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13.03.2009 - 13:56 Uhr
 

Gewaltiges Interesse an Infos zum Tunnel

Zweiter "Tunnelblicke"-Abend der Bürgerinitiative

Münchner Wochenanzeiger : Wir informieren fortlaufend über den Bau des Tunnels am Mittleren Ring.
 
Wir informieren fortlaufend über den Bau des Tunnels am Mittleren Ring.

»Bis August sind wird startbereit«, meint Johann Wittmann, der den Tunnelbau am Luise-Kiesselbach-Platz leitet. In den kommenden Monaten werden die Düker fertiggestellt und die den Bau störenden Versorgungsleitungen verlegt. Wenn im August die ersten Bohrpfähle für die künftigen Tunnelwände in den Boden gerammt werden, beginnt der »echte« Tunnelbau, der sich bis 2015 hinziehen wird. 1,3 Millionen Kubikmeter Erdreich werden zwischen Westpark und Passauerstraße bewegt werden müssen - das entspricht ziemlich genau dem halben Volumen der Cheopspyramide. Wie die Bauarbeiten im Einzelnen ablaufen, erläuterte Wittmann bei einer Infoveranstaltung  der Bürgerinitiative Langer Tunnel Südwest im Pfarrsaal St. Thomas Morus. Wie der vorangegangene Infoabend im ICP stieß sie auf ein gewaltiges Interesse: Der Pfarrsaal konnte nicht alle Bürger fassen. Bei der Veranstaltung, bei der auch MdL Georg Eisenreich und etliche Stadträte (Otto Seidl, Sabine Nallinger, Manuela Olhausen, Christiane Hacker) anwesend waren, beantworteten die Experten aus dem städtischen Bau- und Kreisverwaltungsreferat die Fragen der Bürger zu dem Bauvorhaben. Bevor im August die Rohbauarbeiten starten, wird es eine weitere Infoveranstaltung des Baureferats geben, versprach Johann Wittmann.

Ausführliche Informationen über den Tunnelbau finden Sie in auch in unserer nächsten Ausgabe.

Bürgerfragen zum Tunnelprojekt beantworteten Projektleiter Johann Wittmann (Baureferat) und Stefan Bauer (KVR):

* Welchen Bereich deckt die Beweissicherung an den Häusern vor Baubeginn ab? Die Beweissicherung umfasst einen 50 Meter breiten Streifen entlang der Baustelle. Für eventuelle Schäden (die bei den beiden bisherigen Ring-Tunneln aber nur in geringem Maß auftraten) schließt die Stadt eine Haftpflichtversicherung ab.

* Welchen Lärm macht das Setzen der Bohrpfähle? Das Hineindrücken der Pfähle ins Erdreich ist nicht laut, sondern das Ausschütteln des Erdreichs aus den Stahlrohren. Dieser Lärm liegt geringfügig über dem aktuellen Verkehrslärm von mehr als 70 Dezibel.

* Kann es durch die Rückverankerung von Bohrpfählen, die im Erdreich bis unter die Häuser am Tunnel führt, zu Schäden an diesen Gebäuden kommen? Eine Rückverankerung von Bohrpfählen z.B. unter den Reihenhäusern in der Heckenstallerstraße ist nicht vorgesehen. Nur in der Garmischer Straße werden Bohrpfähle (lediglich während der Bauphase) provisorisch rückverankert.

* Welcher Schulweg steht den Kindern nach dem Abriss der Grabbebrücke zur Verfügung? An der Höglwörtherstraße wird ein ampelgesicherter Übergang eingerichtet. Da die Fahrspuren verengt sein werden, wird der Übergang kürzer als heute. Eine provisorische Ersatzbrücke hätte einen zu großen Höhenunterschied, um akzeptiert zu werden, und wäre zu aufwendig, da sie während der Bauzeit mindestens einmal umgesetzt werden müsste.

* Wieviel Verkehr wird während des Tunnelbaus über die Nebenstraßen ausweichen? 85 bis 90 Prozent des heutigen Verkehrs werden am Mittleren Ring aufrechterhalten. Nach den Erfahrungen mit dem Tunnel Ost wird nur mit sehr wenig Ausweichverkehr gerechnet. Ergibt sich dieser dennoch, reagiert das KVR mit kurzfristigen Regelungen in den Nebenstraßen (denkbar wäre z.B., die Einbahnrichtung der Konrad-Celtis-Straße umzukehren). Hauptstauzonen sind die Bereiche direkt vor der Baustelle, also die Garmischer Autobahn und der Mittlere Ring Süd (Brudermühltunnel).

* Wird der Harras-Umbau mit dem Tunnelbau abgestimmt? Derzeit gibt es noch keinen Bauauftrag für den Harras, sondern nur Planungen. Da Plinganserstraße / Harras schon jetzt völlig ausgelastet sind, rechnet das KVR nicht mit »Tunnelflüchtern« auf dieser Strecke: »Da geht einfach nicht noch mehr Verkehr durch!«

* Kann der Trog der Heckenstallerstraße später noch mit einem Deckel geschlossen werden? Eine Deckelung des vier Meter unter Geländeniveau liegenden Trogs ist nicht vorgesehen. Es besteht aber die Option, die drei Meter hohen Lärmschutzwände auf fünf Meter zu erhöhen, sofern die Grenzwerte überschritten werden. Eine Deckelung würde die Umluftwerte an den Tunnelportalen am Westpark und an Passauerstraße verändern. Details dazu wurden allerdings nie geprüft.

* Verändert der Tunnelbau die Grundwasserströme? Der Bau hat keine Einflüsse auf das Grundwasser. Nur jeder zweite Bohrpfahl stößt bis zur Grundwasserschicht vor. Im Grundwasser selbst liegt nur ein einziger Tunnelbereich: der Doppelstocktunnel unter dem Luise-Kiesselbach-Platz.

* Kann man den Tunnelbau wenigstens um ein paar Monate beschleunigen? Nein. Die von einem externen Terminplaner vorgesehenen sechs Jahre Bauzeit sind bereits eine Herausforderung für die Tunnelbauer. »Wir bauen unter extremen Bedingungen«, erinnerte Johann Wittmann. Keine Baufirma brauche mutwillig länger als nötig, schon weil ihre Geräte sonst entsprechend mehr Geld kosten. Würde man den Tunnel eher fertigstellen wollen, müsste man Tag und Nacht arbeiten (was mit Rücksicht auf die Anwohner aber nicht getan wird) und Abstriche bei Sicherheit und Bauqualität in Kauf nehmen. 

 
Artikelinfo
Ausgabe: Sendlinger Anzeiger
Sendling-Westpark
Woche: 12 - 2009
Autor: job
Artikelkommentare
Sibylle Koch (01.04.09)
Meine Frage:
Gab es keine andere Lösung als 1600 Bäume zu fällen? Das Kostenargument ist mir bekannt. Es wundert mich auch, dass das Baumfällen so schnell und ungebremst über die Bühne gehen konnte. Wo sind in diesem Fall \"die Grünen\" geblieben? Die Anwohner, die jahrelang mit der Baustelle leben sollen, bedaure ich - und kann mir vorstellen, dass alle, die können, das Viertel verlassen. Wer nicht mehr weg kann, das sind z.B. die Bewohner des Altenheims, eine traurige Endstation am Luise-Kiesselbachplatz.
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