das eigentliche Geschäft zuständig. Gern erinnert er sich an seinen Schwiegervater Georg Fürst, der, wie es der Gewerbeschein ausweist (Abb.), zu den echten Gründern in München gehörte.
Schon dieser war in seinem Viertel bestens „vernetzt“ - es geht das Gerücht, dass er trotz seiner Tüchtigkeit beim Kartenspielen mit den lokalen Größen in der Wirtschaft in der Großmarkthalle teilweise mehr verdient als mit dem „Anzeiger“, wie der Sendlinger Anzeiger heute noch im engeren Kreis der Familie genannt wird.
Kurt Kaiser ist und war ein Verleger mit Augenmaß und Bodenhaftung – er war selbst bis vor wenigen Monaten mit an der Kundenfront – seine besondere Leidenschaft galt und gilt immer aber auch den Vertriebsaspekten.
Für seine Schwiegereltern bedeutete der Kauf einer 150er-Sachs einst den Einstieg in die deutlich erweiterte Mobiltät (Abb.) und der Büroumzug 1964 an den Luise-Kiesselbach-Platz einen mutigen Schritt in die neue, expansivere Zeit war, Kurt Kaiser und mit ihm seine Frau Renate an der operativen Spitze des inzwischen bestens etablierten Verlag hatten ganz andere Herausforderungen zu bestehen.
So zählt der Verleger des „Sendlingers“ zu den Gründervätern der Gruppe Münchner Wochenanzeiger, lotste diese anfänglich nur schwer domestizierbare Gruppe voller erfolgreicher Individualisten mit viel Sensibilität und großer Kompromissbreitschaft um so manche Sollbruchstelle dieser anfänglich so instabilen Konstellation.
Die Atmosphäre im Unternehmen ist familiär, i-Abkürzungen bei den Nachnamen haben sich eingebürgert. Viele der Mitarbeiter sind seit langen Jahren für den Verlag tätig. So auch Klaus-Dieter Kiefer: Mit ihm konnte 1975 ein Mann aus der Zeitungsbranche für den Verlag gewonnen werden, der die Redaktion wesentlich mit aufbaute und im Mitarbeiterstab des Sendlinger Anzeigers als Chefredakteur und Anzeigenkoordinator Verantwortung übernahm. Er gehört bis heute dem Unternehmen an. „Im Verbreitungsgebiet des Sendlinger kennt ihn wohl ein jeder.“
Kurt Kaiser, der ab und an wunderschön kommunikative Weißwurst-Treffs der „Blauen“ initiiert, dort gerne und begeistert von den alten Zeiten spricht, hat den Staffelstab inzwischen schon ein Stück weit an seinen Sohn Peter Kaiser übergeben. Der gelernte Medien-Designer ist für die Abwicklung zwischen Verlag und Technik verantwortlich, kümmert sich um den grafischen Bereich und den EDV-Apparat und tritt immer mehr in die verlegerischen Fußstapfen seines Vaters.
Auch Peter Kaisers älterer Bruder Axel, studierter Mediensoziologie und Betriebswirtschaftler, schraubt an der Zukunft des Sendlingers. Er gehört der 2008 vom Sendlinger Anzeiger und Werbe-Spiegel-Verlag gemeinsam gegründeten Internetfirma „'Münchner Wochenanzeiger GmbH Marketing und Publishing' (MP) an. Über die Betreuung und Weiterentwicklung der eigenen Internetauftritte hinaus, bietet die MP inzwischen ein Vielzahl an innovativen Softwarelösungen an. Mit dem Redaktionssystem 'Q-Cat' (Content Administration Tool) hat sie ein modernes und dezentrales Instrument zur Redaktionsverwaltung entwickelt. Redakteure können damit übers Internet live ihre Artikel veröffentlichen und auch alle weiteren Inhalte wie Bilder, Termine oder Anzeigen verwalten.
Kurt Kaiser, der sich noch an den Rama-dama-Wimmer erinnern kann, bezeichnet München gerne als „die heimliche Hauptstadt der Anzeigenblätter“. Er, der sich nie in die erste Reihe gedrängt hat, aber gerade den Jüngeren immer wieder beratend, und ab und an auch mal verzeihend zur Seite gestanden hat, wenn da in jugendlichem Übermut dem einen oder anderen mal, ein bisserl was aus dem Ruder gelaufen ist , er, der manchen Absprung verhindert hat, mit dem Hinweis, „du hast nur einen Rucksack auf – das ist kein Fallschirm“, wird noch heute gerne von den „Jüngeren“, und nicht nur von seinen Söhnen, um seinen erfahrenen Rat gefragt.
Der Verleger, den eine bayerische Brotzeit mit einem schönen Blick von der Terrasse in die Berge mehr reizt als durch Champagner getriebene Rennschnecken, genießt die Zeit mit seiner Frau Renate, mit der ihn neben seinen beiden Buben, ein komplettes Berufsleben sowie jede Menge gemeinsamer Sport verbindet.
| Ausgabe: | Werbe-Spiegel |
| Woche: | 29 - 2010 |
| Autor: | MR |
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