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16.09.2008, 18:22 Uhr  |  starstarstarstarstar (4.0)  |  14 Kommentare

Ungeliebte Skater

Anwohner kämpfen mit einer Unterschriftenaktion gegen den "Krach auf vier Rollen" am Georg-Freundorfer-Platz

Geht es nach dem Willen einiger Anwohner,wird der beliebte spot für Skater auf dem Georg-Freundorfer-Platz dichtgemacht.
Geht es nach dem Willen einiger Anwohner,wird der beliebte "spot" für Skater auf dem Georg-Freundorfer-Platz dichtgemacht. (tg)
Westend · „Wir kämpfen um unsere Ruhe.“ Einige Anwohner aus der Nachbarschaft des Georg-Freundorfer-Platzes machten bei der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe (BA 8) ihrem Ärger Luft. Der durch die stetig wachsende Zahl von Skateboardfahrern anhaltende Lärm auf dem Platz sei ihnen nicht mehr zuzumuten, trugen sie vor. Ein Mann erregte sich: „Ich bin am Rande einer Nervenkrankheit. So ein Spektakel gibt es in ganz Deutschland nicht.“ Mit „heiligem Zorn“ forderten er und seine Mitstreiter, der Skaterplatz müsse geschlossen werden. Sie fühlen sich durch den Lärm wie unter „Dauerbeschuss“. „Das ist so, als ob ein Schützenverein seine Übungen macht.“

Darüber hinaus sollen die Skater durch „öffentliches Urinieren” und Pöbeleien unliebsam aufgefallen sein, war im BA zu hören. Anwohner und Geschäftsleute haben deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet, die bewirken soll, die Skater vom Georg-Freundorfer-Platz, „dem Lieblingsplatz der Skater von ganz München“, zu verbannen. Das fordern sie, weil der Lärm mittlerweile nicht nur ein zermürbendes, sondern „schwer gesundheitsgefährdendes Niveau“ erreicht habe. Dem könnten besonders viele Senioren nicht ausweichen, weil das Skateboarden nicht nur wochentags, sondern auch an Sonn- und Feiertagen erlaubt sei.

Kein Anlass, das Skaten zu verbieten

Artistische Luftsprünge und Showeinlagen zeigen die Skater am Georg-Freundorfer-Platz.
Artistische Luftsprünge und Showeinlagen zeigen die Skater am Georg-Freundorfer-Platz. (tg)
„Wir nehmen alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anliegen ernst“, betonte der BA-Vorsitzende Ludwig Wörner (SPD). Er stellte jedoch klar, dass alle Mitglieder des ehemaligen Bezirksausschusses das Konzept für die Skater-Anlage auf dem Platz getragen hätten. Daran will die Fraktion der Grünen auch grundsätzlich festhalten. Bei allem Verständnis für die Sorgen von Anwohnern, ein komplettes Verbot kommt auch für Grünen nicht in Frage. Daniel Günthör: „Kinder sind auch Bürger.“ Wörner verwies im Zusammenhang mit den Beschwerden auf eine Stellungnahme des Baureferates, Abteilung Gartenbau. Demnach gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass das Skaten auf dem Georg-Freundorfer-Platz innerhalb der zurückliegenden Monate oder Jahre sehr stark zugenommen hätte. Das Referat sieht keinen Anlass, das Skaten zu verbieten oder zeitlich und örtlich zu beschränken. Das sieht das Lokalparlament ebenso. Ohne Gegenstimme!

"Die wollten keine Argumente hören"

Anwohner beschwerten sich im BA Schwanthalerhöhe darüber, dass die Skatezeiten auf dem Georg-Freundorfer-Platz nicht eingehalten würden. Das stimmt nicht, erklären die Skater.
Anwohner beschwerten sich im BA Schwanthalerhöhe darüber, dass die Skatezeiten auf dem Georg-Freundorfer-Platz nicht eingehalten würden. Das stimmt nicht, erklären die Skater. (tg)
Ein Nachmittag auf dem Georg-Freundorfer-Platz. Gut ein Dutzend Skater vergnügt sich mit akrobatischen Sprüngen und gewagten Figuren auf dem asphaltierten Gelände am südlichen Rande des Platzes. Von den Bänken, die das Areal begrenzen, verfolgen junge und ältere Zuschauer die Show-Einlagen der Skater. Viel Verständnis bringen zwei fast siebzigjährige Damen den jungen Leuten entgegen. „Die müssen sich doch auch irgendwo austoben. Dafür ist der Platz hier doch gemacht.“ Ihnen liege es fern, sich über die Skater aufzuregen oder auf sie zu schimpfen. „Wir hatten selber Kinder.“ Sie wollen nicht so alt werden wie andere, „die sich über alles ärgern, aufregen und schimpfen“. Christian Brauer, ein Skater aus Sendling, ist fast täglich auf dem „Spot“, wie der Platz von Skateboard-Enthusiasten genannt wird. Wie viele andere Gleichgesinnte schätzt er den Platz. „Er ist sehr urban und nicht so abgeschirmt.“ Brauer versichert: „Wir halten uns an die vorgeschriebenen Zeiten. Wir schauen, dass um 8 Uhr Schluss ist. Auch den Müll räumen wir selber auf.“ Der junge Mann bedauert, dass eine sachliche Diskussion mit Anwohnern, die sich beschwert hatten, nicht möglich gewesen sei. „Die wollten gar keine Argumente hören. Die haben uns nur beschimpft.“ Es gebe allerdings auch Leute, die sie unterstützten. Christian Brauer: „Manche sagen, wir finden es gut, dass die jungen Leute hier sind.“ Der Straßenverkehr mache doch „schließlich auch Lärm”. Einige Bewohner in der Nachbarschaft hätten Wert darauf gelegt, festzustellen, sie trügen die Unterschriftenaktion für ein Skateverbot nicht mit. Für die Skater spricht nach Auffassung des Baureferates auch eine Internet-Seite mit dem Motto „Save the spot“, auf der die Skater dazu aufrufen, die Nutzungszeiten streng einzuhalten und Lärm und Müll zu vermeiden. 

TG
Werbe Spiegel, Woche 38 – 2008
 

Kommentare

Jonas R (26.09.2008, 14:45 Uhr)
Ich möchte nur mal anmerken, dass ich unter anderem gerade wegen der Lage des Spots ins Westend gezogen bin und somit wohl ausnahmsweise befugt bin meine Meinung zu sagen...
1.Der Skatepark auf der Theresienwiese ist einer der schlechtesten Skateparks die ich jemals in meinem Leben gefahren bin. Die Rampen haben oft Mängel und es besteht verletzungsgefahr... Sobald es etwas windet ist es unmöglich dort zu fahren, da er nicht windgeschützt ist... Außerdem wird er zur Wiesn abgebaut.
2. Skateboarder sind keinesfalls dumme Leute und ich denke sie sind kooperativ wenn man mit ihnen redet... Und wenn sich "Skateboardtouristen" nicht auskennen und sich nicht an die Skatezeiten halten, wär es mir es wert kurz vors Haus zu gehen um meine Ruhe zu haben...
3.Wieso soll denn der Spot gleich komplett geschlossen werden? Wie wäre es mal an die Jugendlichen zu denken und erstmal 1-2 Ruhetage pro Woche zu vereinbaren wenn der Lärm wirklich so "gesundheitsschädlich" ist...

Ich weiss nur, dass ich wenn ich älter werde es gerne tolerieren werde wenns paar mal vor der Tür klappert und dafür Jugendliche in meinem Viertel Spaß haben. Ich möchte nämlich nicht in einem "Oma-umfeld" in dem es nur Rollstühle und Gehstöcke gibt alt werden...

Mfg Jonas R.
Peter Hahne (25.09.2008, 09:38 Uhr)
Herr Kuhlmann, bitte bei der Wahrheit bleiben!

Euer "Krankes Grillfest" im Juni wurde um 21.00 Uhr von der Polizei aufgelöst und nicht aufgrund Eurer Rücksicht! Wenn dem nicht so gewesen wäre, wäre diese bis Ultimo gegangen!

Alles klar?!
Thomas Kaspar (24.09.2008, 16:29 Uhr)
Zitat Peter Hahne: "An dieser Stelle sei auch klar gestellt, dass die "Skatefläche" auf dem Freundofer-Platz eine Multifunktionsfläche ist und keine Skateanlage, was viele irrtümlich annehmen."

Hier dürfte dann die von Herrn Fischer angesprochene Sportstättenverordnung meiner Ansicht nach nicht greifen.
Wenn ich das hier: http://www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/hauptlaermquellen/sportlaerm.html
richtig verstanden habe.

Ich persönlich bezweifle auch, dass beim grinden auf Metallkanten, wie sie sich am Georg-Freundorfer-Platz befinden, 68dB entstehen. Höchstens die Messung findet im Abstand von 5cm statt. Ein Link oder eine Nachvollziehbare Quelle wären hier hilfreich, da ich durch kurzes googlen nix gefunden habe.
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